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Tierschutz:100 Schildkröten auf einmal

Bis drei zählen, das ginge ja noch: Archivbild von Schildkröten beim Baden in der Auffangstation.

(Foto: Robert Haas)

Die Reptilienauffangstation stößt durch eine ungewöhnlich hohe Zahl beschlagnahmter Tiere an ihre Grenzen

Es müsse schon viel passiert sein, ehe eine Behörde eingreife und ein Tier beschlagnahme. Die Tiere müssen viel erlitten haben, sagt Sandra Giltner. Die Tierärztin und Sprecherin der Reptilienauffangstation berichtet, mit welcher Herausforderung der Verein gerade zu kämpfen habe: Innerhalb von nur drei Tagen seien knapp 200 Tiere abgegeben worden. Die meisten, mehr als Hundert, auf einmal: Eine Behörde habe gut 100 Schildkröten gebracht, aus einer Beschlagnahme. Details dürfe sie nicht nennen, weil ein Verfahren laufe, der Besitzer wehre sich nämlich juristisch dagegen. Das bedeute zugleich, sagt Giltner, dass die Tiere von der Auffangstation vorerst nicht weitervermitteln werden dürften und wohl bis zu einem Jahr in der Obhut des Vereins bleiben. Darunter seien einige Schildkröten, die ausgewachsen 50 bis 60 Kilo wögen und deren Panzer knapp einen Meter lang werde.

Weil neben der Großabgabe der Behörde auch noch weitere Tiere neu angekommen seien - allein 30 Vogelspinnen wurden abgegeben und vier ausgesetzte Bartagamen gefunden - stoße die Auffangstation an räumliche Grenzen: Schildkröten brauchen Auslauf. Und die Vogelspinnen leben in je einem Terrarium; diese stapelten sich jetzt in der Station, sagt Giltner.

Hinzu komme das finanzielle Problem: Wenn eine Behörden Tiere abliefere, bezahle sie zwar, aber nur einen Pauschalbetrag. Nicht enthalten seien darin Kosten etwa für die Grundfläche und fürs Heizen - Schildkröten wollen es auch im Herbst und Winter eher wärmer. Den Preis für die Aufnahme eines Tieres hochzusetzen, wäre aber nur eine theoretische Lösung, sagt Sandra Giltner. Müssten die Behörden den wahren Preis für die Versorgung eines Tieres bezahlen, bestünde die Gefahr, dass dann weniger Tiere abgegeben würden, sprich: Mit Verweis aufs öffentliche Budget käme es wahrscheinlich zu weniger Beschlagnahmungen, weniger Tiere kämen in Sicherheit. Genau das aber wolle man, sagt Giltner: Dass Tiere in Not gerettet werden. Also bleibe nichts anderes übrig, als die Zusatzkosten wie bisher über Spenden zu finanzieren.

© SZ vom 09.09.2020 / beka

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