Virtuelles Theater:Per Tablet ins Theater

Lesezeit: 2 min

Die Münchner Schauburg baut ihr Digitalangebot aus und bringt zwei unterschiedliche Spiele zur Bühne heraus.

Von Yvonne Poppek, München

Tatort Schauburg

Mit Klick auf die Bühne: Die Schauburg hat den Online-Krimi "Tatort Schauburg" entwickelt.

(Foto: Fabian Frinzel)

Bis vor Kurzem steckten die Digitalprogramme der Theater noch in den Kinderschuhen. Oder vielleicht auch eher in Babysocken. Das ist kein Wunder bei einem Medium, das live funktioniert. Anfang 2020 war das allerdings ein Dilemma, als die Bühnen alle geschlossen waren und viele Häuser kurzerhand frontal abgefilmte Inszenierungen ins Netz stellten. Mittlerweile hat sich einiges getan, Theater schließen sich zu Digitaloffensiven zusammen, der Bund fördert einzelne Projekte. Die Angebote haben sich weiterentwickelt und verändert.

Das ist auch bei der Münchner Schauburg der Fall, dem Theater für junges Publikum. Auch dort setzte man sich intensiver mit den digitalen Möglichkeiten auseinander. "Die Pandemie war ein Booster", sagte Intendantin Andrea Gronemeyer bei der Vorstellung des Projekts "digital [v]ermitteln". Ein Jahr lang hat die Schauburg daran gearbeitet, die Kulturstiftung des Bundes förderte es im Rahmen ihres Programms "dive in". Entwickelt wurden nun der Online-Krimi "Tatort Schauburg" sowie das Adventure Game "Excaliburg". Zwei komplett unterschiedliche Formate, die aber beide auf Interaktivität setzen und darauf, Kinder und Jugendliche über den digitalen Weg mit dem Theater vertraut zu machen.

Tatort Schauburg

Wohin geht's? Die Online-Spieler lotsen einen Schauspieler durch das Theater und ermitteln dabei, warum seltsame Dinge in der Schauburg passieren.

(Foto: Fabian Frinzel)

Der "Tatort Schauburg" von Regisseurin Katharina Mayrhofer wird empfohlen für Viert- bis Siebtklässler. Der Online-Krimi verknüpft Live-Erlebnis und Online-Spiel. Das heißt, es gibt bestimmte Termine, für die sich Interessierte wie für einen Theaterbesuch ein Ticket kaufen können (nächste Vorstellung: 3. Dezember, 17 Uhr). Gespielt wird dann daheim am Tablet oder PC. Der Plot ist simpel: An der Schauburg passieren seltsame Dinge, deren Ursache aufgeklärt werden soll. Die Kinder und Jugendlichen am Bildschirm kommunizieren über verschiedene Tools mit einem Schauspieler, der - mit Kamera ausgestattet - von ihnen durchs Haus gelotst wird. Einerseits ermitteln die Spieler detektivisch, befragen Mitarbeiter, sammeln Indizien, andererseits lernen sie so Abteilungen und Orte im Theater kennen, die bei einem realen Besuch verborgen bleiben.

Die zweite Entwicklung, das Adventure Game "Excaliburg" von Bruno Franceschini, richtet sich an Kinder von neun Jahren an. Gespielt wird mit einer App, die vom 20. Dezember an heruntergeladen werden kann. Hier haben die Spieler ein portables Gerät, mit dem sie sich aufmachen müssen zu einer Schnitzeljagd in der Borstei, denn dort muss "Excaliburg" gespielt werden. Franceschini arbeitet mit der Technologie der Augmented Reality (AR). Vermittelt über das Display tauchen animierte Figuren oder Gegenstände aus Schauburg-Insznenierungen in der Borstei auf, mit denen die Kinder interagieren und so Rätsel für Rätsel lösen. Fortsetzungen in anderen Stadtteilen sollen bald folgen. Streaming, so viel ist klar, das war gestern.

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