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Oktoberfest:Vier Mass Bier in zwei Minuten

Exen hat sich zu einer Art Trendsport auf der Wiesn entwickelt. Auch von härterem Durchgreifen der Wirte lassen sich einige Kampftrinker nicht abschrecken.

Hacker-Zelt, zur Mittagszeit. Ein Mann mit Zahnlücke und Trachtenhut stellt sich auf die Bierbank. Wie ein Fußballer vor der Fankurve rudert er mit seinen Armen. Das Anstacheln funktioniert auch hier. Die Menschen schauen zu ihm auf - sie grölen und klatschen. Es folgt sein großer Auftritt. Mit einer Hand stemmt er die volle Mass Bier und schüttet sie in wenigen Sekunden in sich hinein. Der Pöbel jubelt noch lauter. Dann lässt der Mann einen Brunftschrei los.

Die Szene ist kein Einzelfall - sie ist der normale Wahnsinn auf dem Oktoberfest. Dutzende Male am Tag lässt sie sich so oder so ähnlich in den Zelten beobachten. Das Bierexen ist in den vergangenen Jahren zu einer Art Trendsport auf der Wiesn geworden. "Es ist nicht tot zu kriegen", beklagt Michael F. Schottenhamel, der Wirt des Schottenhamel-Zelts.

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Die Stadt München und die Festwirte gehen inzwischen gezielt gegen das Sturzsaufen vor. Bereits 2013 haben sie das versucht, der Effekt blieb jedoch aus. Damals entwarf der Karikaturist Dieter Hanitzsch ein Plakat, das in den Wiesn-Zelten aufgehängt wurde und für maßvolles Trinken warb. Es zeigte einen Affen mit einer Mass Bier, dazu den Text: "Mach Dich nicht zum Affen. Ex Saufen ist uncool." Die Leute rissen die Plakate von den Wänden.

Heute sind die Maßnahmen schon effektiver. "Mobile Streifen", wie Schottenhamel die Sittenhüter in seinem Zelt nennt, stoppen die Sturztrinker möglichst schon während ihres Auftritts und verwarnen sie einmalig. Weigert sich jemand und macht einfach weiter oder ext später erneut eine Mass, wird er aus dem Zelt geworfen.

Auch Festwirt Toni Roiderer lässt die "Prahler" bei der zweiten Ermahnung rausschmeißen, um, wie er sagt, "das Kampftrinken nicht zu fördern". Die Musikkapelle in seinem Hacker-Zelt sagt dreimal am Tag durch, dass das Exen auf den Bierbänken verboten ist. "Wir wollen kein Ballermann sein", sagt er. "Wir wollen das gute Image der Wiesn nicht von Kampftrinkern zerstören lassen."

Trotz des härteren Durchgreifens lassen sich die Kampftrinker offenbar aber nicht abschrecken. Schon am ersten Wiesn-Samstag kursierten wieder zahlreiche Bilder davon im Internet. Der Jubel und die Aufmerksamkeit, die den Säufern aus der betrunkenen Menge entgegenschwappen, rufen Nachahmer hervor. Sie haben den Antrieb, innerhalb weniger Sekunden besoffen und beachtet zu werden - sowohl im Zelt als auch über die Wiesn hinaus. Und so gibt es viele Videos und Fotos im Netz, auf denen sich Männer unter frenetischem Jubel literweise Bier in sich hineinpressen. Eines zeigt einen Burschen, der im Hofbräuzelt vier Mass in zwei Minuten säuft. Mehr als 21 000 Aufrufe haben die verstörenden Bilder.

Der bleich gewordene Mann mit der Zahnlücke, der im Hacker-Zelt die Mass geext hat, bleibt an diesem Mittag allerdings unbehelligt vom Sicherheitspersonal. Der Frontmann der Musikkapelle stellt per Mikrofon klar: "Das Bier-Exen ist weder erwünscht noch erlaubt. Das gehört nicht zu unserer Kultur." Ein Teil der Gäste im Zelt applaudiert. Der Jubel beim Exen aber war deutlich lauter.

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