Sicherheitskonferenz:Sein letzter Großeinsatz

Werner Feiler, Polizeivizepräsident in einer Besprechung

Im Führungsstab des Polizeipräsidiums laufen während der Sicherheitskonferenz die Fäden zusammen. Seit 30 Jahren mittendrin: Werner Feiler.

(Foto: Florian Peljak)

Schon seit 30 Jahren begleitet der Münchner Polizeivizepräsident Werner Feiler die Sicherheitskonferenz. Er hält Demonstranten und 4000 Beamte im Blick und lotst die Konvois mit den Staatsgästen durch die Stadt.

Von Martin Bernstein

Vier Jahre ist es her, da hat Werner Feiler seine Rolle während der Sicherheitskonferenz noch als die eines Dirigenten beschrieben, der auf den Zusammenklang der Instrumente achten muss. Damals war der gebürtige Oberfranke dritter Mann im Polizeipräsidium und leitete den Führungsstab. Ein halbes Jahr später wurde der damals 56-Jährige Polizeivizepräsident. Und damit Einsatzleiter für die mehr als 4000 Beamten an diesem Wochenende rund um den Bayerischen Hof. Da sei er nun so etwas wie ein Intendant.

Und diesen Intendanten der Münchner Sicherheit wird man - wenn denn alles so glatt läuft wie in den letzten Jahren - am späten Samstagnachmittag nach der großen Demonstration einigermaßen erleichtert irgendwo auf einem sonnigen Fleckerl am Marienplatz stehen sehen. Im Hintergrund. Der große Auftritt ist seine Sache nicht, weswegen die Vergleiche aus der Welt des Musiktheaters vielleicht gar nicht so passend sind. Eher ist es der Gesichtsausdruck eines passionierten Handwerkers - der Feiler nämlich ist, wenn er mal Zeit dafür hat -, der zufrieden feststellt, dass alle Teile zusammenpassen.

Seit 30 Jahren begleitet Feiler die Münchner Sicherheitskonferenz in den verschiedensten Funktionen - oder besser: Sie begleitet ihn. Das fängt schon damit an, dass sie oft auf seinen Geburtstag fiel. Auch an diesem Freitag wird das so sein. Um sieben Uhr wird der Einsatzleiter das Licht in seinem Büro im zweiten Stock irgendwo in den labyrinthischen Gängen des Präsidiums an der Ettstraße anknipsen und 14 Stunden später wieder heimkommen. Zum Feiern bleibt da keine Zeit. Und auch keine Muße. Trotz so vieler Jahre Einsatzerfahrung: In den Tagen vor der Sicherheitskonferenz kommt die Anspannung. Und spätestens am Mittwoch der Wunsch: "Lasst uns endlich anfangen!"

Schon im Oktober beginnen die Vorbereitungen. Mehr als hundert Seiten dick ist der Einsatzbefehl zur Sicherheitskonferenz. Im Führungsstab wird diese Planung ständig mit der aktuellen Lage abgeglichen. An diesem Donnerstag ist der blickgeschützte Raum im ersten Stock des Präsidiums voll besetzt. Feiler hält eine kurze Ansprache, dann richten sich die Blicke der insgesamt 30 bis 40 Beamten im Führungsstab auf die Monitore und Bildschirme. So behalten die Polizisten die Stadt im Auge, koordinieren die mehr als 250 "Lotsungen" gefährdeter Sicherheitskonferenz-Teilnehmer, wie es im Polizeideutsch heißt, leiten auch mal kurzfristig um, wenn es auf einer Konvoistrecke eng wird, wie an diesem Donnerstag wegen des Lochs auf der Prinzregentenstraße.

Es wird Feilers letzter großer Einsatz sein. Am 28. Februar ist Schluss für ihn - nach fast 45 Jahren bei seiner "Polizeifamilie", wie der dreifache Vater und vierfache Großvater sagt. Als junger Beamter bei der Einsatzhundertschaft war Feiler schon in den Siebzigerjahren zum Schutz der damals noch "Wehrkundetagung" genannten Konferenz abgestellt. Später organisierte er die Einsätze selbst. Das war damals noch eine Aufgabe für die Altstadtinspektion 11. Dann kamen die Krawalle von Genua, die Anschläge von 9/11, das Demonstrationsverbot im Jahr 2002 aus Angst vor Ausschreitungen. "Schauerliche Informationen", die man ganz schwer habe einordnen können, habe es damals im Vorfeld gegeben, erinnert sich Feiler. Das Präsidium selbst koordiniert seither den Siko-Einsatz. Und wieder war Feiler dabei.

Interessant und schön sei die Zeit bei der Polizei gewesen, sagt er. Und ja, der Abschied werde auch schmerzhaft sein. Aber den Ruhestand verschieben? Keine Option. Der Intendant ist mit sich im Reinen. Und denkt an das Handwerken und die anderen Hobbys in der Zeit danach. So wie er das immer gemacht hat: Jeder habe seine Aufgabe, am Ende müsse alles zusammenpassen. "Und wenn nicht gleich alles passt", sagt Werner Feiler, "nun ja, dann feilen wir noch ein bisschen dran."

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