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Riem:Unerfreulicher Brief

Beschwerlich: Wer nicht gut zu Fuß ist, hat am S-Bahnhof Riem ein Problem, zu den Gleisen zu gelangen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Politiker sind empört, dass die Bahn nicht über die stockende Realisierung des barrierefreien Bahnhofs informiert

Von Ilona Gerdom, Riem

Wer gut zu Fuß und nicht auf eine Gehhilfe oder gar einen Rollstuhl angewiesen ist, hat am S-Bahnhof Riem keine Schwierigkeiten. Für alle anderen ist es ein Problem, dass die Haltestelle nicht barrierefrei ist. Mittlerweile ist klar, dass die Station frühestens 2024 behindertengerecht sein wird. Nun weigert sich die Deutsche Bahn AG offenbar, vor Ort über den aktuellen Stand zu informieren.

Das Antwortschreiben des Referats für Arbeit und Wirtschaft zum aktuellen Stand der Baumaßnahmen löste im Bezirksausschuss (BA) Trudering-Riem Empörung aus. Das Gremium hatte ein Hinweisschild zum derzeitigen Status gefordert. Dafür ist laut Stadtverwaltung die DB Station und Service AG zuständig. Die jedoch teilte mit, dass "eine Installation einer Tafel nur bei Wiederaufnahme der Bauarbeiten Sinn macht". Im BA ist man sich einig, dass es für die Anwohner schon jetzt wichtig wäre, zu wissen, was geschieht. Christoph Heidenhain (Grüne) stellte fest: "Da muss halt die Bahn kommunizieren, und das mag sie nicht."

Daneben hatte man gefordert, dass der Bauprozess beschleunigt werden solle. Dem kann die Deutsche Bahn wohl nicht entsprechen. Maßnahmen am Mittelbahnsteig bis zum bestehenden Treppenaufgang sind zwar bereits umgesetzt, aber der Unterführungsbau mit Rampe auf der Nordseite sowie ein Treppenzugang und ein Aufzug auf der Südseite stehen aus. Daneben müssen der Mittelbahnsteig nach Osten als zukünftiger Zugang zum Aufzug verlängert und der Hausbahnsteig neu gebaut werden. Diese Arbeiten sollen nach wie vor erst 2023 realisiert werden.

Schon im Mai hatte der SPD-Landtagsabgeordnete Markus Rinderspacher den Vorgang als "ungeheuerliches Planungsversagen" kritisiert. Auch aus dem bayerischen Bauministerium heißt es, dass Fehler in der Planung der Grund für die Verzögerung seien. Im Juni schaltete Rinderspacher den Bayerischen Obersten Rechnungshof ein. Die Behörde kündigte bereits eine Untersuchung an. Den BA-Mitgliedern blieb indes nichts anderes übrig, als zu akzeptieren, dass vor 2023 weder mit einer Wiederaufnahme noch mit einer Info-Tafel zu rechnen ist. Man nehme das Ganze zur Kenntnis, so Christoph Heidenhain. Allerdings, wie er betonte, "äußerst missbilligend".

© SZ vom 19.10.2020

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