Restaurant Keko Ein gelungener deutsch-türkischer Gipfel

Das Keko am Mariahilfplatz bietet türkische Spezialitäten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das Keko am Mariahilfplatz überzeugt mit türkischen Spezialitäten und angenehmer Atmosphäre - da lohnt sich ein entspannender Besuch in politisch schwierigen Zeiten gleich doppelt.

Von Rosa Marín

Die angeschlagenen deutsch-türkischen Beziehungen sieht Außenminister Gabriel "in ganz schwerem Fahrwasser", nicht nur wegen Incirlik. Gerade hat er die Befürchtung geäußert, dass sich das so schnell nicht normalisieren lassen werde. Es ist tatsächlich traurig, was man dieser Tage mit den Nachbarn jenseits des Marmarameeres assoziiert - und diese umgekehrt ebenso. Viel schöner wäre es da an Adana Yogurtlu, Sis Kebab, Cupra Izgara und andere Köstlichkeiten zu denken, denn unbeeindruckt von atmosphärischen Störungen gibt es diese seit vielen Jahren auf gleichbleibend hohem Niveau im türkischen Restaurant Keko in der Au.

Man wünschte sich, in einer warmen Sommernacht säßen sämtliche Streithähne versammelt drinnen an den festen Holztischen oder draußen im kleinen Garten mit Blick auf die neugotische Mariahilfkirche. Da zieht Frieden in die Herzen, denn Liebe geht bekanntlich durch den Magen - bei dieser türkischen Küche mit Ursprüngen in den anatolischen Regionen des Landes sowieso. Die Betreiber des Keko verstehen sich als Gastgeber im wahrsten Sinne, gleich beim Eintreten in die schlicht gestalteten Räume umgibt einen eine fröhliche, gelöste Stimmung.

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Und auch wenn das Lokal, wie so oft, vollkommen ausgebucht ist, finden die Kellner im Gewusel zu dezenten türkisch-kurdischen Klängen irgendwie noch eine Lösung, immer höflich und zuvorkommend. Trotzdem sei eine Reservierung hier angeraten. Denn die Kunst der Köche hat sich herumgesprochen; fröhliche Männerrunden sitzen an großen Tischen, daneben Frauencliquen mit und ohne Kopftuch, viele Familien, Nachbarn aus der Au, alles bunt gemischt.

Die Kostproben-Tester mit ihren kulinarisch angehauchten Pseudonymen unterziehen ein Lokal gerne ein zweites Mal einer Prüfung, es müssen aber mindestens zehn Jahre dazwischen liegen. Der Kollege Alois Gudmund hatte die Taverna Keko im Jahr 2002 besucht und war auf allerlei Bauchtänzerinnen und vorzügliche anatolische Eintöpfe gestoßen. Seitdem ist Einiges passiert: ein Umzug, ein Besitzerwechsel, Rosa Marín konnte zudem auch keine kreisenden Bauchnabel mehr entdecken. Geblieben aber ist der hohe Anspruch, den die Gastronomen haben.

Doch der Reihe nach: Vorab gibt es in hübschen Schälchen Mini-Gurken und Mini-Peperoni, dazu Sesamfladenbrot. Wer mag, kann jetzt schon mal Humus (4,80 Euro) probieren, das Kichererbenmousse verfeinert mit Sesamöl war frisch, hausgemacht und gar nicht fett. Auf zum nächsten Keko-Vorspeisenklassiker: fein gewürfelte Milchkalbsleber, knusprig in Kräuterbutter geschwenkt, mit Thymian gewürzt, rote Zwiebeln und Petersilie dazu - ein Gedicht, das sich Süt dana ciger nennt und nur 11,90 Euro kostet.

Wechselnde Gerichte vom Lavasteingrill

Nach diesem Treffer kam der Schafskäse vom Grill, Izgara Peynir (9,90), in Weizenmehl gewendet mit Balsamicocreme solide und recht passabel daher. Nicht mehlig, sondern saftig und perfekt paniert schmeckte Hamsi (11,20), Sardellen in Maismehl gewälzt, eine sehr große Portion auf ovalem Teller. Nur etwas Salz fehlte. Ein schöner, schlichter Vorspeisenteller ist der Oktopus (11,90), ein einzelner gegrillter Fangarm an Honig-Balsamico, feine Marinade macht ihn zart.

Es gibt eine wechselnde Wochenkarte mit verschiedensten Fleischgerichten und Fisch vom Lavasteingrill. Feste Konstanten sind die Dorade (17,90) oder Levrek File (18,70), ein Loup de Mer, der gut gegrillt war und bei dem die Keko-Köche eine eigene Note mit einer Thymian-Rosmarin-Knoblauch-Marinade versuchten. Ein solides Gericht, das man aber auch in anderen mediterranen Restaurant so bekommen kann. Kuzu Pirzola (18,90) Lammkoteletts mit Reis und einer Gemüsemixtur aus Brokkoli, Karotte und Blumenkohl, waren von guter Qualität und ansprechend angerichtet, hätten aber ein bisschen knuspriger sein können.

Weine aus türkischen Kellereien

Hinter Adana Kebab (14,90) verbergen sich zwei riesige, gegrillte Hackfleischspieße, ansprechend und nicht zu scharf gewürzt, mit Reis und Gemüse; jedoch in Form einer so großen Portion, dass ein kleiner Testesser noch nicht einmal die Hälfte schaffte. Ohne lange zu fragen, packte die Kellnerin die Reste für zuhause ein, sehr sympathisch.

Wie es der Zufall wollte, war ein studierter Wein-Experte mit am Tisch und der befand die Weinauswahl im Keko als absolut in Ordnung. "Fruchtige G'schichten" fehlten zwar, nicht zu mäkeln war jedoch am Riesling vom Weingut Winter (24,90) und am Sortiment allerlei türkischer Kellereien, von trocken und leicht bis knackig und rauchig. Die Türkei, das wusste der Weinkenner zu berichten, hat mit über 500 000 Hektar fünfmal so viel Trauben-Anbaufläche wie Deutschland mit 104 000 Hektar. Nur ein Bruchteil aber wird für die Weinbereitung genutzt. Der Rest für essbare Tafeltrauben.

Trauben gab es zum Dessert dann nicht, dafür aber prima Kemalpascha, süße, karamelisierte Teigbällchen mit Yoghurt und Sirup. Dazu ein Raki mit Wasser und Eis. Und einen Blick auf den Mariahilfplatz in dieser deutsch-türkischen Sommernacht.

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