Restaurant M. A. T.:Essen wie in Seoul

Sommer in der Stadt - Theresienwiese

Ein Stück Heimat holt das Restaurant M.A.T. mit seiner koreanischen Küche in den Eck-Altbau im Westend.

(Foto: Robert Haas)

Erst die Gunmandus, dann die gebratenen Reiskuchen: Das koreanische Restaurant M. A. T. auf der Schwanthalerhöhe besticht durch seine überwiegend authentische Küche.

Von Helene Töttchen

Es gibt sicher Lokale, die einen besseren Start haben als das von Kyung Min Hwang. Gerade einmal zehn Tage hatte sein koreanisches Restaurant geöffnet, nach Monaten der Renovierung, da kam im vergangenen März der erste Lockdown. Das war es dann wohl, dachten sich viele im Westend, auch, weil der Laden in dem Eck-Altbau als Schleudersitz bekannt war. Immer mal wieder hatte dort jemand mit orangefarbenen Aufklebern eine "Neueröffnung" im Schaufenster annonciert, mal wurden Brezen verkauft, mal Kebab, mal afghanische Küche. Nichts blieb. Und ganz ehrlich: Nichts schmeckte richtig gut.

Kyung Min Hwang blieb dran, schließlich war das M. A. T. sein großer Traum. Seit er fünf war, spielte er Klavier, seit 2007 studierte er das Instrument in München. Konzertpianist sollte die Karriere der Wahl sein, irgendwann gab er diesen Traum auf, zu nervenaufreibend, sich von Engagement zu Engagement zu hangeln. Warum nicht stattdessen ein Stück Heimat ins Westend holen und die Gerichte seiner Mutter feilbieten? Ob eine Karriere als Gastronom derzeit weniger nervenaufreibend ist, sei dahingestellt, aber Kyung Min Hwang machte etwas aus dem Ecklokal. Das Innendesign ist geschmackvoll: weiße Wände, Tische, Bänke und Regale geschreinert aus hellem Holz, dunkelgraue Kissen und Tischmatten, hellgraues Geschirr, symmetrische Designlampenhängung, wenig Deko. Ein angenehmer Ort.

Koreanische Küche gibt es inzwischen an so einigen Orten in München. Etwa den Klassiker Zum Koreaner in der Maxvorstadt, den hippen Imbiss Yuyumi am Gärtnerplatz, das handfestere Arisu im Lehel, das anspruchsvolle Mun in Haidhausen, das zudem japanische Küche serviert. Das M. A. T. ist irgendwo mittendrin anzusiedeln, mehr als ein Imbiss, aber auch nicht zwingend ein Ort, der von der Opulenz der Karte und der Atmosphäre so gestaltet ist, dass man sich dort Stunden aufhält.

Manche Gäste reisen an, andere kommen nach dem Shopping im Schwanthaler Forum gegenüber vorbei, viele holen Vorbestelltes ab. Gut gefüllt ist es immer, was bei vier Tischen im hinteren Raum und einer langen Bank im vorderen aber auch nicht ungewöhnlich ist. Draußen ist doppelt so viel Platz. Viele Gäste sind zwischen 25 und 40, telefonisch reserviert kaum einer, sagt die herzliche Frau im Service. Fast alle Gäste reservierten über Instagram. Aber das gute alte Telefon geht auch, keine Sorge.

Die Speisekarte bietet bis auf das Tik-Tok-Trenddessert Croffle (duftig frisch gebackener Mix aus Croissant und Waffel mit Eis, 6,50 Euro) die Klassiker der koreanischen Küche. Bulgogi, die in Sojasoße marinierten Rindfleischscheibchen mit gebratenem Gemüse (16), Dakgangjeong, die frittierten Hähnchennuggets in süßklebriger Chilisoße (22), Mandus, die mit Gemüse oder Fleisch gefüllten Maultaschen (fünf Stück/5). Zu allem Kimchi, fermentiertes Gemüse, hier vor allem Chinakohl mit scharfer Chilinote (Portion/5).

