"Und jetzt: Arschbombe!", ruft eine Dame ihrem Enkel zu, und der lässt sich nicht lange bitten. Er juchzt, es platscht, das Wasser spritzt. Auf der Wiese nebenan liegt ein Herr und blättert in einer Boulevardzeitung. "Mama, hol den Papa rein", ruft ein Mädchen aus dem Becken, aber dem ist es offenbar zu kühl, er sitzt noch komplett angezogen auf einer Bank am Beckenrand. Es ist ein Montagvormittag im Schyrenbad in Untergiesing, und es ist wenig los, der Himmel ist bewölkt, Regen vorhergesagt. Im Wasser kraulen acht Schwimmer, und im Planschbecken krabbelt gerade der kleine Louis mit seinem Bruder auf eine Rutsche, die aussieht wie ein Leuchtturm. Kaum sind sie oben, geht es hinunter, kopfüber.
SZ-Serie: Wie das Wasser die Stadt prägt"Nach Beendigung des Bades ist die Anstalt sofort zu verlassen"
Lesezeit: 7 Min.

Im 1847 eröffneten Schyrenbad herrschten einst Zucht und Ordnung: Nur Knaben und Männer durften dort ins Wasser - einen faulen Tag im Freibad sollten auch sie sich nicht machen.
Von Jakob Wetzel
