Angriff in Pasing "Ich mach' euch alle fertig, ich knall' euch alle ab"

  • Ein 27-Jähriger wird beim Stehlen in den Pasing Arcaden erwischt, überwältigt und entwendet einem Polizisten im Gerangel eine Waffe.
  • Vor Gericht geht es nun um die Frage, ob er dauerhaft in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht wird.
  • Der man leidet an einer Persönlichkeitsstörung. Bei seinem Angriff hörte er 24 Stimmen - jetzt sind es noch zwei.
Aus dem Gericht von Andreas Salch

Es war nur ein Routineeinsatz für zwei Polizisten in den Pasing Arcaden. Doch er hätte ihnen und einer Reihe anderer Menschen das Leben kosten können. 10. Januar 2018, es ist kurz nach 14 Uhr. Ein junger Mann wird in einer Drogerie dabei beobachtet, wie er Parfüms in eine mitgebrachte Tragetasche steckt. Als Angestellte ihn festhalten wollen, eskaliert die Situation. Der Täter wehrt sich, schlägt und tritt um sich. Zwei alarmierte Polizisten fordern ihn auf, sich auf den Boden zu legen.

Es kommt zu einer heftigen Rangelei mit dem jungen Mann. Dabei gelingt es ihm, eine der Sicherungen am Waffenholster eines der Polizisten zu lösen. Der junge Mann greift nach der Pistole und brüllt: "Ihr wisst nicht, mit wem ihr es hier zu tun habt. Ich mach' euch alle fertig, ich knall' euch alle ab." Vor dem Geschäft sind inzwischen mehrere Personen stehen geblieben, darunter auch Mütter mit Kinderwagen. Erst als die Polizisten mit äußerster Gewalt vorgehen, gelingt es ihnen, den Widerstand des Täters zu brechen. Es ist noch einmal gut gegangen.

Der jungen Mann, der das Parfüm stehlen wollte, ist Stefan B. Am Mittwoch begann vor der 9. Strafkammer am Landgericht München I der Prozess gegen den 27-Jährigen. Seit der Tat ist in den Pasing Arcaden ist Stefan B. im Isar-Amper-Klinikum in Haar einstweilig untergebracht. Laut Ärzten litt er bei der Tat unter paranoider Schizophrenie. Außerdem wurde bei ihm eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll der Mann nun auf unbefristete Zeit in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht werden. Denn es bestehe die Gefahr, dass er "weitere erhebliche rechtswidrige Taten begehen wird".

Im Isar-Amper-Klinikum hat sich Stefan B. freiwillig, wie er betont, einer "Elektrokrampftherapie" unterzogen. Sie habe ihm "ungemein geholfen". Mit der Behandlung habe sich die Zahl der Stimmen reduziert, die er bei der Tat gehört habe. Es seien jetzt nur noch zwei. Zuvor seien es 24 gewesen. Darunter die von Gott dem Allmächtigen, von Luzifer sowie von zahlreichen Göttern aus der griechischen und altgermanischen Mythologie.

Heute sei das für ihn "nicht mehr real", versichert B. dem Vorsitzenden, Richter Philipp Stoll. An jenem 10. Januar sei er "voll in der Psychose gewesen", so der 27-Jährige. Er habe sich in seiner "Schizophrenie gefangen" gefühlt. Eigentlich habe er in den Pasing Arcaden einen Adapter kaufen und etwas essen wollen. Doch die Stimmen, die er in seinem Kopf gehört habe, seien auf einmal in einen "aggressiven Modus übergegangen". Sie hätten ihm befohlen, alle möglichen Parfüms zu stehlen und in seine Tragetasche zu stecken. Dass er bewusst nach der Pistole eines der Polizisten gegriffen habe, bestreitet der 27-Jährige. Vielmehr habe er während der Rangelei nur etwas gesucht, "um nicht den Halt zu verlieren".

Einer der Mitarbeiter der Drogerie sagte bei seiner Vernehmung, "es hätte ja noch mehr passieren können, es waren ja so viele Leute herumgestanden". Ein anderer berichtete, als er gesehen habe, wie Stefan B. nach der Pistole des Polizisten griff, habe er Panik bekommen. Ein Urteil in dem Prozess wird für Donnerstag erwartet.

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