Wir wählen bei unseren zwei Besuchen praktisch alles auf der Karte, die mit insgesamt 16 Posten, von denen knapp die Hälfte Variationen eines Gerichts sind, überschaubar, aber ausreichend ist. Zwei von drei Speisenden sind erfahren in der koreanischen Küche, qua Verwandtschaft und Reisen. Pflicht ist natürlich Bibimbap (12,5o bis 14,50, je nach Zutaten) das traditionelle Reisgericht, bei dem verschiedene Gemüsesorten, Fleisch oder Tofu, ein Spiegelei und ebenjene rote Gewürzpaste Gochujang getrennt in einer Schüssel serviert werden. Durchmischen darf dann der Gast nach Gusto. Das vegane Tofu Bibimbap (12,50) hatte eine angenehme, leichte Schärfe, das Gemüse war knackig oder fein eingelegt, nur der Tofu ließ uns ratlos zurück. Er hatte eine feine Rauchnote, quietschte aber arg beim Draufbeißen. Er war arg trocken. Das Jeyuk Bibimbap überzeugte uns dafür, mit seiner deutlichen Schärfe und den marinierten Schweinebauchfetzen, die zart und saftig waren, deutlich mehr.

Wohl gemundet haben die Mandus, einmal mit Gemüse gefüllt, einmal mit Kimchi und Schweinefleisch. Die einen mögen die Maultaschen lieber gedämpft zubereitet, die anderen frittiert. Hier gab es sie als Gunmandus, also gebraten, mit schönem knusprigen Rand. Die gefielen zwei von dreien sehr (einer blieb Fan der gedämpften Version), das gesamte Trio konnte sich aber darauf einigen, dass Dakgangjeong, die süßgebratenen Hühnchen, köstlich waren, mit 22 Euro gehoben bepreist, aber dafür wurde ein kleiner Berg davon gereicht.

Dazu gab es das Streetfood Tteokbokki, gebratene Reiskuchen (sehen aus wie Schupfnudeln und kleben gut am Gaumen) mit Fish Cake (der eigentlich kein Kuchen ist, sondern geschredderter Fisch mit Gemüse und Gewürzen in kleiner Plattenform) in bekannter fermentierter cremiger Chilisoße (15). Im M. A. T. wurden sie kombiniert mit Instant-Mi-Nudeln, was wir noch nicht kannten, laut Service aber eine beliebte Abwandlung sei. Jedenfalls hatte das Gericht warmherzhafte Umami-Noten, die uns kurz dazu verleiteten, noch einen Teller zu bestellen. Wir taten es nicht, der Tisch war ohnehin schon gut gefüllt.

Beim Testen war das Wetter mild, der Sommer einmal frisch, einmal überreif, da wählten wir einen fruchtig mineralischen Heitlinger Rose aus dem Kraichgau in Baden, (0,2 l /6,40, Flasche/26). Ein guter Gebrauchswein wie die anderen Weine auf der Karte, die einen frischen Gegenpol zur Würze der Speisen bildeten, ansonsten gibt es Augustiner (3,80/0,5 l) und Franziskaner Weißbier (auch alkoholfrei; 4,20). Bier und asiatische Küche gehen ja eigentlich immer gut zusammen.

Die SZ-Kostprobe

Die Restaurant-Kritik "Kostprobe" der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch Online und mit einer Bewertungsskala. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderter Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts - von München, Wissen bis zur Politik - schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fastfood-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: Nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen - um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können. SZ

Ob er jemals wieder beruflich am Klavier sitzen wird? Kyung Min Hwang weiß es nicht, sagt er höflich, als er nach seiner Küchenschicht die Stühle zur Nacht zusammenstellt. Er hoffe, bald endlich seine Mutter wieder zu sehen, die in Seoul lebt. Die habe er sehr lange nicht mehr besuchen können. Aber einen Trost gibt es: Täglich kocht er für zufriedene Gäste nach ihren Rezepten.

Adresse: Schießstättstraße 25, 80339 München, Telefon: 089/92563772, Instagram: @mat.munich, Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 18 bis 22 Uhr, Dienstag bis Samstag 11.30 bis 14.30 Uhr, Sonntag 11 bis 20 Uhr

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