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Kritik: Stand-up-Comedy auch mal im Sitzen: Nektarios Vlachopoulos im Vereinsheim.

Stand-up-Comedy auch mal im Sitzen: Nektarios Vlachopoulos im Vereinsheim.

(Foto: Oliver Hochkeppel)

Ein selbstironischer Nektarios Vlachopoulos im Vereinsheim.

Von Oliver Hochkeppel

Vor sechs Wochen durfte er noch nebenan auf die große Show-Bühne: Im Lustspielhaus nahm Nektarios Vlachopoulos den Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie "Senkrechtstarter" in Empfang. Was aber in der Post-Corona-Zeit nicht viel bedeuten will. Zur Premiere seines neuen Programms ging es jetzt wieder ins beschauliche Vereinsheim, und auch das war nicht ganz ausverkauft. Was für einen ehemaligen Poetry-Slammer und außergewöhnlich klugen Kopf natürlich eine Steilvorlage ist: Man habe es absichtlich so beworben, dass nur die "besten 70 Leute" kämen: "Es soll schon noch ein cooler Geheimtipp bleiben."

Jedenfalls passte der Programmtitel so perfekt: "Das Problem sind die Leute". Das Phänomen des Populismus und seiner Folgen führte Vlachopoulos unter anderem zu einem dystopischen Mini-Theaterstück zwischen Orwell und "Terminator" oder mit der in die sozialen Medien geschossenen banalen Frage, wie man am besten ein weiches Ei kocht, in deren hanebüchene Beschimpfungsautomatismen. Den großen Rest freilich hätte der 36-Jährige auch mit "Das Problem bin ich" betiteln können. Denn wie bei den meisten Kabarettisten und Comedians seiner Generation dreht sich das meiste um die eigene Befindlichkeit: um Beziehungsstress, Dating, Selbstwahrnehmung, "Coming of Age"-Probleme.

Allerdings geht Vlachopoulos das selbstironischer, flotter und sprachlich geschliffener an als die meisten Kollegen. Was mit einer von der Lobeshymne zum wüsten Verriss changierenden eigenen Rezension beginnt, mit einer Publikums-Evaluation endet und zwischendurch in zwei fantastischen Raps gipfelt, einem sprachdadaistischen ("Rhabarberbarbarabierbar") und dem Dicke-Hose-Typen aufs Korn nehmenden "Meine Meinung". Sehr flink, frech und lustig das Ganze, auch wenn trotz Running Gags und dem Bindeglied des Patenkinds "Sokrates" (ein Mädchen!) etwas die vom Titel angedeutete übergeordnete Struktur fehlte. Kommt mit dem Alter sicher noch.

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