Amtsgericht München:Schüsse auf Porsche-Fahrer

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Amtsgericht München: Trotz Blaulicht nicht gestoppt: Der Porsche-Fahrer wollte flüchten.

Trotz Blaulicht nicht gestoppt: Der Porsche-Fahrer wollte flüchten.

(Foto: Imago/Drofitsch/Eibner)

Nach einer Verfolgungsfahrt stellt die Polizei den geflüchteten Wagenlenker. Bei der Kontrolle feuert ein Beamter vier Kugeln ab, zwei davon treffen den Mann am Steuer. Der Polizist sagt, das Fahrzeug sei auf ihn zugerast.

Von Susi Wimmer

Peter R. hatte definitiv zu viel getrunken, war längst seinen Führerschein los, und als die Polizei ihn in jener Septembernacht 2021 anhalten wollte, gab er mit seinem Porsche Gas, um sie abzuhängen. Auf der A 94 schließlich fuhr er rechts ran. Was dann geschah, wird von unterschiedlichen Beteiligten widersprüchlich geschildert. Für mindestens zwei Personen war jedenfalls lebensgefährlich, was geschah, als der Polizist Benjamin D. frontal auf den Porsche zuging.

Er sagt, der Fahrer habe plötzlich Gas gegeben, er habe sich zur Seite retten müssen, um nicht überfahren zu werden. Die Beifahrerin im Porsche sagt: Der Wagen habe nur kurz geruckelt, "dann hat der Polizist sofort auf uns geschossen". Vier Schüsse feuerte der 29-Jährige ab, davon einen durch die Seitenscheibe. Zwei Kugeln treffen den Fahrer an der Backe und am Ohr. Vor Gericht steht nun: der Porschefahrer.

Verhandelt wird vor dem Münchner Amtsgericht gegen den 54-jährigen Peter R. Verteidiger Marc Wederhake erklärt für seinen Mandanten, dass sich dieser zunächst nicht äußern werde. Also erzählt zunächst Benjamin D. von der Inspektion Bogenhausen, was aus seiner Sicht am 1. September 2021 geschah. Kurz vor Mitternacht habe er mit einem Kollegen in der Nähe des Friedensengels "verdachtsunabhängige Kontrollen" vornehmen wollen. Dabei sei der schwarze Porsche aufgefallen. Er sei hinterher gefahren, habe das Anhaltesignal "Stop Polizei" auf dem Dach eingeschaltet, aber der Fahrer habe nicht reagiert. Es kamen Lichthupe, Hupe und Blaulicht dazu, aber der Porsche sei zügig über die Prinzregentenstraße in Richtung Autobahn davongezogen.

Ab dem Vogelweideplatz habe der Porsche auf der A 94 Gas gegeben, "mit unserem 2er BMW waren wir da unterlegen", sagt der Polizist. Etwa 220 Stundenkilometer habe der Streifenwagen hergegeben - zu wenig für den Porsche. Aber in der Ferne habe er zwei Fahrzeuge nebeneinander auf der Autobahn gesehen, "ich nehme an, dass der Porschefahrer deshalb langsamer werden musste". An der Ausfahrt Daglfing habe der Fahrer versucht, abzufahren, aber man habe ihn überholt und sich auf der Sperrfläche quer vor sein Auto stellen können.

Der Polizeibeamter spricht von einer Abwehrreaktion

In der Dunkelheit stieg Benjamin D. alleine aus. Er sagt, er habe in der linken Hand mit der Taschenlampe auf den Porsche geleuchtet, in der rechten die Waffe, "etwa im 45-Grad-Winkel". Plötzlich habe der Porsche kurz zurückgesetzt und sei dann auf ihn zugekommen. "Ich habe wahrgenommen, dass ich mich in Lebensgefahr befinde", sagt der Polizist. Er sei schnell zur Seite gelaufen. Ein Sprung, so antwortet er auf Nachfrage, sei nicht nötig gewesen. "Aber die vier Schüsse waren notwendig?", kommt es prompt von Verteidiger Marc Wederhake. Dazu wolle er sich nicht äußern, meint der Polizist. Nur: Es sei eine Abwehrreaktion gewesen. Der Porsche sei auf der Autobahn weitergerast und an der Ausfahrt Am Moosfeld abgefahren. Dort habe man ihn aus den Augen verloren.

Sabrina K. ist von Beruf Escort-Dame und hatte mit Peter R. in der City eine Flasche Champagner geleert, sei dann mit dem Porsche aufgebrochen. Laut Anklage hatte Peter R. fast zwei Promille Alkohol im Blut. Am Friedensengel habe sie die Anhalteversuche der Polizei bemerkt, "aber er hat einfach Gas gegeben". Als R. über die Autobahn raste, habe sie mit ihrem Leben abgeschlossen, "ich dachte, wir sterben bei einem Unfall". R. habe nur immer in den Rückspiegel gestiert.

An der Ausfahrt Daglfing habe ein Polizist mit der Waffe direkt auf sie gezielt und sei auf sie zugekommen. In dem Augenblick habe der Wagen geruckelt, "und der Polizist hat sofort geschossen". Sie habe schützend ihre Arme gehoben, als sie den Kopf wieder gehoben habe, habe der Polizist durch die rechte Seitenscheibe nochmal in den Wagen geschossen. "Die Kugel hat meinen Arm gestreift und ist in seiner Backe gelandet", sagte sie mit Blick auf den Angeklagten.

Peter R. habe blutüberströmt den Porsche in Daglfing von der Autobahn gelenkt, sie habe nur noch geschrien, sie wolle aussteigen. Sie befindet sich nun in psychologischer Behandlung, könne keine Hausbesuche mehr absolvieren oder zu Männern in ein Auto steigen. Peter R. ist nun vor Gericht unter anderem wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Den Schusswaffengebrauch des Polizeibeamten prüft die Staatsanwaltschaft. Der Prozess dauert an.

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