Sendling:Lastwagen auf Kopfsteinpflaster

Lesezeit: 2 min

Packstation Isarland Ökokiste, Taufkirchen. Corona-Umsatzrekord beim Geschäftsmodell Bio-Kiste

Damit Gemüse beim Endverbraucher ankommt, muss der Großhandel funktionieren.

(Foto: Florian Peljak)

Die Belieferung eines Obst- und Gemüsegroßhändlers gestaltet sich als nervtötend für die Nachbarn. Baustellen verhindern eine andere Route - und die Markthallen verlangen für die Querung ihres Geländes eine Maut.

Von Julian Raff

Als Zufahrten für einen Großbetrieb mit Belieferung rund um die Uhr eignen sich Valley- und Oberländerstraße in Sendling wenig. Dennoch müssen die Anwohner bis auf Weiteres auch tief in der Nacht und am Wochenende mit Lkw-Verkehr rechnen. Ziel der Lastwagen ist nicht das Großmarktgelände, dessen Zufahrt weiter östlich an der Schäftlarnstraße liegt, sondern eine Niederlassung des international tätigen belgischen Obst- und Gemüsegroßhändlers Greenyard an der Thalkirchner Straße, zwischen dem Straßendreieck der früheren Sortieranlage und der Bahnunterführung.

Bei allem Verständnis für frühe Liefertermine grenze die Lärmbelastung an Körperverletzung, berichtet Anwohner Hilmar Kinnert und spricht damit für viele seiner Nachbarn. Der Lkw-Verkehr habe seit gut drei Jahren zugenommen, vor allem aber in den vergangenen Monaten. Seit die Hauptroute via Oberländerstraße durch zwei Baustellen verstopft wird, nehmen fast alle Lastwagen den Weg über die Valleystraße und den Gotzinger Platz, vorbei an den dortigen Schulen und zudem über laut dröhnendes Kopfsteinpflaster, dessen neue, fahrradfreundliche Verfugung durch die Laster ruiniert wird.

Nördlich, über die Lagerhausstraße, kann das Greenyard-Gelände wegen der niedrigen Bahnunterführung ebenfalls nicht angefahren werden. Auf den ersten Blick lässt sich das Problem einfach lösen, indem die alte Westeinfahrt zum Großmarktgelände bei der Sortieranlage wieder geöffnet wird und die Laster in direkter Linie über die Schäftlarnstraße anfahren. Der kommunale Großmarktbetreiber Markthallen München bietet diese Alternative seit gut einem Jahr an, allerdings nur im Einbahnverkehr nach Westen, da die Statik der großen, in die Jahre gekommenen Lagerkeller unter den Markthallen damit bereits an ihre Grenzen stößt.

Anwohner haben Lastwagenfahrten auch schon Sonntagnacht protokolliert

Selbst die Kompromiss-Variante mit Zufahrt übers Marktgelände und Abfahrt über die Oberländer- oder eben Valleystraße funktioniert praktisch nicht, da die Markthallen fürs Durchqueren ihres Geländes eine Maut verlangen und dies laut Gebührensatzung auch müssen. So erklärt es zumindest das Kommunalreferat. Möglicherweise läuft die Alternative nicht nur aus Kostengründen ins Leere: Laut Behörde ist das Tor montags bis freitags von 6 bis 12 Uhr durch einen Pförtner besetzt - Anwohner Kinnert hat allerdings auch schon Lkw-Fahrten am Sonntag um ein oder zwei Uhr nachts protokolliert.

Im Sendlinger Bezirksausschuss hatte man zwischenzeitlich gehofft, das Problem werde sich bis Mitte des Jahrzehnts erledigen. Der Greenyard-Konzern habe signalisiert, seinen Sendlinger Standort aufgeben zu wollen, was durch eine neue Lieferkooperation mit Rewe aber schon wieder Makulatur sei, hieß es. Politisch ist erst einmal keine Lösung in Sicht: Das Mobilitätsreferat kommt der Forderung der Stadtteilvertreter, die Oberländer-, Valley-, Kyrein- und Wackersberger Straße von der Implerstraße aus für Lastwagen zu sperren, nicht nach, da von den "täglich in der Summe nur wenigen Lkw" keine Gefahr ausgehe. Zudem müsse das Greenyard-Gelände aus rechtlichen Gründen über öffentliche Straßen anfahrbar bleiben.

Letztlich würde die Lkw-Sperre auch den sonstigen Lieferverkehr kappen, etwa zu den zahlreichen Lokalen. Aus ähnlichen Gründen, und um nach dem Ende der Baustellen die direkte Verbindung offen zu halten, lehnt das Referat auch die vom Bezirksausschuss beantragte Ost-West-Einbahnregelung für die Oberländer Straße ab. Dort könnten bestenfalls Parkplätze wegfallen, um mehr Platz für den Begegnungsverkehr zu schaffen.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusWohnen in München
:"Wir würden gern weiter bleiben"

Eigentlich wollte der Münchner Stadtrat bei fünf Häusern das Vorkaufsrecht geltend machen. Das scheitert am Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Müssen die Mieter dort fürchten, verdrängt zu werden?

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB