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Richtfest in Sendling:"Gottlob, es ist vollbracht"

Max Wagner (linkes Bild, von links), Dieter Reiter, Katrin Habenschaden und Paul Müller von den Münchner Philharmonikern begutachten das Gasteig-Übergangsquartier.

(Foto: Robert Haas)

Der Rohbau für das Interimsquartier der Münchner Philharmoniker steht

Von Sophia Kaiser

Seit April 2019 wird am Übergangsquartier der Münchner Philharmoniker in der Hans-Preißinger-Straße in Sendling gewerkelt. Nun, rund anderthalb Jahre später, steht der Rohbau - und das sollte gefeiert werden. Für ihn sei es ein "freudiger Tag", sagt Gasteig-Chef Max Wagner, und das sieht man ihm auch an. Über ihm und den anderen Anwesenden schwebt eine am Kran befestigte Richtkrone, verziert mit weiß-blauen Fähnchen. Nach einem musikalischen Auftakt durch vier Mitglieder der Münchner Philharmoniker - die Männer traditionell in Lederhosen gekleidet - eröffnet Wagner die Veranstaltung.

Es war ein langer Weg, bis der Gasteig sein neues Übergangsquartier gefunden hat. Mehr als 30 potenzielle Standorte hat sich Wagner vor der endgültigen Entscheidung angeschaut, erzählt er. Das Richtfest sei für ihn ein wichtiger Meilenstein. Von 2021 an sollen Stadtbibliothek, Volkshochschule, Hochschule für Musik und Münchner Philharmoniker für die nächsten fünf Jahre auf dem Stadtwerkeareal einquartiert werden. So lange nämlich soll die Generalsanierung des Stammhauses, des Gasteig an der Rosenheimer Straße, dauern. Wie eine Übergangslösung sieht der Rohbau nicht aus. Massive graue Betonwände ragen etwa 25 Meter in die Höhe. In das seitlich sichtbare Stahlgerüst sollen demnächst die Holzwände eingelassen werden. Ein Bau komplett aus Holz, wie er ursprünglich geplant war, sei aus Brandschutzgründen nicht möglich gewesen. Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der zum Richtfest ebenso erschienen ist wie Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne), merkt das an. In München, sagt er, sei "alles a bissl anders". Deswegen sei dieser Bau nicht nur mit dem "herausragenden" Architekturbüro GMP und Akustiker Yasuhisa Toyota beglückt, sondern auch mit einem gleichermaßen "herausragenden" Kostenrahmen.

Massive graue Betonwände ragen etwa 25 Meter in die Höhe.

(Foto: Robert Haas)

Die Interimsphilharmonie trieb die Gesamtkosten für die Übergangslösung um insgesamt 22 Millionen Euro in die Höhe. Mittlerweile liegt das Budget dafür mit geplanten 112 Millionen Euro deutlich über den anfänglich festgelegten 90 Millionen Euro. Das ist immerhin knapp ein Viertel des Betrages von etwa 450 Millionen Euro, der für die gesamte Generalsanierung des Gasteig eingeplant ist. Dennoch findet Reiter diese Übergangslösung "richtig und gut", ein Qualitätsmerkmal der Stadt und der Kultur, die "der Klebstoff der Gesellschaft" sei. Oberbürgermeister Reiter lobt den zügigen Bau des Projektes, der Corona zum Trotz komplett nach Plan verlaufen sei. Als symbolische Geste schlagen Reiter, Habenschaden und Wagner anschließend einen Nagel in einen Holzbalken - alles unter genauesten Anweisungen der anwesenden Fotografen.

"Gottlob, es ist vollbracht", beginnt Polier Dietmar Wehne den Richtspruch vom höchsten Punkt des Gebäudes aus. Vier Sektgläser zerspringen bei den Glückwünschen an alle Beteiligten während der Zeremonie.

Trotzdem muss noch einiges getan werden, bis das Interimsquartier in Sendling einzugsfertig ist. Drei Mobilbauten fehlen noch auf dem Gelände, und auch das denkmalgeschützte Trafowerk der Stadtwerke wird gerade noch aufgehübscht. Dort soll dann das Foyer des Gasteig, die Stadtbibliothek und die Volkshochschule zu finden sein. Im dann fertigen Konzertsaal sollen bis zu 1800 Zuschauer Platz finden. Das Eröffnungskonzert ist für Oktober 2021 geplant - zumindest wenn alles weiterläuft wie bisher.

© SZ vom 16.10.2020

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