Konzertsaal-Debatte:Was München aus dem Bau der Elbphilharmonie lernen kann

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Christoph Lieben-Seutter

"Generell muss Kultur raus aus den repräsentativen, innerstädtischen Umgebungen", findet Generalintendant Christoph Lieben-Seutter.

(Foto: dpa)

Bloß keine falschen Kompromisse: Der Hamburger Generalintendant Christoph Lieben-Seutter erklärt seine Sicht auf die Münchner Konzertsaal-Debatte.

Von Christian Krügel

"Was hier entsteht, muss sexy sein": Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant der Hamburger Elbphilharmonie, rät den Münchnern für den Bau ihres neuen Konzerthauses zu einem funktionalen, aber auch besonders attraktiven architektonischen Entwurf. "Was hier entsteht, muss die Fantasie der Leute anregen", sagt der 52-Jährige in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Es sei wichtig, bei dem geplanten Projekt im Werksviertel am Ostbahnhof nicht nur "einfach eine Halle, die lediglich eine Funktion erfüllt", hinzustellen. Ein modernes Konzerthaus müsse mit Programm wie Architektur auch eine "suggestive Kraft" ausstrahlen, um insbesondere junges Publikum anzuziehen.

Am 9. Dezember beginnt der Architektenwettbewerb für das Münchner Konzerthaus, an dem 32 Büros teilnehmen werden, darunter auch große Namen der internationalen Architekturszene wie etwa Herzog & deMeuron. Deren Elbphilharmonie wird am 11. Januar 2017 eröffnet - nach jahrelanger Bauverzögerung und einer gewaltigen Kostenexplosion.

Trotz Gesamtkosten von 865 Millionen Euro hat die bevorstehende Eröffnung in Hamburg eine große Architektur- und Klassikeuphorie ausgelöst. Für Generalintendant Lieben-Seutter ein Beweis dafür, dass der Bau trotz allem richtig war. Die Zahl der Konzert-Abonnenten habe sich in Hamburg verdoppelt, die erste Saison ist restlos ausverkauft, die Nachfrage sei weiterhin riesig. "Diese Menschen haben beschlossen, dass der Konzertbesuch ab jetzt zu ihrem Leben gehört", sagt Lieben-Seutter. Er sieht immer noch ein riesiges "Potenzial an musikinteressierten Menschen".

Aus diesem Grund findet er auch den Standort für das Münchner Konzerthaus interessant: in einem früheren Industriegebiet jenseits der Stadtmitte. "Generell muss Kultur raus aus den repräsentativen, innerstädtischen Umgebungen. Wenn wir mit Hochkultur und Klassik in den kommenden Generationen die Menschen noch erreichen wollen, muss diese Kultur auch in einem anderen Kontext stattfinden", sagte Lieben-Seutter der SZ.

Dem Freistaat als Bauherrn rät er, sorgfältiger und gründlicher zu planen als es die Hamburger anfangs taten. "Jeden Monat weniger Planung am Anfang bezahlt man hinterher mit vier Monaten mehr Bauzeit", so der Generalintendant. Eine Lehre aus dem Bau der Elbphilharmonie sei auch, dass es von Beginn an klare Vertragskonstruktionen mit Architekt und Baufirmen brauche und zudem eine zentrale Verantwortung an einer Stelle geben müsse. An den Schlüsselpositionen müssten die besten Leute sitzen - "keine Gefälligkeiten, keine politischen Besetzungen, sondern Fachleute mit Erfahrung".

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