Pestizide in der Landwirtschaft:Saurer Apfel für Südtirol

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Auch der letzte von fast 1400 Klägern hat seine Anzeige gegen Karl Bär vom Umweltinstitut München zurückgezogen.

Von Thomas Anlauf

Der Bundestagsabgeordnete Karl Bär (Grüne) vom Umweltinstitut München hat einen wichtigen Erfolg im Südtiroler Pestizid-Prozess errungen. Am Freitag zog der letzte von fast 1400 Klägern vor dem Landesgericht Bozen seine Anzeige wegen übler Nachrede gegen Bär zurück. Der 36-jährige Politiker, der seit seinem Einzug in den Bundestag im Dezember als Agrarexperte des Umweltinstituts freigestellt ist, reagierte erleichtert: "Das ist ein guter Tag für uns", sagte Bär am Freitag. Ganz ausgestanden ist der Mammutprozess, der sich seit eineinhalb Jahren hinzieht, allerdings noch nicht: Am 6. Mai wird das abschließende Urteil erwartet. Bär wird wegen einer provokanten Plakataktion in München noch Markenfälschung vorgeworfen.

Karl Bär hatte 2017 für das Umweltinstitut München eine Kampagne entworfen, in der der hohe Pestizideinsatz vieler Südtiroler Bauern auf ihren Obstplantagen kritisiert wurde. Das großformatige Poster, das im Stachus-Zwischengeschoss hing, zeigte einen Traktor, der durch eine Obstplantage fährt und einen Stoff versprüht. Als "Pestizidtirol" bezeichnete das Umweltinstitut die Urlaubsregion auf dem Poster. Das Logo des Südtiroler Tourismusmarketings wurde verfremdet und als Text war zu lesen: "Südtirol sucht saubere Luft. Südtirol sucht sich." Das hatte dem dortigen Landesrat Arnold Schuler nicht gefallen. Er erstattete mit Hunderten Landwirten aus der Region Anzeige wegen der Aktion.

Auch der Südtiroler Landwirt und Politiker Tobias Gritsch zeigte Bär an, er zog die Anzeige am Freitag zurück. Nach eineinhalb Prozessjahren scheint die Front gegen Bär und das Umweltinstitut gebrochen zu sein. "Nach eineinhalb Prozessjahren ist es endlich soweit: Die Südtiroler Obstwirtschaft sucht den Dialog statt an unhaltbaren Klagen festzuhalten", so Bär. Er biete den Landwirten und der Landespolitik seit Monaten an, "eine konstruktive Diskussion außerhalb des Gerichtssaals zu ermöglichen". Derzeit wertet das Umweltinstitut die Betriebshefte fast aller Obstbauern aus, die Anzeige erstattet hatten, wie viel Pestizide sie 2017 auf ihren Plantagen ausgebracht haben. Dann soll es außergerichtlich Diskussionen zwischen Bär und den Bauern geben.

Die bayerische Landtagsabgeordnete Claudia Köhler (Grüne), die den Prozess als politische Beobachterin verfolgte, freue sich sehr, "welche Wendung der Prozess genommen hat". Es sei höchste Zeit, "dass man nun in der Öffentlichkeit über Pestizideinsatz diskutiert".

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