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Naturkundemuseum:Was der neue Chef mit dem "Mensch und Natur" vorhat

Baukran mit "Flugsaurier" in München, 2012

Ein Dinosaurier kommt geflogen - bisher nur als Modell, um zu zeigen, was in Zukunft alles möglich wäre. Das Naturkundemuseum will inspirieren.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Gründungsdirektor des geplanten Naturkundemuseums wird der Ire Michael John Gorman.
  • Er möchte einen Ort für eine Generation schaffen, die sich "für die Umwelt verantwortlich fühlt".
  • Die Eröffnung des Museums im Schloss Nymphenburg ist für frühestens 2021 geplant.

Das geplante Naturkundemuseum Bayern im Schloss Nymphenburg hat einen Gründungsdirektor: Michael John Gorman. Kultusminister Ludwig Spaenle hat den Iren zum künftigen Museumschef ernannt. Der gebürtige Dubliner ist Physiker und Philosoph und leitete bisher die Science Gallery in seiner Heimatstadt.

Er wird zugleich einen Lehrstuhl für Life Sciences in Society, also die Verbindung von Wissenschaft und Gesellschaft, an der Ludwig-Maximilians-Universität erhalten. Dass man Gorman für München gewinnen konnte, sei "ein schöner Ausweis der internationalen Sichtbarkeit, die das Naturkundemuseum Bayern schon in der Planungsphase ausstrahlt", sagte Spaenle.

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Vor acht Jahren baute der Professor am Trinity College Dublin die Science Gallery auf. Mit ihr ist es ihm gelungen, die Universität zur Stadt hin zu öffnen. Studenten und interessiertes, vor allem junges Publikum begegnen dort bei Diskussionen und Ausstellungen Themen aus der Welt der Wissenschaft.

Wissenschaft und Museumsarbeit sollen enger verknüpft werden

Seit 2012 ist Gorman auch Geschäftsführer von Science Gallery International, einem Unternehmen, das die Idee in Partnerschaft mit ausgewählten Universitäten weltweit exportiert. Er wird vorläufig Chef dieses Netzwerkes bleiben.

Den Lebenslauf des 44-Jährigen zieren die besten akademischen Adressen: Er hat in Oxford Physik und Philosophie studiert, wurde in Florenz promoviert, war am Massachussetts Institute of Technology, in Harvard und Stanford tätig. "Mit Michael John Gorman gewinnen wir einen exzellent qualifizierten und höchst kreativen Direktor für Bayern", freute sich Spaenle.

Das Naturkundemuseum entsteht aus der geplanten Erweiterung des erfolgreichen, aber viel zu eng gewordenen Museums Mensch und Natur im Nymphenburger Schloss. Dessen Leiter, Michael Apel, freut sich auf die Zusammenarbeit: "Vor uns liegen spannende Aufgaben, ich sehe die Ernennung von Michael Gorman als große Bereicherung und freue mich auf seine Ideen."

Michael John Gorman hat einen beeindruckenden akademischen Lebenslauf - und wird nun Gründungsdirektor des geplanten Naturkundemuseums.

(Foto: Kultusministerium)

Das Ministerium hatte Wert darauf gelegt, dass der künftige Museumsdirektor einen Lehrstuhl an der Universität erhält, so wie es auch bei Wolfgang Heckl, dem Chef des Deutschen Museums, der Fall ist. Wissenschaft und Museumsarbeit sollen dadurch enger verknüpft werden. Auch ist ein Bildungsnetzwerk geplant, das die anderen bayerischen Naturkundemuseen einbezieht.

Aus dem Architektenwettbewerb im vergangenen Jahr war das Berliner Büro Steeb Architekten als Sieger hervorgegangen. Sein Konzept sieht einen großen Atriumsbau mit einer fast dreimal so großen Ausstellungsfläche wie bisher vor. Für das Projekt sind bisher 87 Millionen Euro geplant, davon 14 Millionen für die Ausstattung. Mehr als eine Million Euro hatte als Startfinanzierung der Freundeskreis des Naturkundemuseums bei Spendern gesammelt.

Die Erwartungen sind hoch

Auguste von Bayern, Vorsitzende dieses Kreises, zeigte sich glücklich über Gormans Berufung. "Wir sind dankbar, dass wir in ihm eine visionäre und enthusiastische Führungsperson gefunden haben, die die notwendige internationale Kompetenz, Erfahrung und Vernetzung mit sich bringt, ein Museum auf höchstem Niveau entstehen zu lassen."

Gorman selbst sagte, das Projekt biete die Chance, "einen Ort zwanglosen Lernens und der Inspiration zu schaffen. Wir können so eine Generation von Staatsbürgern fördern, welche in die Zukunft vorausdenkt und sich für unsere Natur und Umwelt verantwortlich fühlt."

Basierend auf den Schätzen, die in den Depots der staatlichen naturwissenschaftlichen Sammlungen schlummern, sollen künftig Themen aus den Bio-, Geo-, Umwelt- und Humanwissenschaften stärker vernetzt werden. Experten aus diesen Bereichen werden mit Gorman nun inhaltliche Konzepte erstellen. Die Eröffnung des Museums ist frühestens 2021 geplant.