Polizei München:EC-Karten mit Kleiderbügel aus Briefkasten geangelt

Ein 31-Jähriger hat auf diese Weise systematisch Briefe von der Bank abgegriffen und Geld vom Konto seiner ahnungslosen Opfer abgehoben.

Von Thomas Schmidt

Geduld, Dreistigkeit und ein verbogener Kleiderbügel: Viel mehr brauchte ein 31-jähriger Autohändler nicht, um mehr als 100 000 Euro von fremden Bankkonten zu stehlen. Jahrelang klaute der Täter in München EC-Karten sowie Pin-Nummern und räumte damit die Konten seiner ahnungslosen Opfer leer. Einem skeptischen Hausmeister und dem guten Gedächtnis der Ermittler ist es zu verdanken, dass er nun in einer Zelle sitzt.

Bei seinen Diebestouren seit Januar 2015 ging der 31-Jährige zunächst sehr geschickt vor. Er heftete sich an die Fersen von Postboten, berichtet Polizeisprecher Markus Ellmeier. Sobald die Briefkästen frisch gefüllt waren, fischte der Täter mit dem Kleiderbügel darin herum und suchte nach EC-Karten, die von Banken per Post verschickt wurden. Fand er eine, steckte er sie ein und kam in den folgenden Tagen zurück, um die ebenfalls per Post versandte Pin abzugreifen.

Wie viele Briefkästen er bei seiner Jagd durchwühlt hat, weiß vermutlich nicht mal er selbst. Gesichert ist nur, dass er mit den Karten an Geldautomaten in München und im Allgäu rund 100 000 Euro abhob. Dabei wurde er zwar von Überwachungskameras aufgenommen, das half zunächst aber nicht weiter.

Dann aber erinnerte sich ein Beamter an eine Begegnung vom Oktober: Ein Hausmeister hatte beobachtet, wie ein verdächtig wirkender Mann einem Postboten hinterherschlich und in Hauseingängen verschwand. Die Polizisten kamen, stellten die Personalien des Mannes fest, ließen ihn dann aber wieder ziehen, schließlich hatte er scheinbar nichts Verbotenes getan. Ein Abgleich mit den Bildern der Bank-Kameras brachte nun den Treffer.

Weil der 31-Jährige sich meist im Stadtteil Am Hart herumtrieb, legten sich Ermittler in Zivil dort auf die Lauer. Und tatsächlich: Bereits am 25. Januar erwischten sie den Kartendieb, den verbogenen Kleiderbügel hatte er in seinem Rucksack verstaut.

© SZ vom 15.04.2017/imei
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