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Karneval trotz Corona:"Deswegen ist der Fasching aber nicht abgesagt"

Die Narrhalla stellte ihr neues Prinzenpaar vor einem Jahr wie üblich auf dem Viktualienmarkt vor. Dieses Jahr geht das nicht.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Karnevalsgesellschaft Narrhalla trägt die Corona-Maßnahmen ausdrücklich mit - und tüftelt aus, wie sie trotzdem Freude unter die Menschen bringen kann.

Interview von Laura Kaufmann

Natürlich kann während eines "Lockdown light" keine fröhliche Vorstellung eines Faschingsprinzenpaares auf dem Viktualienmarkt stattfinden, das war auch Narrhalla-Präsident Günther Grauer sofort klar. Die Stadt hat die Faschingsaktivitäten für den November abgesagt - und der Verein trägt die Entscheidung mit. Ganz wolle man sich den Fasching aber nicht nehmen lassen, erklärt Grauer, Wirt des Roy und Mitglied der ältesten Faschingsgesellschaft Münchens, seit er vor 20 Jahren selbst zum Prinzen gekürt wurde.

SZ: Herr Grauer, mit den Christkindlmärkten wurde nun auch der Fasching abgesagt. Trifft Sie das hart?

Günther Grauer: Der Fasching ist - wie auch schon das Oktoberfest - dafür da, um den Menschen Freude zu bereiten, und auf die gewohnte Art geht das halt nicht in diesen schwierigen Zeiten. Deswegen ist der Fasching aber nicht abgesagt, er wird eben anders. Wir werden trotzdem ein Prinzenpaar stellen. Normalerweise machen wir gerade karitativen Stätten, Seniorenheimen oder Behindertenwerkstätten eine Freude, wenn wir sie mit dem Prinzenpaar besuchen. Da wird mitgeklatscht und mitgesungen, und egal ob das Kinder sind oder Senioren, die Augen leuchten. Das geht natürlich in diesem Jahr nicht.

Lässt sich das denn ersetzen?

Wir werden zumindest ein Narrhalla-Magazin auf die Beine stellen und es all diesen Einrichtungen zuschicken, damit sie wenigstens etwas zum Anschauen haben. Die Schäffler haben während der Pest getanzt, warum sollten wir als älteste Faschingsgesellschaft Münchens den Leuten nicht trotzdem eine Freude bereiten?

Viele öffentliche Auftritte wird das Prinzenpaar erst einmal nicht haben.

Ich denke nicht. Die Vorstellung wird es geben, sie wird einfach online abgehalten. Auf Facebook, auf Instagram, wir sind da gerade in Gesprächen mit Kooperationspartnern. Aber ich denke, gerade diese beiden werden das gut hinbekommen: Der Prinz ist Musiker und tritt seit acht Jahren im Fernsehen auf, die Prinzessin arbeitet im Onlinegeschäft. Aber ich will noch nicht zu viel verraten.

Die offizielle narrische Zeit beginnt ohnehin erst nach Heilige Drei Könige...

Es sind schon alle Bälle abgesagt. Das ist einfach nicht durchführbar. Auch uns liegt an der Gesundheit der Leute. Wir wollen auf keinen Fall jemanden gefährden. Und wir wollen, wenn die Zeiten dann wieder besser sind, mit allen zusammen feiern können.

Günther Grauer bei Verleihung des "Sigi Sommer Talers" in München, 2019

Narrhalla-Präsident Günther Grauer kann die Entscheidung, den Faschingsauftakt am 11.11. auf dem Viktualienmarkt abzusagen, "in jeder Beziehung nachvollziehen".

(Foto: Sebastian Gabriel)

Sehr viel Fasching wird also auch im nächsten Jahr nicht stattfinden?

Die Verleihung des Sigi-Sommer-Talers, die seit 20 Jahren im Schlachthof stattfindet, verschieben wir auf das Frühjahr. Für die Verleihung des Karl-Valentin-Ordens überlegen wir uns noch etwas. Normalerweise laufen diese Veranstaltungen jedes Jahr nach einem ähnlichen Grundkonzept. Jetzt schreiben wir Regiebücher für die Online-Präsentation des Prinzenpaars. Es weiß ja keiner, wie die Situation im Januar und Februar sein wird, ob die Gastronomie da wieder offen haben wird. Da müssen wir sehr aktuell gute Konzepte ausarbeiten. Wie das dann aussieht, ob wir mit dem Prinzenpaar kleine Runden besuchen und uns mit dem Stammtisch der Dackelzüchter zum Gespräch treffen, das wird sich zeigen. Wir sind da tatkräftig am Ausklügeln.

Böse Zungen würden behaupten, der Ausfall der Faschingssaison träfe München nicht besonders hart.

Der eine mag Fasching, der andere nicht. Auch beim Oktoberfest fand die Absage sicher die Mehrzahl schade, und trotzdem gab es garantiert welche, die sagen, das macht mir gar nichts. Die ganze Corona-Lage ist traurig genug. Und ich denke, dass gerade ältere Menschen durch den Lockdown isoliert sind, das greift auch psychisch an. Wir wollen zeigen, dass wir als Verein durchhalten, und wir wollen trotz allem noch ein bisschen Lächeln in die Gesichter zaubern.

© SZ vom 03.11.2020/syn
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