Band "Wolfgruber Kugelmann": "Dadurch bekommt die Musik vielleicht auch eine gewisse Leichtigkeit"

Lesezeit: 2 min

Band "Wolfgruber Kugelmann": Genretechnisch liegt die Musik vom Duo "Wolfgruber Kugelmann" irgendwo zwischen Chilly Gonzalez und Modern Jazz.

Genretechnisch liegt die Musik vom Duo "Wolfgruber Kugelmann" irgendwo zwischen Chilly Gonzalez und Modern Jazz.

(Foto: Manfred Mildenberger)

Nils Kugelmann und Sebastian Wolfgruber haben durch einen Zufall eine Jazz-Platte aufgenommen - ganz ohne Bass. Ihre Songs landeten weltweit auf den Playlisten.

Von Amelie Völker

Klavier, Bass und Schlagzeug. So ist es das Publikum gewohnt. Denn so definiert sich normalerweise das klassische Jazztrio. Doch was passiert, wenn man eines dieser Instrumente einfach weglässt? Klar ist: Es erfordert Mut und Risikobereitschaft.

Diesen Schritt gewagt haben die beiden Münchner Musiker Nils Kugelmann und Sebastian Wolfgruber. Ihr Duo Wolfgruber Kugelmann besteht aus Klavier und Schlagzeug. Die beiden kennen sich schon länger, haben auch oft gemeinsam in dieser Konstellation frei gejammt. Eine Studioaufnahme war jedoch eigentlich nicht geplant. Sie entstand durch einen Zufall.

Im Juni 2021 wollte Nils mit seinem Jazztrio, in dem er Kontrabass spielt, Studio-Aufnahmen machen. Doch der Pianist wurde krank. Nils wollte den Studio-Slot nicht verlieren. Also sprang spontan Sebastian mit seinem Schlagzeug ein. Ohne Probe. "Aber das war auch irgendwie das Schöne daran", sagt Nils. "Weil alles ganz frisch war." Zwei Jazzmusiker, die sich durch einen Zufall spontan im Studio wiederfinden und ohne Probe eine EP aufnehmen.

Diese Hintergrundgeschichte, dieses "Freiheitsgefühl des Zusammenspielens", wie Nils es nennt, ist auch in ihren Songs spürbar. Schlagzeug und Klavier treten in einen Dialog. Sie gehen aufeinander ein, finden sich stets wieder. Es gibt mal sanftere, mal dynamischere Sequenzen, die jedoch alle immer irgendwie harmonisch sind.

Ihre EP "Dancing Rhapsody" veröffentlichten sie im September dieses Jahres. Genretechnisch liegen die fünf Songs irgendwo zwischen Chilly Gonzalez und Modern Jazz. Innerhalb kürzester Zeit landete die Musik auf renommierten Spotify-Playlists wie "Jazz Today", "Jazz X-Press" oder "Swinging Piano". Dies bescherte dem Duo eine Höreranzahl von bisher insgesamt circa 10 000 Klicks aus ungefähr 100 Ländern. "Das war ein schönes Gefühl. Zu sehen, dass unsere Musik auch gehört wird", sagt Nils.

Eine Frage drängt sich dennoch auf: Fehlt etwas? Der Jazzhörer ist es eigentlich gewohnt, dass immer Bass da ist. Wenn Nils am Klavier nichts in den tiefen Registern spielt, dann ist da auch wirklich nichts. Das generiert wiederum Platz. "Es ergibt sich eine große Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten, wenn der Bass mal weg ist", sagt Nils. "Aber es ist schon eine Challenge. Das klangliche Fundament kann ja gar nicht da sein. Wir wollten einfach schauen, wie wir mit unseren natürlichen Spielweisen das trotzdem so gestalten können, dass man nicht das Gefühl hat, dass etwas fehlt. Und dadurch bekommt die Musik vielleicht auch eine gewisse Leichtigkeit." Dennoch: So ohne Probe ins Studio zu gehen, hätte natürlich auch schieflaufen können, sagt Nils. "Umso schöner, dass es dann doch gut geklappt hat. Risiken sind manchmal eben doch kreativ förderlich."

Wolfgruber Kugelmann

  • Stil: Modern Jazz
  • Besetzung: Nils Kugelmann (Klavier), Sebastian Wolfgruber (Schlagzeug)
  • Aus: München
  • Seit: 2021
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