Theater mit Flüchtlingen:Mit dem Gesicht Richtung Sonne

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Theater mit Flüchtlingen: Bei der Produktion "Sonnensamen" steht die Sonnenblume als Symbol für die Zugewandtheit zum Leben.

Bei der Produktion "Sonnensamen" steht die Sonnenblume als Symbol für die Zugewandtheit zum Leben.

(Foto: Sabine Schulte)

Das "Theater Grenzenlos" zeigt eine Geschichte zwischen Alteingesessenen und Neuankömmlingen in der Mohr-Villa.

Von Sofia Pavlu

Es ist eine Begegnung wie mit einem Kind, das einen neugierig und vorurteilsfrei anlächelt, die den Regisseur, Theaterpädagogen und Schauspieler Viktor Schenkel prägt: 2015 lernte er minderjährige Flüchtlinge in Freimann kennen und folgte sofort seinem Impuls, ihnen zu helfen. Als dreifacher Vater habe ihn der Gedanke an eines seiner eigenen Kinder, das allein und ohne Schutz das vertraute Heim verlassen müsse, nicht mehr losgelassen. Die Idee, mit den Jugendlichen Theater zu spielen, schien für Schenkel die richtige Antwort zu sein. Deshalb initiierte er kurz darauf das "Theater Grenzenlos".

Jedes Jahr bringt Schenkel nun in der Mohr-Villa in Freimann eine neue Produktion mit geflüchteten Jugendlichen heraus. Sein diesjähriges, von ihm verfasstes Stück heißt "Sonnensamen". Darin treffen zwei Gruppen aufeinander, neue und alteingesessene Familien, sprich nach Deutschland Geflohene und Einheimische. Die Jüngeren sind offen, begegnen sich neugierig. Die Älteren sind gehemmt, teils durch die tief verankerten Grundsätze der eigenen Kultur. Beide Gruppen tapsen und tänzeln über die Bühne, in Trance-artigen Choreografien, suchen eine sichere Zukunft, lassen sich ein auf das Unbekannte.

Um eine etwaige Sprachbarriere zu überwinden, arbeitet Schenkel wenig mit Worten. Die elf Darstellerinnen und Darsteller drücken sich gestisch und mimisch aus. Oder mit klassischen Stilmitteln wie Masken und Schattentheater. Beides lasse einen geschützten Raum entstehen, in dem sich die Geflüchteten wohl fühlen.

"Geflüchtete Jugendliche aus der Ukraine sind zu traumatisiert, um so früh schon aufzutreten", sagt Schenkel. Deshalb sind sie dieses Mal noch nicht dabei. Trotzdem hat "Sonnensamen" etwas mit ihnen zu tun. In einem Fernsehbericht erfuhr der Theaterleiter von "jungen Menschen aus Kiew, die nach dem Zusammenbruch der Ukraine ihr Land noch viel schöner wieder aufbauen wollen". Diese sofortige Wiederauferstehung nach der Zerstörung inspirierte ihn für sein Stück. Denn das soll auch die Botschaft von "Sonnensamen" sein: seine eigenen Grenzen zu überschreiten, Vorurteile zu überwinden und gemeinsam ein neues Leben aufzubauen. Symbol dafür stellt eine Sonnenblume dar, die auf dem Flyer des Stücks sanft die Haut einer Geflüchteten streichelt: "Mit den dem Leben zugewandten Sonnenblumen als Inbegriff für Wachstum, wird die Begegnung von Einheimischen und Neuankömmlingen erzählt."

Sonnensamen, Mohr-Villa Freimann e.V., Situlistr. 75, bis 28. August

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