Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt Blick zum Himmel, Platz am Boden

Bislang gibt es nur eine Visualisierung des Kunstwerks: Die Künstlerin Flaka Haliti plant, ihre Skulptur im Herbst aufzustellen. Visualisierung: Flaka Haliti/Baureferat

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Stadtteilpolitiker wollen nicht, dass die Skulptur vor dem Kulturzentrum an der Ruppertstraße Freiflächen blockiert

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Die 15 Meter hohe Skulptur, die auf dem Vorplatz des künftigen Kulturzentrums an der Ruppertstraße aufgestellt werden soll, wird zwar im Viertel mit großer Neugierde erwartet. Doch der vom Kulturreferat in Betracht gezogene Standplatz für das Kunstwerk stößt sowohl in Sendling als auch in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, also den beiden Stadtteilen, deren Bürger das Kulturzentrum bespielen sollen, auf große Bedenken. Vor einem Jahr bereits hatte Markus Lutz (SPD), Vorsitzender des Bezirksausschusses Sendling, im Baureferat darauf hingewiesen, dass die Skulptur den Vorplatz des Kulturzentrums, der für Veranstaltungen genutzt werden soll, keinesfalls einschränken dürfe. Das Kulturreferat antwortete, man habe bei der Platzgestaltung darauf geachtet, dass auf der freien Fläche Veranstaltungen stattfinden können. Diese Fläche sei in einem zweiten Planungsschritt sogar noch größer geworden.

Jetzt, nachdem die Kulturverantwortlichen in den Vierteln Einblick in das Raumkonzept bekommen haben, äußert auch die Vorsitzende des Kulturausschusses im BA Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt Bedenken. "Ich habe die Befürchtung, dass wir uns ein Ei legen, so schön das Kunstwerk auch sein mag", sagte Beate Bidjanbeg (SPD). Sie forderte den Bezirksausschuss zu einer Stellungnahme auf, aus der klar hervorgeht, dass der gesamte Platz nutzbar sein müsse: "Wir brauchen Flächen zur Verfügung!" Florian Florack, Fraktionssprecher der CSU, wollte dem Referat vorschlagen, die Skulptur möglichst nahe an das Gebäude zu stellen. Die Plastik dürfe jedenfalls nicht bei Veranstaltungen im Weg stehen. Benoît Blaser, Fraktionssprecher der Grünen/Rosa Liste, merkte dazu an, die Intention der Plastik sei, dass man durch sie hindurch den Himmel und die Wolken sehe. Die Skulptur als Fassadenkunst zu deklarieren, sei schon deshalb wohl nicht möglich.

Den Sendlingern und Isarvorstädtern wurde eine 15 Meter hohe Metallkonstruktion aus schwarz lackiertem Stahlrohr angekündigt, ein Werk, das über das städtische Kunst-am-Bau-Programm ausgewählt und finanziert wird. Die Konstruktion gleiche einer "Linie im Raum" und zeige das "hingekritzelte Porträt" einer Figur. Ihr Oberkörper rage gerade aus dem Boden, sei aber oben nach vorne gebogen, sodass man durch das Gesicht den "Himmel als Hintergrund" sehen kann. "Das Gesicht der Skulptur wartet auf die Wolke, die am Himmel vorbeiziehen wird, um einen Moment der Zeitlichkeit innerhalb der unendlichen Ausdehnung von Raum und Zeit zu kreieren", heißt es in der Kurzbeschreibung. Die Idee: "Eine Cumuluswolke, die dem Auge des Betrachters unendliche Möglichkeiten bietet, Formen wiederzuerkennen" - nichts für die Fassade also.

Der Name des Künstlers oder der Künstlerin wurde noch nicht bekanntgegeben. Der Entwurf geht aber wohl auf Flaka Haliti zurück, die 1982 in Pristina geboren wurde und seit 2013 in München lebt. Die Kosovarin wurde kürzlich für den Preis der Nationalgalerie in Berlin nominiert, der im Herbst zum zehnten Mal verliehen wird. Von August 2019 bis Februar 2020 werden Werke von Flaka Haliti im Berliner Hamburger Bahnhof, dem Museum für Gegenwart, zu sehen sein. Haliti hat im vergangenen Jahr zur Public Art Munich (PAM) mit Markus Miessen den PAM Pavillion entworfen. Der Pavillion war als "Stand" auf dem Viktualienmarkt und bildete die einzige permanente Struktur während der PAM - als zentrale Anlaufstelle.