Schneider Bräuhaus Wo die einfachen Dinge glücklich machen

Im Bräuhaus Schneider gibt es vier verschiedene Sorten vom Fass.

(Foto: Robert Haas)

Wildbratwürste mit Sauerkraut, Fleischpflanzerl, herzhafte Suppen: Im Schneider Bräuhaus in Berg am Laim ist die Küche deftig, bodenständig - und manchmal auch ein bisschen übereifrig.

Von Felix Mostrich

In Bayern und speziell in München ist der Anteil des Weißbiers am Bierkonsum in den vergangenen Jahre stetig gewachsen. Alle Münchner Brauereien, die traditionell nur Helles, Dunkles, Doppelbock und Oktoberfestbier gebraut haben, stellen heute Weißbier her. Der Wandel hat auch den Gasthäusern der Weißbierbrauereien schöne Zugewinne beschert. Das Weiße Bräuhaus in der Innenstadt ist, auch weil es direkt am touristischen Pilgerweg zwischen Marienplatz und Hofbräuhaus liegt, fast ständig brechend voll und kann sich in der Küche neben Gängigem der anderswo fast vergessenen Kronfleisch-Innereien-Küche missionarisch widmen.

Im zweiten Wirtshaus, das von der in München gegründeten, heute in Kelheim ansässigen Weißbierbrauerei Schneider in der Stadt betrieben wird, im Schneider Bräuhaus in Berg am Laim, hat sich der Fortschritt vor allem architektonisch niedergeschlagen. Nach hinten in den Biergarten hinein wurde das alte Wirtshaus um einen Neubautrakt mit großer Küche, familienfreundlichen Sälen und modernen Toiletten erweitert. Wenn freilich Messe ist, kann es auch dort hinten in den zusätzlichen Räumen ungemütlich eng werden.

Wirt und Koch haben aus dem ehemals verschlafenen Vorortlokal ein Gasthaus gemacht, das irgendwie noch münchnerisch sein will, aber auch etwas verkrampft mit überregionalen Trends sympathisiert. Vergleicht man das Bräuhaus Schneider mit dem Weißen Bräuhaus in der Innenstadt, dann hat man den Eindruck, dass die Betreiber glauben, hier draußen im Vorort müsse man immer deutlich mehr auf den Teller packen als drinnen im Tal.

Am glücklichsten ist man in Berg am Laim, wenn man sich an ganz einfache Dinge hält. Die Wildbratwürste mit Sauerkraut, die es mittags gab, kann man fast schon als Meisterwerke des Metzgerhandwerks preisen. Und auch das kraftvoll aromatische große Pflanzerl aus grob gehacktem Wildschwein-Fleisch mit dem glücklicherweise ebenfalls nicht zu Brei zerquetschten Kartoffelstampf und der Bratensauce kann gehobenen kulinarischen Ansprüchen jederzeit standhalten - wobei die Preise bei beiden Gerichten immer noch einstellig sind. Zu den rundum gelungenen Speisen im Schneider könnte man auch noch die Suppen zählen, etwa die Rindssuppe, die auch mal, wie in Österreich, mit Milzschnitten serviert wird.

Beim Schweinsbraten (9,90 Euro) ist uns der Ehrgeiz der Küche, immer etwas mehr zu bieten als andere Lokale, zum ersten Mal aufgefallen. Warum zu einem Braten, der mit schöner Kruste, mit Semmelknödeln, Krautsalat und Sauce den Gast schon üppig satt macht, auch noch Kartoffeln serviert werden, blieb uns ein kleines Rätsel. Sehr viel auffälliger war aber, was im Sommer im Biergarten zum Ochsenmaulsalat dazu gepackt wurde. Die makellosen Scheiben der bei Kennern beliebten Delikatesse, die wir eigentlich als Vorspeise bestellt hatten, lagen auf einem riesigen Berg aus steirischen Käferbohnen, in dem das für das Fleisch bestimmte Kürbiskernöl weitgehend versickert war. Und da um das zentrale Bohnengebirge auch noch viel grüner Salat auf dem großen Teller verteilt war, hätte man mit der vermeintlichen Vorspeise zwei hungrige Leute satt machen können. Alles, was übereinandergestapelt war, war fehlerlos zubereitet, doch irgendwie passte nichts so richtig zum anderen. Man wunderte sich ein bisschen, aber beschweren konnte man sich über das gut gemeinte Überangebot natürlich nicht.

Kein Ort für Weintrinker

Schwieriger wird es, wenn im überreichen Angebot auf einem Teller einzelne Bestandteile nicht mehr ganz dem angepeilten Qualitätsmaßstab entsprechen. Das durchgebratene Rib Eye (20,90) und die dazu servierten frittierten Kartoffelspalten konnte man durchaus noch gelten lassen. Und auch das überehrgeizige Nebeneinander von einer großen Scheibe Kräuterbutter und einem Töpfchen voll Schnittlauchsauce war noch kein Fehler. Aber wenn das dazugehörende Grillgemüse den Idealzustand schon eine Zeitlang hinter sich hat, dann lässt der Spaß doch nach.

Ganz ähnlich war der Eindruck, den wir beim Saibling (17,90) hatten. Die beiden Filets waren der Speisekarte nach "auf der Haut gebraten", hatten aber auch auf der Innenseite viel Hitze abgekriegt, was sie trocken werden ließ. Da der Fisch ungewöhnlich klein war, scheint der Koch den Mangel durch ein deutliches Mehr an Petersilienkartoffeln ausgeglichen zu haben. Richtig überzeugen konnte in diesem Zusammenhang aber auch die Erdnuss-Wasabi-Sauce nicht. Das Kaisergemüse schließlich - eine Mischung aus Karotten, Blumenkohl und Brokkoli - war deutlich zerkocht. Im Bemühen, den Gästen ein möglichst vielfältiges und üppig gemischtes Angebot zu unterbreiten, übernimmt sich das Lokal also immer mal wieder. Dass wir beim Brustspitz mit Kartoffelknödel (11,90), einem einfachen Gericht ohne falsche Beilagen, das etwas harte Randstück erwischt haben, das von außen schon deutlich eingetrocknet war - es konnte nur mit der Säge geschnitten werden -, war Schicksal.

Für Weintrinker sind die paar offenen Weine (3,80 bis 4,90 für 0,2 l), die im Bräuhaus angeboten werden, fast eine Zumutung. Wer aber Weißbier zu schätzen weiß, kann sich hier mit vier verschiedenen Sorten vom Fass und einigen hochprozentigen Spezialitäten aus der Flasche trösten. Das Alkoholfreie von Schneider ist erfreulich süffig, das Hopfenweiße eigenwillig herb, der Aventinus vollmundig markant und der Eisbock, der zu vielen Desserts passt, ein Malz-Hopfen-Konzentrat von beeindruckender Wucht.

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