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Gastronomie:Sepp Krätz: Die Rückkehr des Königs

Beginn Steuerprozess gegen Sepp Krätz

Hofiert wie ein König wurde Sepp Krätz in München früher, dann kam der Absturz. Nun darf Krätz in die Gastronomie zurück.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Fast wie Napoleon aus Frankreich wurde der ehemalige Wiesnwirt aus der Gastronomie verbannt. Jetzt darf er wieder zurück - und sollte sich den kleinen Franzosen aber nicht zum Vorbild nehmen.

Kolumne von Andreas Schubert

So kurz vor dem Oktoberfest passte die Entscheidung des Kreisverwaltungsreferats, den geschassten Wiesnwirt Sepp Krätz wieder in der Gastronomie arbeiten zu lassen, thematisch ganz gut in die Woche. Okay, dass er sein Hippodrom noch irgendwo auf der Theresienwiese dazwischenquetscht, ist unwahrscheinlich. Aber immerhin dürfte er jetzt im Andechser am Dom höchstoffiziell wieder das Szepter schwingen.

Man erinnere sich noch an die Fete, die Krätz vor sechs Jahren in der Residenz geschmissen hat, als ihn die Königsmacher vom Schlemmer Atlas zum Wirt des Jahres krönten. Fürwahr wie ein König ließ sich Krätz da feiern, und alle waren da - alle, alle, alle. Der Seehofer Horst hielt eine Laudatio, mit der er den Monarchen des Hippodroms, des Andechsers und der Wawi indirekt zum Kaiser der Münchner Gastronomie krönte. Gut, das K-Wort fiel der Überlieferung zufolge nicht, da wäre eine gewisse andere Lichtgestalt sehr wahrscheinlich beleidigt gewesen.

Spezi Horst wählte stattdessen die Formulierung "bayerisches Gesamtkunstwerk". Und er meinte noch: Man dürfe nie von der Länge eines Menschen auf seine Größe schließen. Dass danach nur noch Kleinskulpturen und Gemälde bis zu einer maximalen Höhe von 170 Zentimetern staatlich gefördert werden sollten, erwies sich allerdings als Gerücht.

Nach Krätz' Absturz vor zweieinhalb Jahren war es dann vorbei mit aller Herrlichkeit und Bussibussi mit den Promis, was den gelernten Metzger nicht daran hinderte, sich weiterhin mit teuren Rindviechern zu umgeben - halt nicht auf der Wiesn, sondern auf der Weide. Nur in der Waldwirtschaft war der einstige König noch so etwas wie ein Fürst. In München hingegen muss er sich gefühlt haben wie Napoleon auf Elba. Nicht einmal Teller durfte er innerhalb der Stadtgrenzen abräumen, sagt Krätz heute. Das wird er wahrscheinlich am allermeisten vermisst haben, das "Kaufmännische" war ja nicht so sein Ding.

Aber jetzt steht die Rückkehr aus der Verbannung bevor. Es könnte der ganz große Wurf werden. Für das Tambosi suchen sie angeblich ja immer noch einen neuen Pächter. Die Lage wäre für den einstigen Gastrokönig natürlich ideal: Feldherrnhalle, Residenz - alles in der Nähe. Und zur Staatskanzlei wäre es auch nur ein kurzer Spaziergang durch den Hofgarten. Seehofer hätte ein neues Stammlokal, und einen Tick mehr Prominenz könnte der Odeonsplatz ganz gut vertragen.

Bei der Krönungsfeier in der Residenz 2010 war übrigens auch der Hoeneß Uli dabei, der damals den Pomp der Fete wie folgt kommentierte: "Offenbar hat er das alles verdient." Fast schon prophetische Worte von einem, der dann wie Krätz und aus dem gleichen Grund auch bekam, was er verdient hatte. Hoeneß ist beim FC Bayern wieder auf dem Weg nach ganz oben. Mal sehen, ob Sepp Krätz irgendwann die Wiesn als Ort seiner Hippodrom-Monarchie wiedererobert. Er sollte sich dabei nur nicht Napoleon als Vorbild nehmen. Dessen Comeback hielt bekanntlich gerade einmal hundert Tage.

© SZ vom 03.09.2016/bhi

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