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Mutmaßliche Vergewaltigung nach Rathaus-Party:"Ich bin kein Tier"

Asif M. soll eine 19-Jährige in einer Grünanlage vergewaltigt haben. Er aber streitet alles ab und stellt das mutmaßliche Opfer stattdessen als Gelegenheitsprostituierte dar.

Von Andreas Salch

Natürlich steht es jedem Angeklagten frei, die Dinge vor Gericht so darzustellen, wie es ihm am günstigsten erscheint. Das gilt auch für Asif M. Der 30-Jährige, dem die Vergewaltigung einer Auszubildenden zur Last gelegt wird, streitet aber nicht nur alles ab - in dem Prozess am Landgericht München I, der an diesem Donnerstag begonnen hat, stellt M. zudem das mutmaßliche Opfer so dar, als handle es sich bei ihr um eine Gelegenheitsprostituierte, die ihn in einem Hinterhof eines Clubs in der Nähe der Herzog-Spital-Straße von sich aus minutenlang küsste und dann vor ihm ihr T-Shirt herunterzog.

Gegen 1.30 Uhr am 20. Oktober vergangenen Jahres sei er von der jungen Frau am Stachus angesprochen worden, sagt Asif M. Sie habe ihm für 50 Euro Sex angeboten. Er habe nur noch 30 Euro dabei gehabt. Trotzdem habe die junge Frau eingewilligt. Als er jedoch bemerkt habe, dass es in einem Hinterhof zum Sex kommen sollte, habe er abgelehnt, so M. "Ich will nicht. Ich bin kein Tier", habe er zu der 19-Jährigen gesagt.

Daraufhin habe sie angefangen zu weinen. Aus Mitleid, so versichert Asif M., habe er ihr die 30 Euro gegeben und gesagt, sie könne das Geld behalten. "Dann sprang sie mir in die Arme", so der 30-Jährige. Während seiner Aussage lächelt Asif M. immer wieder und sagt schließlich: "Das war's, sonst habe ich nichts zu sagen."

Auch dem Vertreter der Staatsanwaltschaft entgeht nicht, dass der 30-Jährige oft lacht. Er glaube nicht, dass er das auch noch bei der Strafe tun werde, die ihm bei einer Verurteilung blühe, sagt der Anklagevertreter zu M. und fügt hinzu: "Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt", alles so darzustellen, wie es sich zugetragen hat. Die Auszubildende habe das, was geschehen ist, "ein bisschen anders" erzählt. Asif M. antwortet: "Verstanden."

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft kam die 19-Jährige in der Nacht von einer Feier im Rathaus. Da sie Durst hatte, sprach sie auf dem Heimweg am Stachus eine Gruppe junger Männer an, in der sich auch Asif M. befand. M. bot der Auszubildenden an, ihr in einer Tankstelle in der Nähe etwas zu kaufen und forderte sie auf, mit ihm zu gehen. Auf dem Weg zur Tankstelle versuchte er laut Anklage, die 19-Jährige an der Hand zu nehmen, doch sie zog die Hand weg. Kurz darauf soll er sie aufgefordert haben, Tabletten zu schlucken, doch sie lehnte ab. In einer Grünanlage soll M. die junge Frau plötzlich gepackt haben. Laut Staatsanwaltschaft drückte er sie an die Wand eines Pavillons und küsste sie, wobei er ihr auf die Lippen und in die Zunge biss, sodass sie blutete. Unter Schlägen soll er die 19-Jährige gezwungen haben, eine Ecstasy-Tablette zu schlucken.

Um dem Angeklagten, der sie immer heftiger bedrängte, auszuweichen, ließ sie sich an der Glaswand des Pavillons herunterrutschen. Als sie erneut schrie, rannte M. davon. Die junge Frau war erstarrt und nicht in der Lage zu fliehen. Asif M. kam zurück. Die 19-Jährige begann wieder zu schreien, aber nun verging sich der 30-Jährige laut Anklage an ihr. Als Passanten auf die Hilfeschreie aufmerksam wurden, ließ er von ihr ab und lief weg.

Er habe sie nicht gebissen, erklärt M. bei seiner Vernehmung. "Wie erklären Sie sich dann die Verletzungen?", fragt Richter Markus Koppenleiter. "Ich habe sie nicht gebissen", beteuert M. noch einmal. "Wie sind die Verletzungen zustande gekommen?", hakt der Vorsitzende nach. "Davon weiß ich nichts", erwidert Asif M. Der Prozess wird fortgesetzt.

© SZ vom 25.09.2020/syn
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