München:Die Wohnung von Baby Schimmerlos ist zu haben

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München: Hier hat Baby Schimmerlos gewohnt - an der Nymphenburger Straße Ecke Maillingerstraße.

Hier hat Baby Schimmerlos gewohnt - an der Nymphenburger Straße Ecke Maillingerstraße.

(Foto: Stephan Rumpf)

Früher waren die Mieten noch bezahlbar, heute wird am liebsten gleich an betuchte Eigentümer verkauft - besonders gern im Fall von Wohnungen, in denen einst Fernsehprominenz gehaust hat.

Glosse von Laura Kaufmann

Mei, früher, da hat die Tramfahrt keine zwei Mark gekostet und die Wiesnmass zehn, seufzt der Münchner gern, wenn's um die jährlichen Preiserhöhungen geht. Den lautesten Seufzer stößt er aus, wenn es um den Preis der ersten Mietwohnung geht - es reicht, vor etwa zehn Jahren die Matratze aus dem Kinderzimmer in ein zugiges WG-Zimmer geschleppt zu haben, um Preisspannen aufzurufen, die einen andernorts als reif fürs Altersheim klassifizieren würden.

Über die Münchner Mieten ließ sich immer schon stöhnen, auch "damals" und "früher" und in besseren Kreisen. Das wusste schon Baby Schimmerlos in Kir Royal, des Münchners liebste Früher-war-alles-besser-Serie gleich nach Monaco Franze. Schimmerlos also fragt seine Kollegen in der ersten Folge "Wie macht's denn ihr des?", also, mit Miete, Essen gehen und überhaupt? Da hatte ihm seine Mona gerade aufgetragen, endlich die Spesen seiner Restaurantbesuche, all die Tantris- und Käfer-Abende in der Redaktion einzutreiben, samt Trinkgeld.

Baby lag da noch im Bett, frühstückend, mit Champagner, zu seinem Überdruss wischte die Putzfrau um ihn herum, "Sag a mal, kann die nicht am Nachmittag putzen, oder zuerst drunten?", während die Mona erbarmungslos die monatlichen Unkosten aufzählt, "Miete 2600 Nebenkosten mit Heizung 450 Putzfrau 450 ..."

2600 Mark Miete, das war damals kein Schnäppchen, aber der Herr Gesellschaftsreporter ließ es sich gern gut gehen. Die großzügige Wohnung aus der Serie befindet sich im sogenannten Wappenhaus an der Maillingerstraße. Wäre sie vermietet, sie würde ein Vielfaches der 2600 Mark kosten, das ist sie aber nicht, sie steht gerade zum Verkauf. 4 970 000 Euro darf es sein für die "Spektakuläre 9-Zimmer-Wohnung mit Dachterrasse, Panoramablick und Appartement", wie sie die Maklerfirma anpreist. Ja, ein kleines Appartement in der Wohnung ist ebenfalls mit dabei, für die Haushaltshilfe eventuell, so eine 342-Quadratmeter-Residenz putzt sich nicht von allein. Wer das nötige Kleingeld hat, der möge zuschlagen.

Der Durchschnittsmünchner kann von solchen Wohnungen nur träumen. Da müsste schon ein Klebstofffabrikant Haffenloher daherkommen, "ich scheiß dich so was von zu mit meinem Geld!". Der wiederum würde heute einfach eine Instagram-Agentur beauftragen. Und Schimmerlos zwei bis drei Zimmer - mit Glück, denn "in ist, wer drin ist" - innerhalb des Altstadtrings beziehen. Ohne Putzfrau.

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