Luise-Kiesselbach-Platz St. Josef will weg vom "Krankenhauscharakter"

Mit zehn Jahren Bau- und Sanierungszeit rechnet man beim Alten- und Pflegeheim St. Josef am Luise-Kiesselbach-Platz.

(Foto: Catherina Hess)
  • Dem Alten- und Pflegeheim St. Josef steht eine Generalsanierung bevor: Die Heizungs-, Sanitär und Lüftungstechnik des denkmalgeschützten Hauses ist in die Jahre gekommen.
  • Auch die Unterbringung in kleinen Wohngruppen, wie in der modernen Pflege üblich, ist mit dem derzeitigen Grundriss kaum zu machen.
  • Wahrscheinlich wird ein Ausweichquartier auf dem Heimgelände geschaffen, das später weiter genutzt werden kann.
Von Julian Raff

Mit gut 90 Jahren teilt das stadtteilprägende Alten- und Pflegeheim St. Josef am Luise-Kiesselbach-Platz nicht nur das Alter mit vielen seiner Bewohner, es muss wie sie auch schnellen Wandel verkraften: Zum zweiten Mal steht eine Generalsanierung an, nachdem das Innenleben des denkmalgeschützten Großbaus in den Siebziger- bis Neunziger Jahren dem damaligen Stand der Pflege angepasst wurde, gefolgt von kleineren Umbauten in den Jahren 2003 bis 2010. Seinerzeit investierte die Stadt rund 55 Millionen Euro. Der bevorstehende Aufwand soll 2019 kalkuliert werden, dürfte aber kaum darunter liegen.

Vorerst lässt die Stadt über ihren Träger Münchenstift GmbH für 50 000 Euro eine Vorplanung erstellen, als Grundlage einer Bauvoranfrage, zum Ausloten des Baurechts. Der fürs Münchenstift zuständige städtische Sozialausschuss wird sich am 18. Oktober mit einem ersten Konzept befassen, beziehungsweise mit der Ausgangslage: Demnach erscheint der Bau zwar äußerlich sehr gepflegt, allerdings ist die Heizungs-, Sanitär- und besonders die Lüftungstechnik nach drei Jahrzehnten in die Jahre gekommen. Für die Mess- und Regeltechnik der Lüftung stehen keine Ersatzteile mehr bereit, was einen Gesamt-Austausch erfordert. Wasser- und Abwasserleitungen könnten ohne Sanierung porös werden und lecken. Wasserleitungen für stillgelegte Küchenbereiche müssen zurückgebaut, oder, wegen Legionellengefahr, weiter aufwendig gespült werden. Insgesamt verbraucht die Haustechnik nach heutigem Stand zu viel Energie.

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Überdies ist moderne Pflege mit Unterbringung in kleinen Wohngruppen, laut Vorlage des Sozialreferats, kaum ohne neue Grundrisse zu machen: Der imposante Großbau birgt im Inneren bis zu 100 Meter lange Gänge, die mit ihren niedrigen Decken noch länger wirken. Abgesehen vom unangenehmen Raumeindruck erschweren die überlangen Flure die Arbeit, da ein Drittel der Pflegezimmer keine eigene Dusche besitzt, sondern nur WC und Waschbecken. Nicht jedes Doppelzimmer hat außerdem die Mindestgröße von 18 Quadratmetern. Insgesamt, so die Vorlage, entspricht der einst wegweisende Altbau mit seinem "Krankenhauscharakter" nicht mehr den aktuellen Standards von "Wohnlichkeit" und "Alltagsnormalität". Beides darf erwarten, wer hier wohnt und arbeitet. In Zeiten des Pflegekräftemangels könnten die 69 altmodischen Personal-Apartments mit Gemeinschaftsduschen kaum neue Kollegen nach München locken.

Die Vorlage macht drei Lösungsvorschläge, von denen allerdings zwei kaum mehr in Frage kommen: Gegen den Umbau in ein reines Seniorenwohnheim spricht der steigende Bedarf an Pflegeplätzen. Außerdem müsste auch dafür aufwendig umgebaut werden. Inzwischen vom Tisch ist auch die zunächst von der Münchenstift GmbH favorisierte Sanierungsvariante mit einem südlichen Neubau auf den neuen Freiflächen überm Kiesselbach-Tunnel. Die Sendlinger hatten sich im Bürgerdialog vom Frühjahr 2015 für einen grünen Platz ohne Bauten ausgesprochen.

Es bleibt also die Lösung, den Altbestand zu sanieren und auf dem Heimgelände ein Ausweichquartier zu schaffen, das anschließend weiter genutzt werden kann. Hierfür sieht ein erster Entwurf einen viergeschossigen Verbindungsbau zwischen den beiden Trakten der sogenannten "Nordspange" vor, der mindestens 120 Pflegeplätze aufnehmen soll. Die oberen beiden Stockwerke könnten während einer wohl zehnjährigen Bauphase als reiner Interimsbau dienen und anschließend abgebrochen werden. Die beiden unteren Ebenen würden dauerhaft weiter genutzt.

Der Bezirksausschuss Sendling-Westpark begrüßte das Vorhaben und regt an, den Verlust an Grünflächen innerhalb der Nordspange durch ein begrüntes Flachdach auszugleichen. Die "Quartiersöffnung" des Gebäudes, also die Nutzung für andere soziale Dienstleistungen kommt im BA ebenfalls gut an. Mit der angedachten Kinderbetreuung sieht die CSU die Gegend aber bereits gut versorgt und fordert stattdessen einen Ausbau der Pflegekapazität - schließlich drohe im Stadtbezirk bis 2025 eine Unterdeckung von 75 Pflegeplätzen.

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