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Polizei in München:Vergiftete Limo in Supermärkten: Verdächtige gefasst

Supermarkt in München während der Corona-Krise, 2020

In München waren in März und April vergiftete Softdrinks in Supermärkten aufgetaucht.

(Foto: Stephan Rumpf)

In zwei Supermärkten waren im Frühjahr vergiftete Softdrinks ins Regal gestellt worden. Nun hat die Polizei eine 56-Jährige festgenommen - sie soll psychisch beeinträchtigt sein.

Im Fall der vergifteten Getränke in Münchner Supermärkten hat die Polizei eine Verdächtige gefasst. Es handle sich um eine 56 Jahre alte, psychisch kranke Münchnerin, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag mit. Die Frau sei bereits mehrmals strafrechtlich in Erscheinung getreten. Immer wieder liefen Ermittlungsverfahren gegen sie, unter anderem in den Jahren 2017 und 2018, als sie wiederholt Hakenkreuze an Hauswände geschmiert haben soll. Auch für Brandstiftungen in einer katholischen Kirche sowie in einer Selbsthilfeeinrichtung der Stadt in diesem Jahr soll die Frau verantwortlich sein. Verurteilt wurde sie laut Staatsanwaltschaft allerdings nie - immer wegen ihrer Schuldunfähigkeit. Auch einen Zusammenhang zwischen den früheren Taten und den vergifteten Getränken gibt es nach aktuellem Ermittlungsstand nicht.

Der Frau auf die Spur gekommen sei man einerseits durch DNA-Spuren an den Flaschen, sagte Josef Wimmer, Leiter der Mordkommission. Zum anderen hatte die Verdächtige die Getränke zunächst in den Supermärkten gekauft und mit EC-Karte bezahlt - die hinterlegten Daten führten dann zu ihr, wie die Polizei berichtete. In ihrer Wohnung fand man viele Gefäße und Flaschen, außerdem einen ausgeschnittenen Zeitungsartikel über den Fall.

Die Verdächtige habe bislang keine verwertbaren Angaben zum Tathergang gemacht, auch nicht zur Frage, ob sie noch weitere Getränke vergiftet habe, sagte Wimmer. Nach den Ermittlungen der Polizei gebe es hierfür jedoch keine Anhaltspunkte. Man habe im Wohnumfeld der Verdächtigen 40 Geschäfte überprüft und keine Hinweise auf weitere manipulierte Getränke erhalten. Das Restrisiko sei "sehr, sehr gering", sagte Wimmer. Kunden sollten beim Kauf immer darauf achten, dass der Perforierungsring am Schraubverschluss nicht beschädigt ist. Das deute darauf hin, dass die Flasche nicht geöffnet wurde.

Laut einem am Wochenende erstellten psychiatrischen Gutachten war die Frau zur Tatzeit nicht schuldfähig. Die Staatsanwaltschaft hat einen Unterbringungsbefehl beantragt, der am Samstag erlassen wurde. Die Frau wurde vorläufig in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Man gehe davon aus, dass sie in unbehandeltem Zustand weiterhin Straftaten begehen werde, sagte der ermittelnde Staatsanwalt in der Pressekonferenz.

Im März und April waren in zwei Supermärkten im Münchner Westen Softdrinks mit einer giftigen Substanz aufgetaucht. In mindestens drei Fällen hatten Kunden das Getränk gekauft und davon getrunken, zwei von ihnen mussten sich sogar in ärztliche Behandlung begeben. Allen ging es nach kurzer Zeit zwar wieder gut, sie hatten wegen des bitteren Geschmacks nicht viel geschluckt, sondern die Flüssigkeit gleich wieder ausgespuckt. Die Dosis der in den Flaschen enthaltenen Giftstoffe hätte jedoch auch tödlich sein können, wenn die Kunden mehr davon konsumiert hätten, wie die Ermittlungen ergaben. Deshalb wird gegen die Frau unter anderem wegen versuchten Mordes ermittelt.

Zur Frage, warum die Polizei die Fälle aus dem Frühjahr erst in der vergangenen Woche publik gemacht hatte, hieß es am Samstag, man habe zunächst die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung abwarten und die Taten miteinander in Zusammenhang bringen müssen. Dies habe aufgrund der zahlreichen Notrufe, die wegen angeblich verunreinigter Lebensmittel und Getränke bei der Polizei eingehen, viel Zeit benötigt. Oftmals stellten sich solche Anrufe als Fehlalarm heraus, dennoch müsse jedem einzelnen nachgegangen werden.

© SZ.de/lfr/hob/kast
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