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Planegg:Wärme aus der Kiesgrube

Kieswerk in Gräfelfing, 2018

Kies raus, Wasser rein, Sonne drauf: das Martinsrieder Feld.

(Foto: Catherina Hess)

Gruppe 21 fordert Machbarkeitsstudie zu Erdbeckenspeicher

Eine Machbarkeitsstudie soll klären, ob sich die große Klostermeier-Grube des Kiesunternehmers Glück auf dem Martinsrieder Feld in Planegg als künftiger Wärmespeicher eignet. Dies sieht ein Antrag der Gruppe 21 im neuen Planegger Gemeinderat vor, der demnächst diskutiert werden soll. Vorausgegangen waren Überlegungen von Fachleuten und Mitgliedern der Gruppe 21, aus der ausgekiesten Grube einen sogenannten Erdbeckenspeicher zu machen. Die Grube, gefüllt mit Bauschutt und Wasser, könnte sich im Sommer aufheizen, die gespeicherte Wärme ließe sich in den Wintermonaten zur Wärmeversorgung von mehr als tausend Haushalten in Planegg und Gräfelfing nutzen.

Dass das funktionieren kann, haben schon mehrere Fachleute bestätigt - etwa der Gräfelfinger Professor Gerhard Mengedoht bei einer Veranstaltung der Gruppe 21 mit den Gräfelfinger Grünen Ende Februar. Die beiden neuen Gemeinderätinnen Angelika Lawo und Eva Schreier aus Planegg haben die Idee jetzt aufgegriffen und konkretisiert. Ihr Plan: Dem Kiesunternehmer Glück soll angeboten werden, die bis 2023 anstehende Verfüllung der Kiesgrube vorläufig auf weitere fünf Jahre hinauszuschieben. Eine Machbarkeitsstudie, die die beiden Kommunen Planegg und Gräfelfing beschließen müssten, soll inzwischen möglichst schnell klären, ob sich die Grube eignet, Solarwärme zu produzieren.

Die Klostermeier-Grube muss nach einem Beschluss des Planegger Gemeinderats aus dem Jahre 2017 innerhalb von fünf Jahren verfüllt und ein Jahr später bereits rekultiviert sein. Diese vertragliche Vereinbarung mit Glück hatte zum Ziel, den bestehenden Eingriff ins Landschaftsbild und den Naherholbereich zeitlich zu beschränken und damit auch die Lärm- und Staubbelastung zu minimieren. Darüber, wie es mit dem Kiesabbau im Würmtal weitergeht, wird s seit vielen Monaten gestritten. Demonstrationen gegen weitere Kiesabbau-Pläne haben sogar schon auf dem Marienplatz stattgefunden.

Die Zeit drängt, sagen Lawo und Schreier: Glück plant angeblich in der zweiten Jahreshälfte 2020 mit der Bauschuttverfüllung in der Klostermeier-Grube zu beginnen: "Wir brauchen ein Verfüll-Moratorium", sagen die Gemeinderätinnen. "Nur so kann man die Chance wahren, die bestehende Grube als Wärmespeicher auszubauen. Sollte sich das als machbar erweisen und umgesetzt werden, ist wegen der kurzen Bauzeit einer solchen Anlage die Oberfläche sogar schneller wiederhergestellt als bei einer Bauschuttverfüllung." Dies bedeute auch weniger Lärm und Staub.

Eine Solaranlage diesen Ausmaßes würde in Martinsried auf eine bereits bestehende, gut funktionierende Infrastruktur stoßen: Der Ortsteil ist ans Fernwärmenetz angeschlossen. Lawo und Schreier: "Diese Projekt kann beiden betroffenen Gemeinden das Tor zur Klimaneutralität sehr weit öffnen."

© SZ vom 04.06.2020

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