Pegida-Gründer Doppelter Protest gegen Bachmann

Lutz Bachmann, zu Beginn führender Kopf von Pegida, soll in München auftreten - gleich zwei Demos richten sich dagegen.

(Foto: Fabrizio Bensch/Reuters)
  • Pegida-Gründer Lutz Bachmann soll angeblich auf dem Marienplatz auftreten, das kündigt jedenfalls der Münchner Ableger der Gruppierung an.
  • Zwei Veranstaltungen sollen ein Zeichen dagegen setzen: Direkt an den Absperrungen demonstriert "München ist bunt", eine weitere Demo - mit Musik - findet vor der Oper statt.
Von Martin Bernstein

Gleich mit zwei Veranstaltungen wollen Münchner am Montagabend gegen den Auftritt des Pegida-Initiators Lutz Bachmann auf dem Marienplatz demonstrieren: Direkt an den Absperrungen, hinter denen sich die Islamfeinde versammeln, wird "München ist bunt" protestieren.

Etwa 500 Meter entfernt auf dem Max-Joseph-Platz vor dem Nationaltheater wollen unter dem Titel "Love, Beats & Happy Bass" andere Aktivisten "Nationalismus, Fremdenhass und Intoleranz mit fetten Bässen, Party und Spaß aus der Stadt" blasen. Dort hatten zwei Tage vor Weihnachten bis zu 20 000 Menschen für ein buntes, tolerantes München demonstriert. So viele werden es diesmal möglicherweise nicht werden - die Veranstalter haben aber bis zu 1000 Teilnehmer beim Kreisverwaltungsreferat angemeldet.

Pegida 12 000 Münchner setzen ein Zeichen
Anti-Pegida-Demo

12 000 Münchner setzen ein Zeichen

"München zeigt sich von seiner allerbesten Seite": Am Montagabend demonstrieren Tausende Menschen gegen die Pegida-Bewegung, die es schwer hat in der bayerischen Landeshauptstadt.

Die Frage ist allerdings, ob Pegida-Kopf Bachmann überhaupt kommen wird. Auf der Facebook-Seite des Münchner Ablegers wird er zwar für 19 Uhr angekündigt - aber das war in der Vergangenheit schon öfter der Fall gewesen, ohne dass Bachmann dann tatsächlich gekommen wäre. Auf Bachmanns eigener Facebook-Seite kommt München nicht vor: Dort kündigt der Pegida-Gründer für Montagabend einen Chemnitzer "Abendspaziergang" unter dem nicht nur grammatisch fragwürdigen Motto "Geblieben um zu siegen!" an. Das Polizeipräsidium wird am Montag trotzdem voraussichtlich mit mehreren Hundert Beamten im Einsatz sein.

Bachmann, der "Möchtegern-Hitler"

SPD-Mitglied Micky Wenngatz, die Vorsitzende des Vereins "München ist bunt", bezeichnet Bachmann in ihrem Aufruf als "Möchtegern-Hitler". Bachmann hatte als Dresdner Pegida-Anführer zurücktreten müssen, nachdem er im Internet mit Hitlerbärtchen posiert hatte. Bachmann wolle - wenn er denn kommt - "mitten im Herzen Münchens, am Marienplatz, mit seinen rassistischen Hasstiraden und menschenverachtender Hetze Stimmung gegen unsere muslimischen Mitbürger und Flüchtlinge machen", sagt Wenngatz. "Das dürfen wir nicht hinnehmen." Über die zweite Veranstaltung vor dem Nationaltheater ist Wenngatz nicht sehr glücklich: Musik sei gut, aber an Politikerschelte wolle sich "München ist bunt" nicht beteiligen. Viele Pegida-Gegner befürchten auf Facebook eine Zersplitterung des Protests.

"München ist bunt" war es deshalb wichtig, erneut ein breites Bündnis zu schmieden, das zum Gegenprotest aufruft. Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs gehören unter anderen der Ausländerbeirat, der Kreisjugendring, die Jusos, der DGB, das Münchner Forum für Islam, der Katholikenrat und das evangelische Prodekanat München, SPD, Grüne und Rosa Liste. Am Freitag schloss sich laut Wenngatz auch die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) dem Aufruf an. Nach den bisherigen Zusagen auf Facebook zu schließen, dürften auch auf den Marienplatz mehr als 1000 Gegendemonstranten kommen.

Bilder von der Anti-Pegida-Demo

"Des is mei Stadt"

Zum Protest gegen den "Auftritt des vorbestraften Hasspredigers Lutz Bachmann" aufgerufen hat auch das Münchner Bündnis für Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat, dessen Sprecherrat unter anderen Oberbürgermeister Dieter Reiter, IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch, Uni-Präsident Bernd Huber und DGB-Chefin Simone Burger angehören. Rassisten seien in München nicht erwünscht. "Wer mit Parolen zum vermeintlichen Schutz des Abendlandes vor einer angeblichen Islamisierung auf die Straße geht, schürt Ressentiments und Hass und skandiert gegen die Menschenwürde und das Grundrecht auf Religionsfreiheit."

Ressentiments gegen Muslime sind in München besonders ausgeprägt

Man müsse den Anfängen wehren, sagt Wenngatz. Zusammen mit dem Bündnis "Nobagidamuc" verweist sie auf Vorfälle der vergangenen Woche in München, die zeigten, wohin Hetze und Ausgrenzung führen könnten: den Brandanschlag auf die Moschee in Pasing, die Beschädigung der Ausstellung "Jüdisches Leben" auf dem Jakobsplatz sowie "ein wöchentliches Aufmarschieren von stadtbekannten Rechtsextremisten in der Maxvorstadt".

Das Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität hat ermittelt, dass in München Ressentiments gegen Muslime besonders ausgeprägt sind. Auf Platz vier in der Skala der Vorurteile: Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. Jeder fünfte Münchner hat demnach starke Aversionen gegen Muslime, jeder elfte ist stark ausländerfeindlich eingestellt. Immerhin noch sechs Prozent der Befragten outen sich als überzeugte Antisemiten.

"München ist bunt" demonstriert am Montag von 18.30 Uhr an auf dem Marienplatz gegen die kurz darauf beginnende Pegida-Kundgebung. Bereits um 18 Uhr beginnt "Love, Beats and Happy Bass" auf dem Max-Joseph-Platz.