bedeckt München 11°

Nein zu Münchner Olympia-Bewerbung:Eine Vision fehlte völlig - und das kalkuliert

Vor allem die Winterwettbewerbe entwickeln sich zum Problemfall. Für die Spiele 2018 fanden sich neben München mit Ach und Krach noch zwei Bewerber: das letztlich siegreiche, aber glanzlose Pyeongchang/Südkorea und der Zählkandidat Annecy/Frankreich. Auch jetzt ist das Feld, das ins Rennen um die Spiele 2022 startet, alles andere als prächtig: Almaty, Peking, Lemberg, Krakau - damit verbindet kaum einer bislang große Winterfreuden. Einzig Oslo rettet den Bewerb. Die Norweger sind nun der eindeutige Favorit.

Für die deutschen Olympia-Ambitionen bedeutet das Nein aus Bayern einen herben Dämpfer, aber keineswegs das endgültige Aus. Berlin und Hamburg könnten sich nun in Ruhe warmlaufen, um für die Sommerspiele ab 2024 zu kandidieren. Leichter aber wird ihre Mission durch das Veto aus dem Süden nicht. Wieso sollten die Bürger künftig Ja zum deutlich teureren Sommerspaß sagen?

Die Idee, in Oberbayern Winterspiele auszurichten, war weit weniger gewagt als die Idee, in Stuttgart einen unterirdischen Bahnhof zu bauen, in Hamburg einen Konzertsaal in die Elbe zu setzen oder in der Hauptstadt einen neuen Flughafen zu eröffnen. Eine Vision, wie es sie 1972 für die Sommerspiele in München gegeben hatte, fehlte völlig - und das kalkuliert. Das Winter-Konzept zielte auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, um den Kritikern so weit wie möglich entgegenzukommen. Dass es trotzdem scheiterte, zeigt die Wucht der Ablehnung.

© SZ vom 11.11.2013/sks

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite