Neubau im Werksviertel BR soll sich mit 65 Millionen Euro am Konzerthaus beteiligen

Die Baustelle im Werksviertel ist inzwischen bereitet. Am 9. Dezember startet der Architektenwettbewerb, der am 18. Mai entschieden werden soll.

(Foto: Christian Krügel)
  • Im Werksviertel am Ostbahnhof soll ein neues Konzerthaus entstehen.
  • Die Details hat Kultusminister Ludwig Spaenle erstmals im Wissenschaftsausschuss des Landtags bekanntgegeben.
  • Die Zahlen sind heikel, weil der BR eigentlich drastisch sparen muss.
Von Susanne Hermanski

Die Summe klingt gewaltig - auch wenn sich der Zeitraum, in dem sie fällig wird, auf 30 Jahre erstreckt: Mit 65 Millionen Euro soll sich der Bayerische Rundfunk (BR) an der Finanzierung des neuen Münchner Konzerthauses beteiligen. Das hat Kultusminister Ludwig Spaenle am Mittwoch im Wissenschaftsausschuss des Landtags bekanntgegeben und damit erstmals konkrete Zahlen zur Beteiligung des Senders an dem Projekt genannt. Demnach will der BR fünf Millionen Euro für die technische Ausstattung der Säle aufbringen. Für das Erstbelegungsrecht für sein Symphonieorchester soll der Sender jährlich eine halbe Million Euro zahlen, hinzu kommen 1,5 Millionen Euro Miete pro Jahr. Das ist mehr als derzeit an Mietkosten anfällt.

Eine finanzielle Beteiligung am Bau des Hauses hatte BR-Intendant Ulrich Wilhelm immer mit dem Verweis auf gebührenrechtliche Beschränkungen abgelehnt. Dafür stellte er Geld für die technische Ausstattung und ein Erstbelegungsrecht des BR-Symphonieorchesters (BRSO) in Aussicht, zudem Mietvorauszahlungen. Insbesondere die CSU-Landtagsfraktion hatte auf klare Aussagen und konkrete Summen gepocht.

Die nannte jetzt Minister Spaenle erstmals - und sie sind heikel, weil der BR eigentlich drastisch sparen muss. Derzeit belaufen sich nach BR-Angaben die Mietkosten für Herkulessaal und Gasteig auf rund 800 000 Euro, also fast 700 000 Euro weniger, als Spaenle für das neue Haus verkündet hat. Die Mehrkosten ließen sich aber erklären, heißt es in einer Stellungnahme des BR: "Wir können aktuell die Räume nicht ständig nutzen und müssen aufwendige Fahrten zwischen den Arbeitsstätten der Klangkörper mit Transport von Notenmaterial und Instrumenten in Kauf nehmen." Diese Kosten entfielen künftig.

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Ein Erstbelegungsrecht ermögliche zudem "eine verbesserte künstlerische Planung". Und generell seien künftig deutlich mehr als die gut 50 Konzerte jährlich geplant. Die technische Ausstattung des neuen Hauses sollten, so Spaenle, ganz auf die Bedürfnisse des Rundfunks zugeschnitten werden, also zum Beispiel mit speziellen Mikrofonen, Kameras und Leitungen für Liveübertragungen in Radio, Fernsehen sowie in die digitalen Kanäle des Senders ausgestattet sein. Später übernehme der BR auch die Wartung und Erneuerung der technischen Anlagen. Ferner solle sich der BR beim "Education-Programm" des Konzerthauses einbringen, etwa mit Workshops und Veranstaltungen für Kinder.

Auch über den Anteil, den die bayerische "Zivilgesellschaft", also private Spender, werde leisten können, wagte das Kultusministerium im Landtag eine Spekulation: Zehn Millionen Euro seien ein realistischer Betrag, den man wohl von Sponsoren über die gerade gegründete Stiftung und von einzelnen großen Münchner Firmen für das Projekt zu erwarten habe.

Klarheit herrscht beim Pachtvertrag für das Gelände hinter dem Ostbahnhof, auf dem das Konzerthaus errichtet werden soll. Der Freistaat hat sich laut Spaenle mit Grundstücksbesitzer Werner Eckart auf ein "unbefristetes Erbbaurecht" verständigt: Der Vertrag läuft also theoretisch unendlich weiter, jedoch soll es alle 44 Jahre die Möglichkeit geben, von Seiten des Freistaates "ohne Angabe von Gründen zu kündigen". Der Freistaat müsse für diese Erbpacht jährliche 592 000 Euro bezahlen, so Spaenle.

Nach SZ-Informationen liegt dem ein Zins von 4,9 Prozent zugrunde, den Werner Eckart für das etwa 5300 Quadratmeter große, mit einem Bodenwert von rund zwölf Millionen Euro bewertete Areal ausgehandelt hat. Widerspruch gab es bei den Landtagsabgeordneten nicht. Es widersprach auch niemand den Forderungen von Isabell Zacharias (SPD), die sich "bitte was Kühnes und nicht den Standard deluxe, den München seit Jahren baut", für das Projekt vorstellt: "Der neue Konzertsaal in München muss ein spektakulärer Bau werden, und kein kreuzbraver Kasten aus Stahl und Glas."

Unwidersprochen blieb auch Spaenles Idee eines Betreiberkonzepts für das Haus: "Es läuft wohl auf eine Mischform aus Intendanten- und Mietform heraus", sagte Spaenle. Demnach müsste ein Intendant gefunden werden, der ein künstlerisches Gesamtkonzept entwirft, das aber einen klar festgelegten Raum lasse für eine freie Vermietung an private Veranstalter. Die hatten sich zuletzt beschwert, dass der Freistaat sie zu wenig miteinbeziehe.

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