Streit um Paketposthallen-Projekt:Darum ist ein Hochhaus-Wettbewerb richtig

Planung Paketposthalle München  - Stand Juni 2021

Zwei 155 Meter hohe Türme sollen im Münchner Westen entstehen.

(Foto: Herzog de Meuron)

Das Projekt rund um die geplanten Türme an der Paketposthalle ist schon weit fortgeschritten. Jetzt alles wieder überdenken - ist das eine gute Idee? Im Fall der beiden Hochhäuser: ja.

Kommentar von Sebastian Krass

Es ist zweifellos ungewöhnlich und für den Investor Ralf Büschl überraschend: Gut zwei Jahre nach der ersten Präsentation der Entwürfe von Hochhäusern an der Paketposthalle durch das Büro Herzog und de Meuron fordern die Spitzen der grün-roten Rathauskoalition einen Wettbewerb zur Architektur dieser Türme ein. Das ist ein richtiger Schritt - und keinesfalls zu viel verlangt.

Grüne und SPD korrigieren damit zumindest teilweise einen Fehler, den sie selbst 2019 unter Mithilfe des Planungsreferats begangen haben. Damals kürte die Stadt voreilig den "Masterplan" von Herzog/de Meuron zu der Weisheit letztem Schluss, anstatt einen städtebaulichen Wettbewerb an den Anfang des Verfahrens zu stellen, wie es sich bei diesem Bauvorhaben von epochaler Dimension für München gehört hätte. Das wirkte nicht nur für Kritikerinnen und Kritiker des Baus von Hochhäusern in München wie eine freundliche Geste dem Investor zuliebe.

Das Plädoyer der Fraktionsspitzen von Grün-Rot für einen Hochhaus-Wettbewerb bedingt nun, dass die bisherige Planung von Herzog/de Meuron vom Tisch ist. Denn Anna Hanusch (Grüne) und Christian Müller (SPD) können von der Wettbewerbsidee nicht abrücken, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Zugleich können Herzog/de Meuron nicht mit bereits bekannter Ware in einen Wettbewerb gehen - wenn Sie denn daran teilnähmen. Für Investor Büschl ist das ärgerlich, hat er doch bereits namhafte Summen, vermutlich in Millionenhöhe, in die bisherige Planung investiert, nicht nur als Honorar für Herzog/de Meuron, sondern auch für diverse weitere Planungsbüros und Expertisen. Aber das ist sein Geschäftsrisiko.

Und sein Projekt, das insgesamt ein Volumen in Milliardenhöhe hat, ist ja nicht passé. Im Gegenteil, erstens gibt es im Stadtrat weiter ein breites fraktionsübergreifendes Bekenntnis dazu, die Paketposthalle zum Leben zu erwecken und drumherum ein modernes Stadtquartier zu entwickeln, das Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit setzt, wie der Investor verspricht.

Zweitens wird das nun anstehende Bürgergutachten neue spannende Anregungen ergeben. Diese in die Planung aufzunehmen, stärkt die Legitimation des Bauvorhabens. Dazu beitragen würde es - drittens - auch, wenn Büschl zustimmt, per Wettbewerb nach dem besten Hochhaus-Entwurf zu suchen, statt sich von der Stadt zwingen zu lassen.

Wenn er nicht einwilligt, ist das eine Steilvorlage für Hochhaus-Gegnerinnen und -Gegner, die sich im Hintergrund bereits organisieren. Sie können dann das Bild vom bösen Investor zeichnen, der die Planungshoheit der Stadt und den Willen einer demokratisch legitimierten Stadtratsmehrheit nicht respektiert. Und das würde wiederum den Druck auf die Politik erhöhen, erst recht hart zu bleiben.

© SZ vom 23.09.2021/infu
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