Rechte Szene in München:Aufruf zur Vereinigung

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Wiese beklagte bei einem Treffen mehrerer Neonazis-Kameradschaften am 14. Januar in München die mangelnde Zusammenarbeit der bayerischen Rechtsextremen, schreiben der Verfassungsschutz und die Landeszentrale für politische Bildungsarbeit auf ihrer Internetseite "Bayern gegen Rechtsextremismus". Statt Konkurrenz forderte Wiese Kooperation. Offenbar mit Erfolg: Bei einer Demonstration in Dresden zeigten sich Mitte Februar nach Augenzeugenberichten führende Köpfe der "Kameradschaft München", der Skinhead-Gruppe "Kraken München", der "Kameradschaft München Süd-Ost", der Geretsrieder "Jagdstaffel Süd" sowie mehrere Münchner NPD-Mitglieder und Funktionäre der "Bürgerinitiative Ausländerstopp". Kurz danach schlossen sich drei Münchner Kameradschaften zu einer "Kameradschaft München-Nord" zusammen.

Anfang April trafen sich die Neonazis dann in einer Erdinger Sportgaststätte - zum Vorstellen einer neuen Bekleidungsmarke, wie Martin Wiese dem Wirt zuvor erklärt hatte. Präsentiert werden solle ein neues Modelabel: "Nordic Sports Bekleidung". Doch mit Wintersport hatte die Sache nichts zu tun. Tatsächlich stellte Wiese die Internetseite der "Nationalen Sozialistischen Bewegung" vor. Das Kürzel ist identisch: NSB. Der Aufruf an die Neonazis deutlich: "Kameradschaften, Kameraden, vereinigt euch, kämpft geschlossen für unser Vaterland, lasst keine Spaltungen und Konkurrenzen mehr zu!" Registriert ist die Homepage auf Wieses Lebensgefährtin. Verwaltet jedoch wird sie weitgehend von einem User namens "Arwick" - Wieses einstiger Tarnname in Neonazi-Kreisen.

Einen Onlineversand enthält die Webseite auch, allerdings nicht für Sportbekleidung, sondern für Shirts und Pullover ganz im Stile der Rechtsextremen: Schwarz, mit einem Emblem in schwarz-weiß-rot, den Farben des Deutschen Reichs. Es zeigt drei verschränkte Dreiecke. Solche Winkel standen während der Nazi-Zeit für die einzelnen Gaue der NSDAP. In Verbindung mit einem Ortsnamen ist das Tragen dieser "Gauwinkel" in Deutschland daher verboten. Die Verbindung dreier Winkel im Logo könnte nun symbolisch stehen für Wieses mögliche Vision: den Zusammenschluss dreier Kameradschaften oder Neonazi-Einflussgebiete unter seiner Führung.

Der "Nationalladen" ist laut Internetseite ein "nationaler Betrieb mit sozialer Firmenpolitik": Die Bekleidung sei "zu 100 Prozent in Deutschland hergestellt", der Gewinn soll unter die "Kontrolle eines Nationalrats gestellt" werden, um sicherzustellen, dass "jeder Angestellte ein Einkommen erzielt, mit dem die Familie des Arbeitnehmers vernünftig versorgt ist".

Die Behörden beobachten Wieses Aktivitäten aufmerksam. Das Gericht hat ihm nach seiner Haftentlassung Auflagen gemacht: So ist es Wiese untersagt, mit drei seiner ehemaligen Mittäter Kontakt aufzunehmen. Einer davon ist Karl-Heinz Statzberger von der "Kameradschaft München". Er war nicht am Moosinninger Weiher. Zumindest ist er dort nicht gesehen worden. Beim Vorstellen der NSB-Homepage in Erding war er jedoch - nur am Bahnhof, nicht im Lokal bei Wiese. Belangen kann man Wiese dafür allerdings nur schwer: "Die müssten fast händchenhaltend durch die Fußgängerzone gehen", sagt ein Ermittler. Würde Wiese dabei beobachtet und von seinem Bewährungshelfer angezeigt, drohten bis zu drei Jahre Haft.

Bislang jedoch verhalte er sich geschickt, heißt es in Sicherheitskreisen. Nur beim Fahren ist er offenbar nicht so vorsichtig: Am Moosinninger Weiher hat er den Laster seines Arbeitgebers im Kies festgefahren. Seinen Chef dürfte das allerdings nicht weiter stören: Der Spediteur aus Garching ist in der Szene bestens bekannt. Für Demonstrationen stellte er in der Vergangenheit immer wieder seine Laster zur Verfügung. Jetzt lenkt Wiese sie. Den nötigen Führerschein hat er während seiner Haftzeit machen können.

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