bedeckt München 15°

Armwrestling:Der WM-Sieger muss für seine Sportart kämpfen

Mit dem Adler über dem Bizeps: Bei Großereignissen war Dieter Spannagel (li.) stets topfit - als Weltmeister beendet er nun seine Karriere.

(Foto: oh)

Dieter Spannagels Sport ist populär - in Russland, seiner alten Heimat. Seinem Münchner Verein hilft das aber wenig. Dabei hat die Disziplin sogar einen sozialen Anspruch.

Das Finale um die Weltmeisterschaft dauerte ein, zwei Sekunden, dann hatte er seinen Gegner plattgemacht. Besser gesagt, er hatte dessen rechten Unterarm nach unten gedrückt bis auf die Tischplatte. Der Italiener Ermes Gasparini war chancenlos in diesem Wettstreit. Dieter Spannagel, der bayerische Russlanddeutsche, legte sich ein schwarz-rot-goldenes Banner über die Schultern und hörte kurze Zeit später die Nationalhymne - als neuer Weltmeister im Armwrestling mit dem rechten Arm in der Klasse bis 90 Kilogramm.

"Es war eine riesige Erleichterung, diesen Titel gewonnen zu haben", sagt der 36 Jahre alte Kraftsportler ein paar Wochen nach seinem größten Erfolg, den er in Malaysia feierte. Dass es gleichzeitig sein letzter als aktiver Sportler war, bestätigt Spannagel: "Wie angekündigt werde ich meine Karriere beenden."

Sportliches Engagement - mit Hindernissen

Was nicht heißt, dass er dem Armwrestling-Sport künftig die kalte Schulter zeigen wird. Ganz im Gegenteil, der mehrmalige deutsche Meister hofft, dass diese Disziplin in Deutschland bald noch populärer wird. Wobei ihm klar ist, dass sie nie eine annähernd so große Anhängerschaft haben wird wie in Russland, der Ukraine, Kasachstan, Georgien, Bulgarien oder der Türkei.

Tim Wiese Lieber Tim Wiese, so geht Wrestling
Fußball-Torwart mit neuer Berufung

Lieber Tim Wiese, so geht Wrestling

Was ist ein "Gimmick"? Was ein "Holy Shit Moment"? Und vor allem: Ist das wirklich alles nur gespielt? Tim Wiese soll an diesem Samstag seinen ersten Gastauftritt bei einer großen Wrestling-Veranstaltung haben. SZ.de erklärt ihm - und den Lesern - die wichtigsten Wrestling-Begriffe.   Von Jannis Brühl

Dort wird Armwrestling teilweise staatlich gefördert, es gibt Stipendien für Nachwuchssportler, die Wettkämpfe werden im Fernsehen übertragen. Die Titelkämpfe zuletzt in Malaysia hatten ein Budget von 650 000 Euro, zwei TV-Sender zeigten die Wettkämpfe live.

Von solcher Aufmerksamkeit kann man hierzulande nur träumen. Spannagel wäre schon froh, wenn er wenigstens in München mit seinem Verein, den 2006 gegründeten München Gladiators, Fuß fassen könnte. Derzeit trainieren die bayerischen Armwrestler unter seiner Leitung in Kaufbeuren. Nicht gerade ideal, weil die Athleten aus allen Teilen des Freistaates und sogar bis aus Stuttgart kommen und das Allgäu nicht für jeden leicht zu erreichen ist.

"Bayern stellt sich quer"

Doch an der Landeshauptstadt haben sie sich bisher die Zähne ausgebissen: "All unsere Anfragen nach einem Raum mit ein paar Kraftgeräten und einem Tisch zum Drücken sind bisher ins Leere gelaufen", sagt Spannagel. Nur beim Münchner Sportfestival auf dem Königsplatz hat der Klub jedes Jahr Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch vom Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) erhält Spannagel nicht die erhoffte Unterstützung. "Sie haben immer gesagt, sie wollen uns helfen. Aber offensichtlich sind die Strukturen so kompliziert, dass es bisher nie geklappt hat."

In Deutschland gelten Frankfurt/Oder, Hanau und Wolfsburg als Hochburgen, in denen die Sportart besser gefördert wird als hier. "Bayern stellt sich quer. Aber ich werde nicht aufgeben."

Besser nicht besoffen sein
Kraftsport auf der Wiesn

Besser nicht besoffen sein

Ein Klassiker: Die einen vergnügt die Schadenfreude, die anderen schwingen testosterongetrieben den Hammer: Die Faszination Hau den Lukas auf dem OKtoberfest.   Florian Falterer und Florian Stielow

Dabei haben die München Gladiators auch einen sozialen Anspruch: Armwrestling ist eine aufstrebende Disziplin im Bereich des Versehrtensports. Da man es im Sitzen betreiben kann, ist das Interesse gerade bei Rollstuhlfahrern groß. Spannagel ist offizieller Behindertenbeauftragter der International Armwrestling Federation for Disabled (IAFD) in Deutschland. Die Hoffnung des Weltmeisters: "Irgendwann muss der Armsport Teil der Paralympics sein. Das ist ein Traum von mir."