Studenten-Wettbewerb:Schneller Bohrer

Studenten-Wettbewerb: An der Uni und doch auf der Baustelle: Kilian Schmid hat gemeinsam mit mehr als 60 Kommilitonen erfolgreich an einem Wettbewerb von Elon Musk teilgenommen.

An der Uni und doch auf der Baustelle: Kilian Schmid hat gemeinsam mit mehr als 60 Kommilitonen erfolgreich an einem Wettbewerb von Elon Musk teilgenommen.

(Foto: TU München)

Kilian Schmid und weitere Studierende der TU München haben für einen Wettbewerb eine Tunnelbohrmaschine entwickelt. Im Spätsommer reisen sie damit nach Kalifornien zu Elon Musk.

Von Sarah Jakob, München

Wenn Kilian Schmid, 22, im Spätsommer zu Elon Musk nach Kalifornien reisen wird, wird er kurz auch an seine Kindheit in Dachau denken. An die Zeit auf dem Biobauernhof seiner Eltern. An seine Überlegungen damals, wie "man Sachen effizient von A nach B transportieren kann". Das habe er sich auch auf dem Hof zunutze gemacht, er habe immer die kürzesten Fahrtwege ausfindig gemacht, erzählt der Mechatronik-Student. Heute profitiert er von diesen Erfahrungen.

Kilian Schmid sitzt im Forschungszentrum der Technischen Universität München in Garching auf einer unscheinbaren Bank mit Gittersitzfläche. Er muss schmunzeln: "Vor fast genau einem Jahr hat sich das TUM Boring Team hier zum ersten Mal getroffen." Das TUM Boring Team ist eine Gruppe engagierter Studenten, die gerade eine Tunnelbohrmaschine für einen internationalen Wettbewerb herstellen, "Not a Boring Competition", ausgerufen von Tesla-Gründer Elon Musk. "Die Aufgabe lautet, in der schnellstmöglichen Zeit so genau wie möglich einen 30 Meter langen Tunnel mit einem halben Meter Durchmesser zu graben, der auch befahrbar ist", erklärt Schmid.

Schon seit seiner Kindheit auf dem Bauernhof begeistert sich Schmid für Mobilität und Technik. Er tüftelte sogar bevor er von Musks Wettbewerb erfuhr an einem Modell einer Tunnelbohrmaschine. Und auch die Idee, den aktuell teuren und ineffizienten Tunnelbau weiterzuentwickeln, kam ihm ebenfalls schon vor seinem Studium: "Eine unterirdische Verkehrsführung hätte viele Vorteile", erklärt Schmid. Weniger Autos auf den Straßen, weniger Luftverschmutzung und Lärm in den Innenstädten. Dafür kämen die Menschen schneller ans Ziel, es könnten mehr Grünflächen geschaffen werden.

Schmid hat schon immer lieber praktisch gearbeitet, als am Schreibtisch für die Schule zu büffeln. Sein Vater habe zudem Physik studiert und ihm als "seltene, aber doch recht praktische Kombination aus Physikingenieur und Biobauer" als prägendes Vorbild gedient. Kilian Schmid selbst absolvierte nach dem Realschulabschluss erst eine Ausbildung zum Schreiner, die er aber verkürzte, als er merkte, dass er in diesem Beruf nicht alt werden würde. Zeitgleich besuchte er zunächst die Fachoberschule und ging schließlich nach dem nachgeholten Abitur an die Hochschule München.

Zu Schulzeiten war es eher schwierig für ihn, Gleichgesinnte zu finden: "Es gab keine Leute, die meine Interessen teilten", sagt er. Doch das änderte sich an der Universität schnell. Seit dem ersten Treffen im Park mit drei Freunden ist das Team von TUM Boring - Innovation in Tunneling auf mehr als 60 Mitglieder aus 16 Nationalitäten und verschiedenen Fachrichtungen wie Informatik, Mechatronik und Maschinenbau gewachsen. Nun kennt Schmid Menschen, die wie er eine Revolution des Straßenverkehrs herbeisehnen. Und er ist durch das Projekt bestens mit Partnerfirmen vernetzt, die unter anderem das Baumaterial zur Verfügung stellten.

Die Studenten planten und bauten die vielleicht effizienteste Tunnelbohrmaschine der Welt - und das in Zeiten einer weltweiten Pandemie, die den jungen Leuten Treffen mit mehreren Personen untersagte. Schmid ist sehr stolz auf die gesamte Initiative, die auch in schwierigen Zeiten zusammengehalten hat.

Jetzt stehen die Münchner Studenten mit elf anderen Teams im Finale um die schnellste Tunnelbohrmaschine und reisen dafür im Spätsommer in die USA. "Da haben wirklich die besten Studenten mitgewirkt", sagt Schmid. Auch wenn bis zum Finale in den USA noch viel Organisationstalent vom Team verlangt wird, freut er sich auf den Wettbewerb und die bevorstehende Zeit. Denn damit wird seinem größten Anliegen, das er mit so vielen Studierenden teilt, eine Plattform gegeben: Mobilität reformieren, bessere Lebensumstände für die Bevölkerung schaffen und den Straßenverkehr sicherer machen.

© SZ/mbr
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