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Öffentlicher Nahverkehr:Wie die Zukunft der Münchner S-Bahn aussehen soll

Digitale Videotechnik soll, wie hier an der Donnersbergerbrücke, die Abfertigung der Züge beschleunigen.

(Foto: Deutsche Bahn)

Mit Monitor, mehr Licht und Barrierefreiheit: 2018 hat die Bahn ein Modernisierungsprogramm gestartet - eine Zwischenbilanz.

Von Andreas Schubert

Darauf warten Menschen mit Behinderungen schon sehr lange: Im Frühjahr 2022, zum 50. Geburtstag der Münchner S-Bahn, soll die Station Isartor nach dem Einbau eines Aufzugs endlich barrierefrei zugänglich sein. Das versprach die Bahnhofschefin Mareike Schoppe bei einer Presserunde am Dienstag. Nicht zuletzt wegen des Brandschutzes hat sich der Einbau des lange geforderten Lifts verzögert, da mehrmals umgeplant werden musste.

Die Bahnhöfe der S-Bahn werden sukzessive modernisiert und barrierefrei umgebaut. Von den 150 Stationen sind laut Schoppe inzwischen 121 vollständig oder weitgehend barrierefrei, der Umbau von 18 weiteren ist in Planung oder Umsetzung. So sollen noch dieses Jahr die Bahnhöfe Poing und Heimstetten barrierefrei zugänglich sein, an der St.-Martin-Straße geht der Umbau weiter und in Grafing geht ein neuer Aufzug in Betrieb. Für die restlichen elf Stationen gibt es noch keine Pläne für mehr Barrierefreiheit.

Immerhin will die Bahn die Modernisierung der Tunnelstationen der Stammstrecke auf der Bahnsteigebene heuer weitgehend abschließen. Und an mehreren Bahnhöfen, auch in München, stellt die Bahn Flächen für Fahrradabstellanlagen zur Verfügung, die die Kommunen dann mit Fördergeld von Bund und Freistaat errichten. Mit mehreren Gemeinden laufen aktuell Gespräche. Am Münchner Hauptbahnhof, wo der Wunsch nach mehr Radlparkplätzen besonders groß ist, ist der Platz allerdings rar, wie Schoppe sagt: "Wenn wir keine Flächen haben, können wir sie auch nicht zur Verfügung stellen."

2018 hat die Bahn ihr Programm "Zukunft S-Bahn München" gestartet, unterstützt von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Seither ist einiges passiert - die 238 Züge der Baureihe ET 423 werden bis zum Herbst dieses Jahres nach und nach umgebaut, unter anderem mit neuem Raumkonzept, hellerer Beleuchtung und neuen Monitoren, auf denen die Fahrgäste dann in Echtzeit über Störungen und alternative Möglichkeiten zur Weiterreise informiert werden. 300 Millionen Euro kostet diese Umrüstung.

Am Ostbahnhof hat die Bahn ein "Fahrgastlabor" eingerichtet

An den Stationen werden auch neue und besser lesbare Monitore installiert, auf denen mehr Informationen vermittelt werden können. Auch personell verstärkt die S-Bahn die Fahrgastinformation. Vom zweiten Quartal dieses Jahres an kümmern sich sogenannte Kundeninformationsmanager rund um die Uhr um aktuelle Informationen der Fahrgäste. Um die Infosysteme zu testen und weiterzuentwickeln, hat die Bahn am Ostbahnhof ein deutschlandweit einzigartiges "Fahrgastlabor" eingerichtet. Auch an den Strecken soll die Technik weniger störanfällig werden. Etwa an der S 7 Ost, wo Blitzeinschläge die Technik am Gleis immer wieder lahmlegen, wurden bereits Achszähler installiert, was zu einem Rückgang der Ausfälle führte, weitere sollen folgen.

Vergangenes Jahr ist die Pünktlichkeit der S-Bahn von 93,4 auf 95 Prozent gestiegen. Um sie weiter zu verbessern, sollen digitale Anzeigen den Lokführern die Übersicht an den Bahnsteigen und so die Abfertigung der Züge erleichtern. Die Kunden seien zufriedener, sagt S-Bahnchef Heiko Büttner, aber: "Wir sind noch längst nicht am Ziel und wissen, dass es noch viel zu tun gibt."

© SZ vom 03.03.2021/infu
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