Sicherheitskonferenz Hundestaffel, Hotelwache und Ausputzer

Sprengstoffsuche für die Fotografen: Diensthund Alfi, ein sechsjähriger belgischer Schäferhund, zeigt am Freitagmorgen auf dem Promenadeplatz, wie er die Sicherheitskonferenz sicher macht.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Bei der Münchner Sicherheitskonferenz sind 4400 Beamte aus München, von der Bereitschafts- und Bundespolizei, vom Landes- und Bundeskriminalamt sowie aus zehn weiteren Bundesländern im Einsatz.
  • In diesem Jahr ist das Aufgebot noch ein bisschen größer als gewohnt. Das erklärt Polizeisprecher Marcus Da Gloria Martins mit der wachsenden Zahl an Teilnehmern.
  • "Unseren Einsatzkräften, aber auch der Münchner Bevölkerung, wird an diesem Wochenende wieder einiges abverlangt", sagt Polizeivizepräsident Werner Feiler.
Von Martin Bernstein

Am Freitagmorgen ist Showtime für Alfi. Der Sechsjährige steckt seine Schnauze überall hinein, freilich nur zu Demonstrationszwecken. Die eigentliche Arbeit haben der belgische Schäferhund und seine Kolleginnen und Kollegen von der Münchner Polizeihundestaffel schon längst erledigt. Der Bayerische Hof und der Promenadeplatz sind sicher. Nach menschlichem Ermessen (und Vierbeiner-Spürsinn) sollten weder Sprengstoff noch Munition im Umkreis des Tagungshotels die mehr als 600 Teilnehmer der 55. Sicherheitskonferenz gefährden.

Eine Wagenkolonne nach der anderen fährt vor, während Polizeisprecher Marcus Da Gloria Martins und seine Kollegen für die Kameras und Mikrofone vorführen, wie die Münchner Polizei bei ihrem alljährlichen Großeinsatz arbeitet. "Sicherheitshandwerk" nennt Martins das. Dieses Jahr ist der Einsatz freilich noch ein bisschen größer als gewohnt. Insgesamt 4400 Beamte aus München, von der Bereitschafts- und Bundespolizei, vom Landes- und Bundeskriminalamt sowie aus zehn weiteren Bundesländern sind im Einsatz.

Um sechs Uhr morgens ist der Sicherheitkordon um den Bayerischen Hof geschlossen worden. Am Mittwoch, als der Promenadeplatz noch frei zugänglich war, gab es Proteste vor dem Bayerischen Hof. Die angemeldeten Kundgebungen am Wochenende sind übrigens so international wie die Konferenz selbst: Gruppen aus Bangladesch und dem Iran, aus Afghanistan und der Ukraine, aus Griechenland und Pakistan haben Demonstrationen angekündigt. 3000 Beamte werden allein am Samstag gleichzeitig in der Stadt im Einsatz sein. Jetzt, am Freitagmorgen, sind es vielleicht halb so viele.

Ob die fragile Lage der Weltpolitik denn die Sicherheitskonferenz in diesem Jahr zu einem Sicherheitsrisiko gemacht habe, wird Martins gefragt. Und ob es konkrete Bedrohungen gebe. Es ist ein bisschen wie bei Alfi: Showtime. Denn natürlich würde kein Polizeisprecher vor laufender Kamera über Anschlagspläne reden, selbst wenn es sie gäbe. Indizien liefert da schon eher die Atmosphäre. Und die wirkt entspannt an diesem Freitagmorgen unmittelbar vor Konferenzbeginn, obwohl es in der Nacht zuvor einen Brandanschlag auf ein rheinland-pfälzisches Polizeiauto in Zamdorf gegeben hat.

Die Aufstockung um 400 Beamte erklärt Martins mit der wachsenden Zahl der Teilnehmer. Denn für die Münchner Polizei bedeutet das: mehr Schutzpersonen, 250 Konvoifahrten, die durch den Münchner Stadtverkehr gelotst und eskortiert werden müssen, zehn Hotels, in denen gefährdete Konferenzteilnehmer logieren. "Hotelwache" - das ist für die Polizisten weniger beschaulich, als es klingt. Und vor allem ist es personalintensiv.

Dasselbe gilt für die Konvois. Am Flughafen werden die Eskorten für Staatsgäste und Schutzpersonen bereitgestellt. Das können dann schon mal wie beim ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi am Donnerstagabend 24 Autos sein. Der Begleitschutzkommandoführer fährt voraus, Polizeimotorräder - die "Ausputzer" - sollen unterwegs Kreuzungen freihalten, es gibt die Fahrzeuge der Personenschützer und der Gäste und den Lastwagen, in den das Gepäck verladen wird.

Bei der "Lotsung mit Durchschleusung" werden bei Bedarf immer nur kleinere Abschnitte auf der Strecke gesperrt. Das ist die Aufgabe des Verkehrskommandoführers, der rund 60 Posten an neuralgischen Punkten entlang der Fahrstrecke stehen hat. Auf seinen Befehl hin machen sie einzelne Zufahrten, aber auch schon mal den Mittleren Ring an einer bestimmten Stelle für wenige Minuten dicht. Staatsoberhäupter erhalten dagegen "Freie Fahrt" mit komplett gesperrten Straßen und Motorradeskorten.

"Unseren Einsatzkräften, aber auch der Münchner Bevölkerung, wird an diesem Wochenende wieder einiges abverlangt", gibt Polizeivizepräsident Werner Feiler zu. Für die Münchner ist die Sicherheitskonferenz vor allem das: 660 Absperrgitter um den Promenadeplatz, Straßensperrungen, Umleitungen der Bus- und Trambahnlinie 19 und 21, 855 Halteverbotsschilder an Zufahrtsstraßen, um Hotels und auf der Route der Großdemo am Samstag. Die Kundgebung der Siko-Gegner beginnt um 13 Uhr am Stachus und führt über den Odeons- zum Marienplatz.

An der Pacellistraße, der einzigen Zufahrt zum Bayerischen Hof, ist eine Sicherheitsschleuse aufgebaut. Ohne Berechtigung kommt dort niemand herein. Was passieren würde, käme jemand auf finstere Ideen, deuten Schwerbewaffnete am Straßenrand und auf den Dächern ebenso an wie mobile Fahrzeugsperren, die bei Bedarf über die Straße gezogen werden können. "Bitte nicht drauf treten", ruft ein Polizist in Schutzmontur einem Kameramann zu, der auf der Suche nach eindrucksvollen Bildern zur Sicherheitskonferenz ist. Die bekommt er dann: Showtime mit Alfi.

Polizei in München Sein letzter Großeinsatz

Sicherheitskonferenz

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Schon seit 30 Jahren begleitet der Münchner Polizeivizepräsident Werner Feiler die Sicherheitskonferenz. Er hält Demonstranten und 4000 Beamte im Blick und lotst die Konvois mit den Staatsgästen durch die Stadt.   Von Martin Bernstein