NS-Verfolgung:Münchner Stadtmuseum restituiert Nymphenburger Porzellandose

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NS-Verfolgung: Dominikus Auliczek hat die Tabakdose aus Porzellan um 1765 für die Nymphenburger Porzellanmanufaktur geschaffen.

Dominikus Auliczek hat die Tabakdose aus Porzellan um 1765 für die Nymphenburger Porzellanmanufaktur geschaffen.

(Foto: Münchner Stadtmuseum)

Die Porzellansammlung des Wiener Textilhändlers Heinrich Rothberger galt als bedeutend. 1938 wurde er zum Verkauf gezwungen.

Von Evelyn Vogel, München

Das Münchner Stadtmuseum restituiert eine Nymphenburger Porzellandose an die Erben der Familie des Wiener Textilhändlers Heinrich Rothberger. Wie proaktive Recherchen des Stadtmuseums ergeben haben, wurde Rothberger das Objekt 1938 NS-verfolgungsbedingt entzogen, als der Textilhändler gezwungen war, einen Teil seiner Porzellansammlung zu verkaufen, um die von den Nationalsozialisten erhobenen Zwangsabgaben zu begleichen. So kam es im November 1938 zu einer Versteigerung im Auktionshaus Hans W. Lange in Berlin, bei der das Münchner Stadtmuseum die Porzellandose, die zur Aufbewahrung von Tabak gedacht war, erwarb.

Ein zart gearbeiteter Reliefkopf des bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph auf malvenfarbenem Untergrund ziert das Tabakdöschen, das darüber hinaus mit bunten Blumenranken und goldenen Ornamenten reich geschmückt ist. Dominikus Auliczek, in der Nachfolge von Franz Anton Bustelli Modellmeister in der Nymphenburger Porzellanmanufaktur, hatte das Döschen hergestellt. Und Rothberger hatte es für seine umfangreiche Porzellansammlung erworben.

Heinrich Rothberger führte gemeinsam mit seinen Brüdern Moritz und Alfred ein Warenhaus gegenüber dem Stephansdom im Zentrum von Wien. Seine bedeutende Kunstsammlung enthielt unter anderem mehr als 300 Stücke aus Porzellan. Der Enteignungsvorgang folgte einem typischen Muster. Mit dem sogenannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 begann auch dort die Verfolgung jüdischer Mitbürger. Im November wurde Rothbergers ältester Sohn ins Konzentrationslager Dachau verschleppt, um die Familie zur Abgabe ihres Geschäftes zu zwingen. Nachdem es zur Übernahme der Firma durch einen nicht-jüdischen Besitzer gekommen war, bürdete man den Rothbergers Schulden, Reichsfluchtsteuer und allerlei fingierte Abgaben auf, die die Familie durch erzwungene Verkäufe zu begleichen suchte. 1941 gelang den Rothbergers die Emigration über Barcelona nach Kuba. Ihr Nachfahren leben in Amerika.

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