Ranking:München bleibt Deutschlands Stauhauptstadt

Ranking: Vor allem auf dem Mittleren Ring drängen sich die Autos zu Stoßzeiten.

Vor allem auf dem Mittleren Ring drängen sich die Autos zu Stoßzeiten.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

74 Stunden pro Jahr verbringen dort Autofahrer auf verstopften Straßen - der deutsche Durchschnitt liegt deutlich darunter. Doch es gibt auch eine gute Nachricht.

Von Andreas Schubert

München hat es wieder geschafft: Die Landeshauptstadt ist nach den neuesten Erhebungen des Verkehrsdatenanbieters Inrix erneut auf dem ersten Platz der staureichsten Städte Deutschlands gelandet und darf sich folglich wieder "Stauhauptstadt" nennen.

Inrix hat für seine Statistiken anonymisierte Daten aus verschiedenen Quellen wie zum Beispiel Datensätze aus Telefonen, Fahrzeugen und Städten analysiert. Die Daten zeigen nach Angaben des Unternehmens das Verkehrsaufkommen der untersuchten Straßenabschnitte über den gesamten Tagesverlauf hinweg.

Auch wenn das Mobilitätsreferat nicht viel von solchen Rankings hält, weil die verkehrsarmen Nachtzeiten nicht als Maßstab für die Messung des Staulevels taugten, sind die Erhebungen alle Jahre wieder ein Anzeichen dafür, dass Fahrzeuge zu bestimmten Zeiten besser als Stehzeuge bezeichnet werden dürfen.

München rankt 2022 mit 74 Staustunden pro Jahr (79 im Vorjahr) also wieder ganz vorne, gefolgt von Berlin mit 71 Staustunden (65), Hamburg mit 56 Stunden (47). Potsdam kommt mit 55 Stunden (46) wieder auf Platz vier, es folgen Darmstadt mit 47 (37) und Leipzig mit 46 Stunden (40) Stauzeit. Der deutsche Durchschnitt liegt bei 40 Stunden, vor Corona waren es 46.

Zum Vergleich: In den USA verloren die Autofahrer durchschnittlich 51 Stunden im Stau, das entspricht einem Plus von 15 Stunden im Vergleich zu 2021. Im Vereinigten Königreich stieg der Zeitverlust durch verstopfte Straßen um sieben Stunden auf 80.

Die gute Nachricht für Münchner Autofahrerinnen und Autofahrer: Immerhin sank die durchschnittliche Stauzeit um fünf Stunden. Neben Nürnberg ist die neue und alte Stauhauptstadt die einzige Stadt im Top-10-Ranking, die einen Rückgang des Verkehrs gegenüber der Zeit vor der Corona-Pandemie vorweisen kann. In allen anderen Städten unter den ersten Zehn stieg der Zeitverlust für Pendler durch Stau und stockenden Verkehr an.

Der Mittlere Ring in München liegt bei den staureichsten Routen im Land ebenfalls wieder vorn, diesmal mit dem Abschnitt zwischen Stettnerstraße und Plinganserstraße. Wer diese 4,6 Kilometer lange Strecke im Jahr 2022 regelmäßig zu Stoßzeiten fuhr, für den summierten sich die täglichen 13 Minuten Zeitverlust auf 51 Stunden im Jahr. Schaut man sich die errechnete Durchschnittsgeschwindigkeit an, so sind die Münchner zu Stoßzeiten mit 18 Kilometer pro Stunde nur im Schneckentempo unterwegs. Berlin kommt auf Tempo 23, Hamburg auf 24.

Europaweit liegt München auf Rang 21

Im europaweiten Vergleich landet München nur auf Platz 21. Unangefochtener Spitzenreiter, sogar weltweit, ist London mit 156 Staustunden, Paris kommt mit 138 Stunden im europäischen Ranking auf Platz zwei. Es folgen Palermo (121 Stunden), Dublin (114) und Rom (107).

Im weltweiten Vergleich kommt nach London die US-Metropole Chicago mit 155 Staustunden (104) auf Platz zwei. Mit Boston, das Platz vier mit 134 Stunden erreicht und New York, das mit 117 Stunden auf Platz acht kommt, haben es noch zwei weitere US-Städte in die Top 10 geschafft.

Der traditionelle Pendlerverkehr am Morgen und am späten Nachmittag sei zurückgekehrt, sagt Inrix-Verkehrsexperte Bob Pishue. "Langfristig wird das Verkehrsaufkommen weiter steigen", schätzt er.

Die Kosten pro Autofahrer, die der Zeitverlust im Stau verursacht, lagen laut Inrix-Berechnungen in München bei 746 Euro, auf die ganze Stadt hochgerechnet kommen die Statistiker auf 390 Millionen Euro. Berlin liegt bei Kosten von 714 Euro pro Fahrer, das macht stadtweit 963 Millionen. Der deutschlandweite Durchschnitt lag bei 399 Euro pro Kopf und Jahr, das sind 28 Euro mehr als 2021.

Dies hält aber anscheinend nur wenige Menschen vom Autofahren ab: Das Verkehrsaufkommen, gemessen in Fahrzeugkilometern an Wochentagen, stieg um 21 Prozent im Vergleich zu 2021. Es liegt damit sogar um acht Prozent über dem Niveau von 2019, dem Jahr vor der Corona-Pandemie. Zu den Kosten merkt Inrix an, dass sie deutlich höher ausgefallen wären, wenn die Bundesregierung im Frühjahr nicht die Spritpreisbremse eingeführt hätte.

Die Nutzung von Bussen und Bahnen habe dagegen immer noch nicht das frühere Niveau erreicht, heißt es in der Inrix-Studie. Das Fahrgastaufkommen lag im ersten Halbjahr 2022 immer noch gut ein Fünftel unter dem vom ersten Halbjahr 2019. Das deckt sich auch mit den Angaben der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Doch langsam wird es wieder besser: Inzwischen spricht die MVG von einer Auslastung von 80 bis 90 Prozent je nach Linie und Tageszeit im Vergleich zur Zeit vor Corona.

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