Schloss Nymphenburg Bis zur Eröffnung von "Biotopia" 2023 ist ein jährliches Festival geplant

"Es ist wichtig, die Perspektive zu wechseln", stimmt ihm der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar zu, der den Festakt am Dienstag moderiert hat. "In einer Welt, die sich so dramatisch verändert, müssen wir unsere Rolle in der Natur überdenken. Wir verstehen ja noch nicht mal genau, wie die Flügel einer Libelle funktionieren." Die Rolle eines Museums als Bildungsort sei dabei nicht hoch genug einzuschätzen. "Museen müssten eigentlich kostenlos sein", fügt Yogeshwar, an die Adresse der Bildungspolitiker gerichtet, hinzu.

Das Museum wird also nicht nach Arten oder Disziplinen gegliedert wie klassische Naturkundemuseen, sondern nach Aktivitäten und Lebensprozessen, die Mensch, Tier und Pflanze verbinden: "Essen", "Schlafen", "Bauen", "Fortpflanzen" oder "Kommunizieren". Dadurch soll sich der Mensch als eines unter Millionen verschiedener Lebewesen begreifen, die interagieren. Vier Labore werden zum Experimentieren einladen. Es wird Diskussionsplattformen und Exkursionen geben. "Wir haben 200 Vogelarten im Schlosspark, wer kennt die schon?", sagt Gorman.

Digitale Medien sollen eher behutsam eingesetzt werden. Aber Besucher werden zum Beispiel mit Augmented-Reality-Helmen Ökosysteme quasi "live" erleben können, etwa die Welt durch die Augen einer Giraffe oder eines Hammerhais sehen. Es wird ein Kinderreich für die Kleinen geben, Hauptzielgruppe seien aber die Zehn- bis 14-Jährigen, sagt Gorman. "Das ist die Nahtstelle zwischen Kind und Erwachsenem, da gilt es, die Neugier zu erhalten, die später oft verloren geht."

Eine enge Kooperation plant Gorman mit den umliegenden Forschungseinrichtungen, Universitäten, Hochschulen, der Max-Planck-Gesellschaft. Mit den Zweigmuseen, dem Rieskrater-Museum Nördlingen, dem Jura-Museum Eichstätt, dem Urwelt-Museum Bayreuth und dem Naturkundemuseum Bamberg, soll ein enges Netzwerk geknüpft werden. Die heimische Geologie, Flora und Fauna sollen einen besonderen Stellenwert erhalten.

In den kommenden Monaten werden die Pläne mit den Architekten weiterentwickelt. Dass es in jüngster Zeit Proteste von Anwohnern gab, überrascht ihn, sagt Gorman, "es war doch alles mit Stadtplanung und Denkmalschutz geklärt". Er habe "sehr viel Respekt vor den Architekten", die mit Dutzenden von Museumsbauten, etwa dem Richard-Wagner-Museum in Bayreuth oder dem Wittelsbacher Museum am Fuße von Neuschwanstein, bewiesen hätten, dass sie Moderne und historisch gewachsene Strukturen hervorragend zu verbinden wüssten. Sobald die Entwürfe konkretisiert seien, sollen sie der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Der bestehende Anbau ans Schloss wird abgerissen. Baubeginn wird frühestens 2019 sein. Das gesamte Bauvolumen mit Ausstellungsfläche, Laboren, Verwaltung, Service wird knapp 12 800 Quadratmeter umfassen. Die Kosten liegen laut Masterplan bei 95 Millionen Euro. In der Bauphase wird das bestehende Museum geschlossen werden. Damit die Besucher es nicht vergessen, will Gorman ein jährliches Festival veranstalten und mit kleineren Ausstellungen auf andere Orte ausweichen. Die Eröffnung von Biotopia ist für 2023 geplant.

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