Musiktheater:Tanz mit dem Teufel

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Je suis Faust

Leben oder Sterben? Hin- und hergerissen zwischen zwei Polen ist Faust. Sein Schicksal nimmt Mephisto (hinten) in die Hand.

(Foto: Marie-Laure Briane)

22 Mitwirkende der Gärtnerplatz-Jugend haben mit "Je suis Faust" Premiere. Sie spielen Goethes Drama zu den Klängen bayerischer Volksmusik

Von Barbara Hordych

Wer mit dem Teufel tanzt, der sollte gute Schuhe anhaben. Das zumindest empfehlen der Bananafishbones-Sänger Sebastian Horn und der Filmkomponist Gerd Baumann vom gemeinsamen Band-Projekt Dreiviertelblut. "Wannst du mim Deife danzt, dann brauchst guade Schua" heißt es in ihrem ausgelassenen Song "Deifedanz", in dem die pure Energie aus jedem einzelnen Ton sprüht, wenn sie den Kampf mit dem Teufel besingen. Bayerische Volksmusik verschmilzt da mit einem Balkan-Ska-Rhythmus, der einem beim Hören unwiderstehlich in die Füße fährt.

Ein Effekt, den sich auch die 22 Mitglieder der Gärtnerplatz Jugend in ihrer neuen Musiktheaterproduktion "Je suis Faust" gekonnt zunutze machen, wie die Durchlaufprobe im Studio des Theaters zeigt. Am 8. Juni hat ihr Stück Premiere, in dem sie sich Goethes berühmtem Faust-Drama widmen. "Wenn du dem Teufel folgst" lockt stimmgewaltig Sofia Lainovic als weiblicher Mephisto in roter Lederjacke, während sich die übrigen, rot, schwarz und weiß gekleideten Tänzer zu den Klängen des besagten "Deifedanz" immer wilder über die Bühne bewegen, ganz so, als würden sie tatsächlich von der heißen Glut der Hölle angetrieben. Während die jungen Tänzer die überall auf dem Boden verteilten schwarzen Bastschlangen hoch über ihre Köpfe werfen, versucht Mephisto den mutlos auf seinem Stuhl zusammengesackten Faust für das Weiterleben zu begeistern, mit einer temperamentvoll vorgetragenen Vorstellung all dessen, was er erlangen kann, wenn er ihr den "Teufelskuss" gibt.

"Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor" hatte er zuvor in der Anfangsszene geklagt. Mithilfe von Philosophie, Medizin und Theologie hatte er versucht, "dass ich erkenne, was die Welt, im Innersten zusammenhält". Vergebens, wie er dann melancholisch feststellt. Als musikalisches Pendant zu seiner Verfassung stimmt der Chor die Melodie von "Da Summa is aussi" an. "Es gibt eine Fassung von Hubert von Goisern, die sich stark an der bayerischen Stubenmusik orientiert, da ist so viel Herz drin, das passte einfach großartig zu Fausts Zustand, auch wenn es eigentlich ein Lied für den Almabtrieb ist", sagt Philipp Weiß.

Er hat die musikalische Leitung inne und besorgt die Einstudierung der Lieder, die wiederum die Jugendlichen gemixt und mit neuen Texten versehen haben. "Vorgegeben war das Konzept, sich auf bayerische Volksmusik zu beschränken", sagt Weiß. Innerhalb dessen konnten die Jugendlichen aber ihr "eigenes Ding" machen. So reicht die musikalische Bandbreite von Songs der Bands Django 3000 und Dreiviertelblut, die sich mal eher an Rock, mal eher an Balkan-Beat orientieren, bis hin zu einem lyrisch-zarten Wiegenlied, das Gretchen für ihr Kind anstimmt. Denn natürlich taucht auch sie neben Faust und Mephisto noch auf - und erleidet ihr Liebesschicksal.

"Der besondere Charme dieser Jugendclub-Produktion ist ja, dass die Mitwirkenden nicht nur die Liedtexte, sondern auch die Dialoge des Stücks mit der Regisseurin Susanne Schemschies gemeinsam erarbeitet haben", sagt Weiß. Unglücklicherweise ist die Regisseurin gerade jetzt, zur ersten Durchlaufprobe, an einem Virus erkrankt. Kurzfristig für sie eingesprungen ist Nicole Claudia Weber, die im April dieses Jahres mit ihrer Inszenierung des "Pumuckl"-Musicals Premiere im Gärtnerplatztheater hatte.

Kompetente Hilfestellung erhält sie von der Choreografin Roberta Pisu, die die Jugendlichen aus der Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten schon sehr gut kennt. "Wir proben jetzt ohne Unterbrechungen, einerlei, welche Fehler passieren, achtet aufeinander und macht weiter, korrigiert wird später", hatte Weber die jungen Darsteller am Anfang der Probe ermahnt.

"Die Übergaben waren noch nicht so reibungslos, wie sie sein sollten", stellt der 19-jährige Teo Pop nach dem Durchlauf selbstkritisch fest. Er ist einer der vier Darsteller, die den "Faust" in den unterschiedlichen Szenen verkörpern. Aber er ist voller Zuversicht. Immerhin sind es noch drei Tage bis zur Premiere. Zu der Susanne Schemschies hoffentlich wieder gesund ist.

Je suis Faust, Fr., 8. Juni, 19.30 Uhr, Sa., 9. Juni, 21 Uhr, Studio im Gärtnerplatztheater

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