Schwabing/Olympiapark Das Recht auf Sommer ohne Ohropax

Ein Spaß-Event von vielen: Auch das Festival "Wee love Munich", das derzeit abgebaut wird, hat die Nerven der Anwohner strapaziert - vor allem durch die neunstündige Open-Air-Party am 22. Juni.

(Foto: Robert Haas)

Zahlreiche Anwohner protestieren gegen den Lärm, den die etwa 400 Veranstaltungen im Olympiapark verursachen. Der Bezirksausschuss Schwabing-West unterstützt ihr Anliegen und fordert einen runden Tisch mit allen Akteuren

Von Ellen Draxel, Schwabing/Olympiapark

Susanne Spaniers Toleranzschwelle ist längst überschritten. Die Schwabingerin wohnt an der Winzererstraße, in einer Wohnanlage, die direkt an den Olympiapark angrenzt. Jahr für Jahr, sagt sie, sei sie "einer enormen Anzahl von sogenannten Events und der damit verbundenen Lärmbelästigung ausgesetzt". Der Olympiapark mit seinen weltberühmten Zeltdächern ist ein Publikumsmagnet, doch diese Besucher stören Spanier nicht. Was sie und viele ihrer Nachbarn kritisieren, ist die Lautstärke, die von den etwa 400 Veranstaltungen pro Jahr im Park ausgeht. Am Dienstag erst endete das vierwöchige "Wee love Munich"-Festival - ein Spaß-Event zur Förderung des Münchner Einzelhandels inklusive neunstündiger Open-Air-Party am 22. Juni. Samt "Beschallung von drei Stadtvierteln mit enervierendem und krank machendem Techno-Bass-Gedröhne".

"Wir Anwohner ,freuen' uns schon auf fünf Wochen Tollwood, auf dreieinhalb Wochen Theatron, auf das impark-Sommerfestival mit seinen konstant ins Mikrofon plärrenden Moderatoren, auf Sportveranstaltungen, den ,Sommernachtsalptraum' und natürlich auf die großen Konzerte, die aber die geringste Belästigung darstellen, weil hier wirkliche Profis am Werk sind", heißt es in einem Schreiben, das Spanier und mit ihr sechzig Unterzeichner jetzt an die Stadt und die Lokalpolitik gesandt haben. Darin fordern sie die Verwaltung auf, keine zusätzlichen mehrtägigen oder gar mehrwöchigen Veranstaltungen mehr zu genehmigen und "strengstens" die gesetzlichen Vorgaben bei Events zu kontrollieren.

Die Unterschriften, betont Michel Mullebrouck, der an der Hornstraße wohnt, seien "in nur einer Woche und ohne große Anstrengung nebenbei gesammelt" worden. Bis zum Ende der Saison werde die Liste "um ein Vielfaches" länger sein. Er verweist auf "Nebenwirkungen der Dauerparty" wie die Abgasbelastung, den Müll oder "die Horden an besoffen Grölenden, die nachts um drei Uhr unter unseren Fenstern vorbeiziehen". All das gelte es zu regulieren. "Auch wir", argumentieren die Schwabinger gegenüber der Stadtverwaltung, "sind Steuern zahlende Bürger, die ein Recht auf Sommer ohne Ohropax und verbarrikadierte Fenster haben".

Beim Bezirksausschuss Schwabing-West, den die Anlieger um Unterstützung gebeten haben, kennt man das Problem. In dieser Massivität allerdings sind die Beschwerden selbst dem seit 34 Jahren amtierenden Vorsitzenden Walter Klein (SPD) neu. "Die Zahl der Veranstaltungen", bestätigt der Gremiums-Chef den Anwohnern, "hat tatsächlich zugenommen." Dass die Olympiapark GmbH auf solche Veranstaltungen zur Kostendeckung angewiesen ist, ist den Bürgervertretern bewusst. Im Gegensatz zu den Nachbarn begrüßen die Lokalpolitiker auch Aktionen wie "Wee love Munich", die einen Gegenpol zu den Interneteinkäufen zu schaffen versuchen, "grundsätzlich". Vorausgesetzt, die Organisatoren achten mit Rücksicht auf die Anlieger auf die Einhaltung der Grenzwerte.

Tobias Kohler, Pressesprecher der Olympiapark GmbH, verwundert speziell die aktuelle Beschwerde. "Bei der Wee-Party am 22. Juni gab es extra einen Lärmschutzbeauftragten." Auch Messungen seien an diesem Tag durchgeführt worden. "Und wenn der Wind ungünstig stand, wurde nachreguliert." Im Übrigen sei die Olympiapark GmbH in erster Linie Vermieter, deshalb leite man Proteste generell an die Veranstalter weiter. "Das ist aber kein Weiterschieben und es heißt auch nicht, dass wir nicht jede Beschwerde ernst nehmen, im Gegenteil." Nur könne die Olympiapark GmbH eben nicht für andere sprechen. Generell seien Klagen gemessen an der Zahl der Anlieger "eher selten".

Die Stadt München selbst, stellt der Sprecher des Kreisverwaltungsreferats (KVR), Johannes Mayer, klar, beschäftigt keinen eigenen Lärmschutzbeauftragten. Im Referat für Gesundheit und Umwelt gebe es aber die Fachdienststelle Immissionsschutz. "Diese Fachdienststelle erlässt auch die veranstaltungsbezogenen Immissionsschutzauflagen, die im Rahmen des Genehmigungsbescheides vom Kreisverwaltungsreferat angeordnet werden." Speziell bei Großveranstaltungen würden Gutachter zur Überwachung dieser Schutzauflagen verlangt. "Sie kontrollieren während der gesamten Veranstaltungsdauer die Einhaltung der vorgeschriebenen Werte und leiten gegebenenfalls Maßnahmen zur Regulierung ein." Am Ende erhalte dann das KVR das Gutachten und könne, sollten die Immissionsrichtwerte überschritten worden sein, die Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße ahnden. Im Akutfall, so Mayer, könnten sich die Bürger aber "selbstverständlich auch an die Polizei wenden".

Westschwabings Lokalpolitikern ist das nicht genug: Sie fordern zur generellen Lärmreduzierung der Events Gespräche am runden Tisch mit allen Handelnden.