Ostbahnhof:Kritik am Wegfall der Autozüge

Ostbahnhof schmuddeligge Hinterseite, Flächen Friedensstrasse, Autozugflächen

Die Zeit ist doch noch nicht ganz abgelaufen für die Autoreisezüge - doch das Bahnhofsareal soll verschwinden.

(Foto: Florian Peljak)

Die Deutsche Bahn will das Autozugterminal an der Friedenstraße wegen der neuen Station der zweiten Stammstrecke ersatzlos aufgeben. Das will der Verkehrsclub Deutschland nicht hinnehmen.

Von Andreas Schubert

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) wehrt sich massiv gegen das Vorhaben der Deutschen Bahn (DB), von München aus den Transport von Autos auf Reisezügen einzustellen. Der Konzern hat sich schon vor einigen Jahren von ihren Autoreisezügen verabschiedet, doch am Münchner Ostbahnhof bietet das private Unternehmen Train4you noch immer einen Urlaubs-Express an, der zwischen München und Hamburg verkehrt. Doch weil die Bahn an der Friedenstraße den neuen S-Bahnhof für die zweite Stammstrecke bauen will, soll das Verladeterminal weichen. Einen Ersatz in München oder in der näheren Umgebung sieht die DB nicht vor. Der Vorteil des neuen Standorts für den S-Bahnhof liegt für die Bahn auf der Hand: Dort kann sie einfacher bauen, da die Station nicht mehr in rund 40 Metern Tiefe entstehen würde, sondern nur noch in 16 Metern.

Doch der VCD sieht das anders und will gegen die neuen Pläne Einwendungen erheben. Für den Verein ist das Ende der Autoverladung ein "unzulässiger Eingriff in die Schieneninfrastruktur". "Der beabsichtigte Rückbau noch benötigter Bahnhofsinfrastruktur stellt für uns ein Alarmsignal dar, in einer Zeit, wo die Gesellschaft mehr auf den klimafreundlichen Verkehrsträger Bahn setzt", heißt es in einer am Montag veröffentlichten Resolution. Den Südosten Deutschlands völlig vom Autozugnetz abzuhängen, sei der falsche Weg.

Auch eine Verlagerung des Terminals nach Kempten im Allgäu stelle keinen Ersatz dar, zudem müsse die DB ihre Preispolitik für das Autozugterminal ändern. Dass dessen Nutzung sechsmal so teuer sei wie in Österreich, sei nicht zu rechtfertigen, erklärt der VCD.

Autozüge seien ein - wenn auch nur kleiner - Baustein für klimafreundlichen Verkehr in Europa. Im Zuge der Fertigstellung des Brenner-Basistunnels ergäben sich attraktivere Möglichkeiten, Autozüge nach Italien und damit eine sinnvolle Alternative zu der im Sommer hoffnungslos überlasteten Brenner-Autobahn anzubieten. Der VCD schlägt vor, zum Beispiel an schwach genutzten Gleisflächen am Ostbahnhof, wie etwa die Gleise 13 und 14, weiterhin für die Abfertigung von Autoreisezügen zu ermöglichen.

Außerdem kritisiert der VCD, dass an der neuen Station keine Fahrradstellplätze geplant seien und die Berg-am-Laim-Straße wegen der Bauarbeiten 23 Wochen für den Trambahnverkehr nicht mehr befahrbar sei. Auch die Bahnsteige müssten anders geplant werden, um besseres Umsteigen zu ermöglichen.

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