Schwierige Unterbringung:Stadt rechnet mit mehr Wohnungslosen

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Schwierige Unterbringung: Die Stadt rechnet damit, dass die Zahl der Menschen ohne Wohnung im nächsten Jahr wieder zunimmt.

Die Stadt rechnet damit, dass die Zahl der Menschen ohne Wohnung im nächsten Jahr wieder zunimmt.

(Foto: Florian Peljak)

Weil die Zahl der Menschen ohne Unterkunft nach der Pandemie wieder steigen wird, will das Sozialreferat für das nächste Jahr 700 zusätzliche Betten in Flexi-Heimen oder Pensionen bereitstellen.

Von Sven Loerzer

Die Stadt muss seit Jahren immer mehr Wohnungslose unterbringen. Die Corona-Pandemie hat zwar kurzzeitig die Zahl bei rund 9000 stagnieren lassen, doch weil der Bedarf nach der Überwindung der Pandemie wieder deutlich steigen dürfte, will Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) bereits im nächsten Jahr Unterbringungskapazitäten für bis zu 700 Wohnungslose zusätzlich schaffen.

Sie sollen in Flexi-Heimen, Einrichtungen der Verbände und Pensionen untergebracht werden. Da auch für einen Teil der bislang rund 3500 Bettplätze zur Sofortunterbringung in gewerblichen Beherbergungsbetrieben wie Pensionen die Verträge auslaufen, muss sich das Sozialreferat Anfang 2022 per Ausschreibung 1500 Bettplätze sichern.

Dass der Wohnungsnotstand in diesem und dem vergangenen Jahr nicht weiter zugenommen hat, führt Schiwy auf die coronabedingten Einschränkungen zurück. So sei beispielsweise der Bevölkerungszuwachs 2020 durch eine deutlich verringerte Migration niedriger als in den Vorjahren ausgefallen. Trotz der unverminderten Neubautätigkeit sei aber die Nachfrage nach Bettplätzen gleich geblieben. Schiwy rechnet deshalb damit, dass die Wohnungslosenzahlen wieder steigen, sobald sich die Pandemielage entspannt. Das Sofortunterbringungssystem der Stadt brauche deshalb dringend mehr Kapazitäten, um allen Hilfesuchenden ein Dach über dem Kopf bieten zu können.

Dazu will sich Schiwy mehr Bettplätze in Billigpensionen sichern. Längerfristig, bis 2025, soll die Zahl der Plätze in Flexi-Heimen von derzeit 840 auf 5000 aufgestockt werden. Sie bieten mit Kochnische und Nasszelle im Zimmer und Gemeinschaftsräumen eine befristete Unterbringung und sind an die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen wie etwa Alleinstehende, Paare oder Familien anpassbar: "Damit kann in der langen Wartezeit auf eine Wohnung in München eine Situation hergestellt werden, die sich schon weitgehend wie Wohnen anfühlt", erklärt die Sozialreferentin.

Zwei weitere Flexi-Heime für insgesamt rund 200 Bewohner sollen im nächsten Jahr eröffnet werden. Wegen der äußerst schwierigen Lage auf dem Münchner Immobilienmarkt kommt der Bau von Flexi-Heimen, die eine qualitativ bessere Unterbringung ermöglichen als etwa in Pensionen und Notquartieren, aber längst nicht so schnell voran, wie ursprünglich erhofft.

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