Discounter-Fahrräder Warum viele Werkstätten billige Räder nicht mehr reparieren

Radlbauer weist Kunden mit Supermarkträdern die Tür.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wer sein Discounter-Rad reparieren lassen will, wird bei vielen Fahrradwerkstätten abgelehnt. Zu groß ist das Risiko bei der Gewährleistung.

Von Sebastian Krass

Manchmal steht das Angebot im Werbeprospekt vom Discounter, zwischen der Isomatte und dem Bügeleisen: ein Fahrrad, mit 21 Gängen, Lichtanlage, Schutzblech und was es sonst so braucht, für 199 oder gar für 169 Euro. Manchmal ist es der Baumarkt, der neben der Bohrmaschine und der Gartenhütte Räder zu Niedrigpreisen anbietet. Ist dann schon eine Überlegung wert, ob man da zuschlägt, als Student, der in München ohnehin kaum über die Runden kommt, oder als Pendler, nur für den Weg zur S-Bahn.

Aber wenn dann die 21 Gänge nur noch eine theoretische Möglichkeit sind, weil die Schaltung ständig hakt, oder wenn das Rad beängstigend langsam bremst, dann kann es ärgerlich werden. Wer mit seinem Discounter-Rad zum Beispiel zu einer Werkstatt von Radlbauer geht, der wird abgewiesen. Ein Aushang weist darauf hin, dass das Unternehmen, das mit seinen drei großen Filialen zu den bekanntesten Händlern in München gehört, gewisse Räder nicht annimmt.

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"Wir müssen für die Reparaturen, die wir machen, eine Gewährleistung geben. Und mit solchen Kisten hatten wir schon zu viel Ärger", sagt Uwe Bilharz, stellvertretender Leiter der Filiale im Euro-Industriepark. Bei Rädern für unter 200 Euro seien die Teile einfach zu billig, "Schaltung und Bremse kann man da gar nicht richtig einstellen". Außerdem lohne sich eine Reparatur oft gar nicht, weil etwa ein Reifenwechsel mit Arbeitslohn und Material 40 bis 50 Euro koste, "wir haben halt auch keine Baumarktreifen für zehn Euro, sondern eine bessere Qualität".

Und wie reagieren die Kunden, wenn sie abgewiesen werden? Bilharz' Antwort: "Mal haben sie Verständnis, mal nicht." Eine Möglichkeit gebe es aber: "In der Regel nehmen wir so ein Rad zu einem günstigen Preis in Zahlung und verkaufen dem Kunden ein neues. Wir haben Räder ab 250 Euro, die können wir vertreten." Und sind die alten Mühlen dann noch für irgendetwas zu gebrauchen? "Nee, die schmeißen wir weg."

Beim 2Rad an der Georgenstraße haben sie zwar keinen Aushang, aber eine ähnliche Linie - wenn auch nicht ganz so streng. "Einen Schlauch wechseln wir schon. Aber Schaltung einstellen bei Rädern von billigster Qualität, das machen wir nicht", sagt Mitarbeiter Michael Peter. Denn wenn mit so einem Rad nach der Reparatur ein Unfall wegen eines Defekts passiert, "dann müssen wir dafür geradestehen".

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Und dass mit Billigrädern etwas passieren kann, das bestätigen Tests immer wieder. Vor zwei Jahren prüfte der NDR vier Modelle und stieß auf abrutschende Lenkergriffe und Unwucht im Reifen, sogar Lenkerbrüche drohten. Laut Sachverständigen hätten die Räder gar nicht verkauft werden dürfen. Hagebau und Lidl nahmen ihre Modelle daraufhin aus dem Sortiment. Auch die Stiftung Warentest warnt immer wieder. Es gibt auch andere Beispiele. In einem Test des WDR etwa schnitt ein günstiges Rad von Real ordentlich ab. Ein Risikofaktor ist generell, dass solche Räder in der Regel nur teilmontiert ausgeliefert werden. Der Kunde ist dann dafür zuständig, das Rad fertigzubauen - auf eigene Verantwortung.

Beim Velo am Ostbahnhof nehmen sie - wie viele andere Werkstätten auch - derzeit während der Hochsaison nur Räder an, die sie selbst verkauft haben. In der Nebensaison reparieren sie auch mal ein Baumarktrad, "wenn es kein komplett aussichtsloser Fall ist", wie Geschäftsführer Martin Dinkel sagt. Aber er hat Verständnis dafür, wenn Kollegen sich "gegenüber der Billigware abschirmen. Der Kunde erwartet nach einer Reparatur, dass alles geht.

Aber bei manchen Rädern wird es nie richtig funktionieren." Wenn man dann auf Reklamationen eingehe, könne das zum Draufzahlgeschäft werden. Dinkel kennt das Problem mit billigen Fahrradteilen auch im Kleinen. "Früher hatten wir gegenüber eine Tchibo-Filiale. Da haben die Leute einen Sattel für zehn Euro gekauft und waren dann beleidigt, wenn wir für die Montage fünf Euro verlangt haben. Das war ihnen zu teuer."

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