Kolumne "Das ist nicht schön":Das Zeit-Management des Ministerpräsidenten

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Seit beinahe einem Jahr war bekannt, wann der Festakt zur 20-Jahr-Feier der Pinakothek der Moderne stattfinden würde. Klar hatte Markus Söder zugesagt - bis kurz vor Beginn der Veranstaltung.

Von Susanne Hermanski

Markus Söder hat abgesagt. Drei Stunden vor Veranstaltungsbeginn. Der Termin für die 20-Jahr-Feier der Pinakothek der Moderne stand seit beinahe einem Jahr fest. Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat auf dem Rückweg von Surinam nach Berlin extra einen Zwischenstopp dafür eingelegt. Sie hält eine flammende Rede auf die hohen Verdienste der Bürgerschaft alias der Pin-Freunde am Wohl und Existieren der renommierten Institution, dem modernen Flaggschiff der traditionsreichen Bayerischen Staatsgemäldesammlung. Markus Söder aber lässt sich von seinem Kunstminister Markus Blume entschuldigen bei diesem "absoluten A-Termin", wie Blume sagt: "Unser Bayerischer Ministerpräsident hätte heute tatsächlich alles lieber getan, als den Terminen zu folgen, die er statt diesem Galaabend hat: sich vorzubereiten auf die Bundesratssitzung morgen. Es geht um die großen Energiefragen."

Beim Publikum kommt nicht gut an, dass der MP seinerseits nicht die Energie aufbringt, sich wenigstens kurz beim Festakt zu zeigen. Da hilft es auch wenig, dass Blume in seiner Rede später noch ein bisschen an der Angstschraube dreht. Er wolle "alle Energie drauf verwenden sicherzustellen, dass es gut weitergeht", sagt er. "Auch für die Kultur darf es keinen Energie-Lockdown geben". Die Möglichkeit, dass dieser doch kommt, steht damit erst recht im Raum wie der sprichwörtliche weiße Elefant. Nach dem Dinner, als die Sitzordnungen und die Zungen sich lösen, sagt einer der geladenen Mäzene: "Bundesratssitzung? Das ist doch alles eine Frage des Zeit-Managements, würde ich sagen."

Und geübte Manager sind so manche an diesem Abend auf der Liste der Gäste: Aus dem Vorstand der Allianz sind Bernd Heinemann und Klaus-Peter Röhler gekommen, von Siemens Finanzvorstand Christian Kaeser und von BMW Finanzvorstand Nicolas Peter. Allesamt Lenker von Dax-Konzernen mit Münchner Adresse. Dass auch Oberbürgermeister Dieter Reiter nicht erschienen ist an diesem Abend, um für das Engagement der Firmen und der Privatleute für den wichtigen Tourismusmagnet Museum in seiner Stadt zu danken, rundet den Eindruck dieses Abends nur noch ab: Die Kultur hat es bleischwer mit der Politik in diesen Zeiten. Das wissen die Kulturschaffenden freilich schon seit Beginn der Corona-Krise, die nun nahtlos in die Energiekrise übergegangen ist. Das ist nicht schön. Noch schlimmer aber: Mit ihrem Verhalten stoßen Söder und Reiter auch noch jene vor den Kopf, die der Kultur beim Überleben helfen wollen. Und das ist am Ende nicht nur unschön, sondern womöglich fatal.

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