Fußball-Torwart mit neuer Berufung Lieber Tim Wiese, so geht Wrestling

Neue Berufung Wrestling? Ex-Werder Torwart Tim Wiese, hier noch beim Fußball, nämlich beim Abschiedsspiel von Aílton im September im Weserstadion in Bremen.

(Foto: dpa)

Was ist ein "Gimmick"? Was ein "Holy Shit Moment"? Und vor allem: Ist das wirklich alles nur gespielt? Tim Wiese soll an diesem Samstag seinen ersten Gastauftritt bei einer großen Wrestling-Veranstaltung haben. SZ.de erklärt ihm - und den Lesern - die wichtigsten Wrestling-Begriffe.

Von Jannis Brühl

Dass Wrestling ein echter Sport ist, würden seine Fans nie behaupten. Nein, sagen sie stolz, vielmehr handelt es sich der Definition nach um "Sports Entertainment" - eine Definition übrigens, die sich die Chefs der wichtigsten Wrestling-Organsation WWF wie so vieles einst einfach selbst ausdachten.

Auch Tim Wiese stand immer im Ruf, dass ihm Entertainment und Sport in etwa gleich wichtig waren. Und auch er wurde ein bisschen missverstanden als Torwart seines Vereins Hoffenheim, genau wie die Wrestling-Kämpfer, die mit geschminkten von mal geschauspielerten, mal echtem Schmerz verzerrten Gesichtern durch den Ring geprügelt werden und trotz all ihrer Anstrengungen nicht als Sportler gelten, sondern als Clowns.

Tim Wiese Wiese soll Wrestler werden
Ehemaliger Torwart

Wiese soll Wrestler werden

"Schiss habe ich nicht": Der frühere Fußballtorwart Tim Wiese überlegt, eine Karriere als Wrestler zu starten. Das wäre nur folgerichtig - zumal sich gute Kampfnamen anböten.   Von Michael Neudecker

An diesem Samstagabend könnten Wiese und das Wrestling erstmals zusammenfinden, bei einem Kampf-Tag der WWE (World Wrestling Entertainment), wie die WWF heute heißt, in Frankfurt. Dort soll der ehemalige Fußballer zumindest einen kurzen Auftritt haben. Er verhandelt mit der Organisation - besser gesagt: dem börsennotierten Unternehmen - ob er tatsächlich in Zukunft als Wrestler kämpfen wird. Das wäre ein riesiger PR-Erfolg für die WWE in Deutschland. Wiese hat sich Muskelberge antrainiert, sein Kampfgewicht liegt bei etwa 120 Kilo.

"Checklisten" fürs Kampfgeschehen

Damit er sich in seiner neuen Branche gleich auskennt, hier einige wichtige Begriffe aus der Welt des Wrestlings:

Ein Kampf endet durch Aufgabe oder den Pin, für den ein Kämpfer den anderen mit den Schultern solange auf dem Boden hält, bis der Ringrichter bis drei gezählt hat.

Die entscheidende Frage beim Wrestling ist aber natürlich: Was ist echt, was nicht?

Der Ausgang der Kämpfe ist meist vorherbestimmt, geschrieben werden die Erzählstränge von den Bookern. Sie sind die Drehbuchautoren, die dafür zuständig sind, welcher Kämpfer wen herausfordert, wer mit wem paktiert und vor allem, wer wen wie auf die Fresse haut. Denn jede der regelmäßig ausgestrahlten Fernsehübertragungen ist wie die Episode einer Seifenoper, nur eben mit halbnackten, geschminkten Männern (und ein paar leichtbekleideten Frauen).

Wiese sollte sich auf wochen- oder monatelange Fehden einstellen, die in emotionaler Versöhnung vor der Kamera enden können - oder in einem dramatischen Kampf, der die Fehde endgültig beilegen soll. Hinzu kommen ständig wechselnde Allianzen zwischen den Wrestlern. Wiese braucht also auch gewisse diplomatische Fähigkeiten.

Dass die Booker beim Schreiben der Geschichten "Checklisten" abarbeiten, zeigen geleakte Drehbücher für Veranstaltungen. So sollten sie an einem abendfüllenden Veranstaltung mit mehreren Kämpfen zumindest einen "Cliffhanger" in einen Erzählstrang einbauen, der die Zuschauer heißmacht auf die nächste Veranstaltung und einen "Holy Shit Moment" - was wohl so etwas wie die überdrehte Wrestling-Version eines Aha-Erlebnisses ist, eine besonders überraschende Wendung einer Geschichte oder ein besonders gewagtes Kampfmanöver.