Prozess in München:Lange Haftstrafen für Fälscher von Impfnachweisen

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Prozess in München: Die angeklagte Apothekenmitarbeiterin (rechts) und ihr Anwalt Bernd Schaudinn warten auf den Prozessbeginn.

Die angeklagte Apothekenmitarbeiterin (rechts) und ihr Anwalt Bernd Schaudinn warten auf den Prozessbeginn.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Eine Apothekenmitarbeiterin und ihr Komplize sollen falsche Zertifikate im großen Stil im Darknet verkauft haben. Das Landgericht verurteilt sie zu mehreren Jahren Gefängnis. Warum ihre Beziehung für das Urteil eine Rolle spielt.

Wegen mehr als 1000 Fällen falscher Corona-Impfnachweise ist eine Mitarbeiterin einer Münchner Apotheke zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Für einen ebenfalls angeklagten Bekannten der Frau, der die Impfzertifikate verkauft haben soll, verhängte das Landgericht München I am Freitag eine Haftstrafe von vier Jahren unter anderem wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das Duo 2021 über mehrere Monate hinweg im großen Stil Impfzertifikate gefälscht hatte. Diese bot der 37-Jährige demnach im Darknet zum Verkauf an, insgesamt soll er so mehr als 130 000 Euro eingenommen haben. Die 53 Jahre alte Apothekenmitarbeiterin und der 37-Jährige hätten eine kurze Affäre im Jahr 2017 gehabt und danach eine toxische Beziehung geführt. Die Frau habe immer wieder versucht, sich die Zuneigung des Mannes durch finanzielle Gefallen zu sichern.

Dass die Apothekenmitarbeiterin eine niedrigere Haftstrafe bekam als ihr Komplize, lag nach Angaben des Gerichts auch an ihrem frühzeitigen Geständnis. "So gehört sich das", sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Der 37-Jährige sei dagegen mit höherer krimineller Energie vorgegangen und habe finanziell allein von den systematischen Fälschungen profitiert. Das Gericht verurteilte den Mann auch noch dazu, knapp 100 000 Euro von seinen Einnahmen zurückzuzahlen.

Die ersten gefälschten Impfnachweise soll die verheiratete 53-Jährige unentgeltlich für den Mann und dessen damalige Verlobte ausgestellt haben. Im Anschuss daran habe das Duo gemeinsam den Entschluss gefasst, die Impfzertifikate zu gewerblichen Zwecken zu fälschen. Dafür hätten die beiden einen Computer in der Apotheke genutzt, in der die Frau angestellt war. Während die Staatsanwaltschaft hervorhob, dass die Angeklagten zur Hochphase der Pandemie mit ihren Fälschungen die Gesundheit anderer gefährdet hätten, spielte die Verteidigerin des 37-Jährigen diese Gefahr herunter. Die Lockdowns seien unverhältnismäßig gewesen, der Schutz durch die Impfung fraglich, sagte die Rechtsanwältin in ihrem Plädoyer. Ebenso wie der Anwalt der 53-Jährigen hatte sie am Freitag eine Bewährungsstrafe für ihren Mandanten gefordert. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen auf vier Jahre und zehn Monate Haft für den 37-Jährigen sowie vier Jahre Haft für die Apothekerin plädiert.

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