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Amateurfußball:"Es gibt immer Vereine, wo es mal rumpelt"

Der Kreisvorsitzende Slawinski ist erleichtert, dass sich der Verein zurückgezogen hat. Zu beinahe jedem seiner Spiele hatte er Beobachter geschickt, sie galten stets als riskant, standen häufiger vor dem Abbruch. Die Spieler seien leicht reizbar. "Es gibt immer Vereine, wo es mal rumpelt", sagt er. Der FC Eintracht sei zuletzt ein solcher gewesen, inzwischen sei er fast schon ein Musterverein.

Doch bei Newros fruchteten all jene Maßnahmen nicht, mit denen Slawinskis Präventionsprogramm "Fairplay München" sonst gute Erfolge erzielt. Keine Mediation, keine Hilfsangebote, keine Beratung zu Strukturen; auch zum angebotenen Anti-Gewalt-Training sei kaum jemand erschienen: "Außerhalb des Fußballplatzes sind das nette Leute, aber wir sind nicht rangekommen."

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Newros sei ein besonderer Fall gewesen, in der Häufung wie in der Qualität der Vorfälle. Es gebe in München auch kurdische Klubs, die keine Probleme machten. Slawinski treibt zurzeit eher eine generelle Sorge um: Immer häufiger beobachteten seine Mitarbeiter, dass politische Konflikte auch auf den Rasen getragen würden, dass dort Anhänger aller möglichen Gruppen samt ihren Vorurteilen aneinander gerieten; dass sich "von allen Seiten Fronten aufbauen", wie er sagt. Dagegen werde man entschlossen vorgehen.

Uwe Delkof vom SC Arcadia sagt, er sei "ein bisschen hin- und hergerissen": Einerseits verstehe er, wenn Menschen mit Migrationshintergrund im Verein Anschluss zu Landsleuten suchten, andererseits sehe er die Gefahr, dass so aus Integration auch leicht das Gegenteil werde, nämlich "Isolation". Er verweist auf seine Mannschaft, in der Spieler verschiedenster Herkunft gemischt seien.

"Ich reiße mir seit zehn Jahren den Hintern auf, um da eine Linie reinzubringen", sagt er. "Wir versuchen, Integration richtig zu machen." Auch der SC Arcadia habe nicht immer den besten Ruf gehabt, drei Mannschaften habe er schon abmelden müssen. Aktuell aber, bestätigt Slawinski, liege der Klub aus der Messestadt weit vorne in der Fairplay-Tabelle.

Sogenannte monoethnische Vereine seien gar kein Problem, sagt Slawinski, sofern sie sich nicht völlig isolierten. Ihre frühere Bedeutung, als sie Gastarbeitern eine erste Heimat gaben, ihnen das hiesige System erklärten, ihnen bei Behördengängen halfen, habe sich zwar ein wenig gewandelt - dafür seien Klubs wie Türkgücü München oder Herakles heute offener geworden und dadurch erst recht ein wichtiger Integrationsfaktor. Der SV Italia kümmere sich gerade vorbildlich um die Eingliederung von Flüchtlingen.

Der Verband werde künftig noch genauer hinsehen und jede Form von Rassismus und Provokation ahnden, das ist Slawinskis Botschaft - "ganz gleich aus welcher Richtung". Kürzlich hätten Spieler italienischer Herkunft marokkanische Gegenspieler beleidigt und das Pech gehabt, dass auch der Schiedsrichter Italienisch verstand.

Gerade erst habe ein Südamerikaner einem Schiedsrichter, der auf dem Platz darum gebeten hatte, möglichst Deutsch zu sprechen, im Kabinengang "Heil Hitler" zugeraunt. Nicht ahnend, dass der Unparteiische türkischer Herkunft war. Noch so eine Geschichte, die nicht lustig ist.

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