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Restaurant Hyderabad:Durch die Töpfe Indiens probiert

Das Hyderabad wird vermutlich keinen Designpreis gewinnen, es punktet vor allem mit seiner authentischen Küche.

(Foto: Stephan Rumpf)

Im Hyderabad empfiehlt es sich, auf Tipps des Personals zu hören - insbesondere, wenn es um die Schärfe der Gerichte geht. Wer das tut, wird sicher belohnt.

München hat ein "Little Istanbul", die Gegend um die Goethestraße. Ein "Little India"? Schwierig zu lokalisieren. Jetzt aber gibt es das Restaurant Hyderabad zwischen dem Hat Bazar und dem Kohinoor, zwischen zwei Geschäften also, die Gewürzmischungen, Süßigkeiten, Brote und Armreifen aus der Region um Indien, Pakistan und Bangladesch verkaufen. Somit ist ein winziges Bermudadreieck entstanden, durch das der Duft von Räucherstäbchen und Curry zieht und ein Stimmengewirr unterschiedlichster Sprachen ans Ohr dringt. Es würde nicht verwundern, zöge hier eine Herde brauner Kühe vorbei.

Das Hyderabad ist nun der Ort, in dem für Gäste gekocht wird, was die Kunden des Hat Bazar und Kohinoor mit ihren Einkäufen daheim zubereiten. Die indische Küche ist vielfältig, natürlich, in diesem riesigen Land, in dem verschiedenste Ethnien, Religionen, Kulturen miteinander leben, in dem verschiedenste Gewürze und Gemüsesorten wachsen. Trotzdem ähneln sich viele Speisekarten der Münchner Inder, nordindisch und voneinander inspiriert sind sie meist, Palak Paneer und Chicken Tandoori, oder doch vielleicht das Thali, zur Rechnung einen Mangoschnaps, lecker war's.

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Das Hyderabad hingegen serviert, wie der Name vermuten lässt, Gerichte, wie man sie auch in der gleichnamigen Stadt findet, mit sieben Millionen Einwohnern die viertgrößte des Landes. Hier mischt sich die südindisch-vegetarische Küche mit den scharf mit Chili und Tamarinde gewürzten Andhra-Speisen und den nordindischen Fleischgerichten; Spezialität ist das Reisgericht Biryani. Das Hyderabad, so erzählt man es sich seit seiner Eröffnung, hat Münchens bestes Biryani. Und auch wenn es eine Unart ist, vom "besten der Stadt" zu sprechen, bevor nicht alle Biryanis der Stadt verkostet sind, lässt sich doch festhalten, dass das Biryani hier so schmeckt, wie es die Autorin aus Südindien erinnert. Authentisch ist ein strapaziertes Wort, aber ein Blick durch das Lokal lässt den Schluss zu, dass hier viele Menschen die Küche ihrer Heimat genießen.

"Hauptsache, das Essen schmeckt", sagt der Patron tröstend, nachdem die Begleitung versehentlich ein Getränk umgeworfen hat. Das könnte hier Motto sein. Ins Hyderabad geht niemand wegen des Ambientes, welches von sympathisch wahllos verteilten indischen Stoffen bestimmt wird, erst recht nicht wegen der schönen Terrasse, die gibt es nicht, gelüftet wird durch die Tür zum Parkhaus.

Die Essensbestellung ist nicht immer leicht und bedarf manchmal kleiner Verhandlungen. Nicht leicht, weil oft die Vorspeisen und Streetfoodgerichte heute nicht da sind, die probiert werden wollten. Die Spezialität des Hauses ist bei den Vorspeisen der panierte Babymais, gebraten nach würziger, indochinesischer Art (5,50 Euro); winzige Kolben, weich gegart, mit einer Tomatenpaste umhüllt. Etwas trocken sind die frittierten Fladen aus gemahlenen Linsen, "Masala Vada", mit grünen Chilis und Curryblättern, wie man sie in Südindien an der Straße kaufen kann, aber eine schöne Gelegenheit, die Vorspeisensoßen zu testen. Die dunkle Tamarindensoße etwa erinnert fast an Beerenmarmelade.

Die Verhandlung bei der Bestellung beginnt oft mit einem Stirnrunzeln des Services, begleitet von "Hmm, das ist sehr scharf", "Das und das ist besser", "Bestellt lieber mit Chicken!" Inwieweit man auf den gut gemeinten Rat hören möchte, ist natürlich jedem selbst überlassen. Es sollen aber empfindliche Gaumen schon weinend im Lokal gesessen und stumm die Packung Taschentücher durchgereicht haben, denn: scharf heißt scharf.

Der Kapitalfehler, auch dieser soll schon begangen worden sein, selbst von Gästen, die es besser wissen müssten, ist das Nachbestellen eines Lassis oder der feinen Badam-Milk, hausgemachter Mandelmilch mit Kardamom. Sie lindern zwar, aber sättigen sehr. Das Hyderabad macht es einem schwer, auf das natürliche Völlegefühl zu hören, und so zieht der nicht so smarte Besteller oft leise stöhnend mit Wackerstein im Magen von dannen.

Fein ist das Lamm Hyderabad (14,90), erdnussig das sämige Curry, zart das Fleisch, aber auch scharf. Wer seinem europäischen Gaumen das mit drei Chilis gezeichnete Lamm Vindaloo zumutet, möge gern einen Erfahrungsbericht schicken. Wir brauchten die Geschmacksnerven noch. Das Biryani (etwa mit Hähnchenkeule 12,90) war bei jedem Besuch ausgezeichnet. Der Reis wird mit Ghee angebraten und mit einer Fülle an Gewürzen von Kardamom bis Nelke gekocht. Es finden sich mal mehr, mal weniger Kokosraspeln, Cashewnüsse, Rosinen, Mandeln oder Zwiebeln darin, serviert wird es mit Raita, dem Joghurtdip. Scharf wird es mit dem gesondert dazu bestellbaren südindischen "Mirchi Ka Salan"-Curry mit Tamarinde, Datteln, Nüssen und grünen Chilis (4,90).

Der Service hatte zweifelnd geschaut. Wir waren unbeirrbar. Die Taschentücher sind alle, aber wir kommen wieder. Dann werden wir auf Vorspeisen verzichten oder ein Hauptgericht teilen, und es wird nur ein scharfes dabei sein. Ganz sicher.